Northeimer Frauenärztin Claudia Schumann übergab Praxis an junge Kollegin

Für beide ging ein Traum in Erfüllung: Julia Tilgner (links) wurde Leiterin einer Praxis, mit der sie sich identifizieren konnte und Dr. med. Claudia Schumann fand eine Nachfolgerin, die ihr Lebenswerk würdig weiterführt. Foto: Lischper

Northeim. Sie haben sich nicht gesucht und trotzdem gefunden. Während andere Ärzte oft jahrelang nach einem Nachfolger für ihre Praxis suchen und keinen finden, haben sich die Umstände bei Frauenärztin Dr. med. Claudia Schumann und ihrer Nachfolgerin Julia Tilgner wie ein Reißverschluss ineinander gefügt.

Am 1. Juli hat Julia Tilgner die Frauenarztpraxis in der Hindenburgstraße 26 übernommen. Jetzt sitzt sie täglich dort, wo vorher Claudia Schumann (63) saß, die die Praxis selbst einmal von ihrem Vorgänger Dr. Horst Czech übernommen hat. Das war 1987. Seitdem führte Schumann, so nennt sie es, „ein kleines Unternehmen“. Denn als selbstständige Ärztin eine Praxis zu führen, unterscheide sich wesentlich von der Arbeit in einem Krankenhaus.

Man müsse Entscheidungen treffen, fit sein in Betriebswirtschaft, Verantwortung übernehmen und Freude daran haben, einen großen Patientenstamm durch verschiedene Lebenszyklen zu begleiten. „Es ist mein Lebenswerk“, sagt Schumann. Ihre über Jahrzehnte gesammelten Erfahrungen habe sie weitergeben wollen. „Dass es da jemanden geben würde, der daran anknüpfen möchte, war für mich nicht zu jeder Zeit selbstverständlich.“

Julia Tilgner, Jahrgang 1977, profitiert als Nachfolgerin von diesem Erfahrungsschatz. Tilgner beschreibt es als „glückliche Fügung“. Denn als sie vor drei Jahren bei Schumann anrief, um zu fragen, ob sie eine Vertretung suche, befand sich diese an einem Punkt, wo sie sich langsam aus der Praxis verabschieden wollte.

Anfangs für Vetretungsdienste eingesetzt, wuchs Tilgner immer mehr in die Praxis hinein, lernte die Patientinnen kennen und bekam positive Rückmeldung für ihre Arbeit. Ein Angestelltenverhältnis, das 20 Wochenstunden umfasste, überzeugte sie endgültig davon, dass hier ihr neuer Platz sei - als Ärztin einer Praxis, die ein menschliches Ärztin-Patientin-Verhältnis kennzeichnet.

Dass Schumann ihrer jungen Nachfolgerin gleich etwas zutraute, habe diese als großen Vorteil erlebt. „Ich konnte gleich loslegen und hatte dennoch immer die Möglichkeit, Fragen zu stellen“, sagt Tilgner. Die Entscheidung gegen die Arbeit in einem Krankenhaus bereue sie nicht: „Als Ärztin die Frauen über Jahre zu begleiten, den Kreis des Lebens zu verfolgen und ihnen in schweren Zeiten zur Seite zu stehen, ist mein Anliegen.“

Jetzt ist Julia Tilgner ihre eigene Chefin und betreut um die 2000 Patientinnen im Jahr. - ein Großteil davon war schon bei ihrer Vorgängerin Claudia Schumann. Die weiß, dass es hilft, rechtzeitig nach einem Nachfolger Ausschau zu halten, sich über das lokale Netzwerk mit Kollegen auszutauschen und immer die Augen offen zu halten. Das Wichtigste sei aber, sein

Wissen weitergeben zu wollen - „man muss abgeben statt aufgeben.“

Von Anna Lischper

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