„Parkplätze allein lösen die Probleme nicht“

Northeimer Fußgängerzone soll neues Gesicht erhalten

Leerstand am Münster: Die ungenutzten Ladenflächen wieder zu füllen, ist eine der Hauptziele der Innenstadtumgestaltung.

Northeim. Schon vor der Entscheidung, ob die Innenstadt ins Städtebauförderungsprogramm aufgenommen wird, startet die Stadt die Vorbereitungen der Umgestaltung der Fußgängerzone.

„Parkplätze allein lösen die Probleme nicht“, betonte Bauamtsleiter Lars Bredemeier im Gespräch mit der HNA. Eine Öffnung von Teilen der Fußgängerzone für Fahrzeugverkehr sei nicht ausreichend. In der Fußgängerzone gebe es strukturelle Probleme. Dazu gehöre, dass viele Ladenflächen zu klein für die Anforderungen seien, die der Einzelhandel heute stelle.

„Die Fußgängerzone wird zusammenrücken“, umschrieb er, dass der Bereich, der fahrzeugfrei sein soll, wohl kleiner werden wird. Dort solle dann aber strikter als bisher darauf geachtet werden, dass Autos und Busse draußen bleiben. „Wir brauchen mehr Aufenthaltsqualität“, sagte der Bauamtsleiter.

Als erster vorbereitender Schritt für die Umgestaltung soll ein in Sachen Innenstadtmanagement erfahrenes Beratungsbüro im März mit Befragungen der Immobilieneigentümer und der Einzelhändler beginnen. Geplant sei, auf Grundlage der Ergebnisse, die bis Ende Juli vorliegen sollen, Maßnahmen festzulegen, was alles in der Fußgängerzone verändert werden soll. Dabei wird es nach Bredemeiers Worten nicht nur um die Frage gehen, wie die Straßen gepflastert werden.

Themen sollen auch sein:

  • die Zusammenlegung von Geschäftsflächen;
  • die Einführung einheitlicher Öffnungszeiten; • die Gestaltung der Fußgängerzone;
  • die Ansiedlung weiterer Geschäfte, aber auch von Gewerbe und Handwerk; und
  • die Umwandlung von Gewerbeflächen in Wohnraum.

Die Umsetzung soll 2018 beginnen. Wenn, wie Bredemeier erwartet, im März die Entscheidung gefallen ist, ob die Stadt ins Städtebauprogramm aufgenommen ist, steht dann auch Fördergeld zur Verfügung.

Fragen und Antworten

Die Umgestaltung der Fußgängerzone soll im nächsten Jahr beginnen. In Fragen und Antworten dazu hier einige Erläuterungen.

Wie soll die Umgestaltung finanziert werden? 

Natürlich rechnet die Stadt insgeheim mit dem Geld aus dem Städtebauförderungsprogramm mit dem sperrigen Titel „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“. Für die Gestaltung des öffentlichen Raums wird sie aber auch eigenes Geld investieren müssen. Außerdem sollen sich auch die Gewerbetreibende und Grundstücksbesitzern in der Fußgängerzone sich beteiligen.

Wie soll die finanzielle Beteiligung von Gewerbe und Immobilienbesitzern aussehen? 

Geplant ist nach den Worten von Bauamtsleiter Lars Bredemeier für die Fußgängerzone einen sogenannten Business Improvement District auszuweisen. Dieser englische Begriff bezeichnet ein Gebiet, in dem eine Standort-Gemeinschaft geschaffen wird.

Ziel dabei ist, gemeinsam das Gebiet aufzuwerten. Dafür ist vorgesehen, dass für einen festgelegten Zeitraum eine Abgabe von Gewertreibenden und Grundseigentümern erhoben wird.

Auf welcher rechtlichen Grundlage wird diese Abgabe erhoben? 

Die Abgabe soll auf Basis eines Landesgesetzes erhoben werden, das allerdings in Niedersachsen erst in der parlamentarischen Beratung ist. Laut Industrie- und Handelskammer gibt es entsprechende Gesetze bereits in zehn Bundesländern

Haben die Grundstückseigentümer und Gewerbetreibenden etwas davon, dass sie diese zusätzliche Abgaben zahlen müssen? 

Ja. Sie erhalten im Gegenzug ein Mitspracherecht bei der Gestaltung der Fußgängerzone. Bauamtsleiter Bredemeier spricht in dem Zusammenhang von Zuckerbrot und Peitsche.

Ist die Arbeit des Beratungsbüros mit der Befragung der Geschäftsleute und Grundeigentümer beendet? 

Nein. Das Unternehmen Alexander Rudnick Consultants soll darüber hinaus den Entscheidungsprozess begleiten, was in der Innenstadt verwirklicht wird. Auch die Anwerbung von Investoren und neuen Geschäften für die Innenstadt soll das in Barsinghausen bei Hannover ansässige Unternehmen übernehmen.

Wie wird Rudnick Consultants bezahlt? 

Für die Befragung hat der städtische Verwaltungsausschuss nach den Worten von Stadtbaurat Bredemeier vor der Verabschiedung des städtischen Haushalts 12 000 Euro freigegeben. Insgesamt soll die Arbeit der Berater allerdings 60 000 Euro kosten. Sollte die Stadt Northeim ins Städtebauförderprogramm aufgenommen werden, können diese Kosten zum Teil daraus bezahlt werden.

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