Allgemeinmediziner Dr. Abdul Kattih

Northeimer Arzt als Dolmetscher für Syrer

Hilfsbereit: Der Northeimer Allgemeinmediziner Dr. Abdul Kattih (von links) hat die Syrer Dr. Mohamed Aldaas, Safaa Aldaas und Wafaa al Bukai zu Gast. Fotos: Schrader

Northeim. Der Northeimer Allgemeinmediziner Dr. Abdul Kattih hilft Syrern als Dolmetscher und Gastgeber.

„Ich hoffe auf einen Deutschkurs, um danach wieder arbeiten zu können“, sagt der Assistenzarzt Dr. Mohammed Aldaas. Beim Tee erzählt er auf Englisch über Liebe und Leid der vergangenen Flucht. Drei Wochen war der 28-Jährige unterwegs und legte rund 4000 Kilometer zurück, davon 500 Kilometer zu Fuß.

Der 28-Jährige stammt aus der südlichen syrischen Stadt Daraa, wo die Revolution begann. Er flüchtete vor dem Assad-Regime und kam in Friedland an, wo er den Northeimer Allgemeinmediziner Dr. Abdul Kattih traf, der ehrenamtlich als Dolmetscher arbeitet. Kurzerhand nahm der 79-jährige Northeimer, der selbst 1957 aus Syrien flüchten musste, seinen Landsmann bei sich auf.

Heirat im Libanon 

Auf seiner ersten Station im Libanon traf Dr. Aldaas die Syrerin Safaa al Bukai und verliebte sich. Kurze Zeit später heiratete er die 28-jährige Anglistik-Dozentin, die mit ihrer Schwester Wafaa (25) auf der Flucht war. Gemeinsam setzten die drei ihren Weg nach Deutschland fort, auf dem sie gute Erfahrungen machten, aber auch in gefährlichen Situationen gerieten.

„Die Menschen in der Türkei waren sehr hilfsbereit. Am gefährlichsten war es in Ungarn“, erinnerte er sich. An der ungarischen Grenze wurden sie festgenommen und ins Gefängnis gebracht. „Zehn Tage mussten wir mit Handschellen gefesselt ausharren, bevor wir zurück nach Serbien geschickt wurden.“ Die nächste Nacht haben sie es wieder versucht, über die Grenze zu kommen, zuerst zu Fuß und dann mit dem Taxi. Sie schafften schließlich die Passage durch Ungarn. Sie seien sehr ängstlich gewesen, weil sie gehört hatten, dass Flüchtlinge, die den hohen Fahrpreis nicht zahlen können, direkt zur Polizei gebracht werden, berichtet Dr. Aldaas. Und: Die ungarische Regierung habe ein Gesetz beschlossen, dass Einwohner Ungarns eine Prämie erhalten, wenn sie Flüchtlinge anzeigen.

Außerdem gibt es laut Dr. Aldaas auch Gerüchte, dass Flüchtlinge an Organhändler verkauft werden und in Kühllastern landen.

Um so größer war natürlich die Erleichterung bei dem Trio, als es österreichischen Boden betrat und später im Zug von Wien nach Frankfurt saß. Mit Regionalbahnen gelangten die drei schließlich am Dienstag vergangener Woche ins Erstaufnahmelager Friedland. „Alle Helfer dort und die Mitarbeiter der Stadt- und Kreisverwaltung in Northeim sind sehr freundlich und hilfsbereit“, lobt Dr. Mohamed Aldaas das Engagement.

Warten auf Sprachkurs 

Am liebsten würde er sofort mit einem Sprachkurs anfangen. Schließlich will er so schnell wie möglich wieder arbeiten, um seinem Gastland nicht auf der Tasche liegen zu müssen. Nach dem Sprachkurs will er ein Praktikum bei einem Arzt absolvieren.

Der Andrang bei der Kreis-Volkshochschule nach Deutschkursen ist groß, berichtet Dr. Kattih: 700 Interessierte haben sich bereits für einen Sprachkurs angemeldet. Vier syrische Ärzte habe er bereits „untergebracht“, sagt der 79-Jährige, darunter einen Kardiologen, der jetzt im Weender Krankenhaus arbeitet und einen Arzt, der seit acht Monaten in Deutschland ist und jetzt bei einem niedergelassenen Arzt in Northeim arbeitet.

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