Northeimer Bauern gegen Volksbegehren

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Streitpunkt Ackerbau: Unser Bild zeigt einen Landwirt bei der Einsaat von Sommergerste.

Die Bauern machen mobil gegen das geplante Volksbegehren „Artenvielfalt“.

Ziel dieser vom Nabu vorangetriebenen Aktion ist es, im Sinne des Natur- und Umweltschutzes eine breite Zustimmung für mögliche Gesetzesänderungen im Bereiche der Landwirtschaft zu erreichen und den Anteil des Ökolandbaus deutlich zu erhöhen.

„Für uns ist nicht nachvollziehbar, warum der Nabu die Unterschriftenaktion Anfang Februar zu einem Zeitpunkt angeschoben hat, als die Naturschutzverbände, die Vertreter der Landwirtschaft und die Politik noch zu diesem Thema an einem Tisch gesessen haben“, sagt Claus Hartmann vom Vorstand des Kreisbauernverbandes Northeim-Osterode und betont, dass mit dem im Nabu-Vorschlag vorgesehenen finanziellen Ausgleich für die Landwirte lediglich die Kosten für Maßnahmen im Sinne des Umweltschutzes gedeckt werden könnten. „Die entgangenen Erträge für diese Fläche und somit die Einnahmen werden jedoch überhaupt nicht berücksichtigt.“

Claus HartmannVorstand Kreisbauernverband

Dass nur eine Berufsgruppe, nämlich die Bauern, die Kosten für mehr Naturschutz tragen sollen, sei nicht hinnehmbar, so Hartmann. Das sei eine Aufgabe, die von der gesamten Gesellschaft getragen werden müsse. Im Übrigen werde die Bedeutung, die Landwirte für die Natur und ihren Schutz bereits jetzt schon einnehmen, verkannt.

Hartmann verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass die Bauern in Niedersachsen mit dem Anlegen von mehr als 23 000 Hektar Blühflächen, 24 500 Hektar Stilllegungsflächen und diversen weiteren Maßnahmen schon längst etwas für den Erhalt und die Förderung der Artenvielfalt getan hätten.

So sieht das auch Arne Röttcher aus Lagershausen, der sich neben anderen Landwirten aus dem Landkreis Northeim in der bundesweit agierenden Gruppe „Land schafft Verbindungen“ (LSV) engagiert und unter anderem auch an der Aktion „Grüne Kreuze“ beteiligt war, mit der Bauern für mehr Akzeptanz in der Bevölkerung geworben hatten.

„Ich bin Landwirt und beherberge auf meinem Hof Schleiereulen, Turmfalken, Schwalben, Fledermäuse und Spatzen“, sagt Arne Röttcher. „Und in meinen Umfeld sind Hermelin, Eisvogel, Storch und Sumpfschnepfe anzutreffen. Damit biete ich sicher mehr Tieren ein zu Hause als die Menschen in der Stadt. Insofern kann ich es nicht mehr hören, dass wir Bauern angeblich für den Rückgang der Arten verantwortlich sind.“ 

Röttcher verweist in diesem Zusammenhang auf eine Mitteilung des Landvolks. In der wird unter anderem darauf hingewiesen, dass es in Niedersachsen mehr als 690 000 Hektar Wiesen und Weiden gibt, die durch die seit Jahrhunderten währende Viehhaltung auf den Bauernhöfen entstanden sind und ein wichtiger Teil der Kulturlandschaft geworden sind. Die im Rahmen des Volksbegehren geforderten Einschränkungen der Grünlandnutzung hätte nach Einschätzung des Landvolks zur Folge, dass Gras als wertvolles Futter für die Kühe importiert werden müsste.

Auch die Ausweitung der Verbote von chemischen Pflanzenschutzmitteln ist aus Sicht der Bauern im Hinblick auf die Auswirkungen auf die Böden und das Klima kontraproduktiv. Durch „konservierenden Ackerbau“ minimierten viele Bauern die Bodenbearbeitung, heißt es dazu in der Stellungnahme, beispielsweise durch den Verzicht auf das Pflügen. Das sei gut für das Bodenleben, die Artenvielfalt sowie für die Speicherung von CO2 und Wasser. Weitere Vorteile seien die Vermeidung von Bodenerosion und ein geringerer Dieselverbrauch durch den geringeren Maschineneinsatz. Ohne einen bedarfsgerechten Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln sei diese Art von Ackerbau aber nicht möglich. 

Auch die vom Nabu geforderte gesetzlich vorgeschriebene Erhöhung des Ökolandbaus wird vom Landvolk kritisch gesehen. „Die niedersächsischen Ökobauern erzeugen so viele Nahrungsmittel, wie sie zu angemessenen Preisen vermarkten können“, heißt es weiter. Nur so lasse sich nachhaltig wirtschaften. Komme es aber zu eine Überversorgung mit Nahrungsmitteln aus ökologischer Landwirtschaft, sei zu befürchten, dass der Bio-Markt zusammenbricht. Es reiche daher nicht aus, per Gesetz den Anteil des Ökolandbaus zu erhöhen. Zunächst müsse dafür gesorgt werden, dass die Verbraucher das Mehr an Öko-Erzeugnissen auch zu vertretbaren Preisen kauft. 

„Nicht für die gesamten 690 000 Hektar Grünland, sondern lediglich für ausgewiesene EU-Vogelschutzgebiete soll die eingeschränkte Nutzung gelten“, weist Klaus Bodenstein, 2. Vorsitzender des Nabu Northeim und Umgebung die Kritik des Landvolks zurück. Die sieht vor, das zwischen dem 20. März und 15. Juni eine Bodenbearbeitung untersagt wird. Bodenstein: „Das soll aber nur nur dann gelten, wenn in dem jeweiligen Jahr auch tatsächlich schützenswerte Wiesenvogelarten auf den Flächen brüten.“ Unstrittig sei, dass der Futterwert des erst Mitte Juni gemähten Grases gegenüber der Mahd Mitte Mai erheblich sinkt. Bodenstein hält es aber für sehr unwahrscheinlich, dass ein Milchviehbetrieb mit sämtlichen oder auch nur einem Großteil seiner Grünlandflächen betroffen sei. 

Die Behauptung des Landvolks, die konservierende Bodenbearbeitung habe zusammen mit dem Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln Vorteile für die Umwelt bezeichnet Bodenstein als „unter dem Strich falsch“. Richtig sei zwar, dass der Verzicht auf das Pflügen positive Wirkungen insbesondere auf den Bodenschutze habe. Der dabei nötige hohe Pestizideinsatz mache diese aber mehr als zunichte. Aus diesem Grund spiele die konservierende Bodenbearbeitung Ökolandbau faktisch keine Rolle.

Bezüglich des Marktes für Lebensmittel aus ökologischem Anbau teilt Bodenstein die Befürchtung des Landvolks nicht, dass eine Steigerung in Niedersachsen von aktuell 5 auf 20 Prozent zu einem Zusammenbruch führen könnte. „Das sehen auch die Ökolandbauverbände in Niedersachsen so, die ja selbst auch einen Anteil von 20 Prozent anstreben.“

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