Offener Brief an die Stadt

Northeimer Händler: Amazon gefährdet die Innenstadt

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Das Industriegebiet West soll zwischen der Northeimer Westumgehung und der Bahntrasse im Bereich der EAM entstehen. Hier möchte der Internet-Versandhändler Amazon ein Verteilerzentrum bauen. 

 Der Rat der Stadt Northeim soll im Sinne der Attraktivität der Innenstadt handeln oder das Amazon-Verteilzentrum im neuen Industriegebiet West stoppen. 

Diese Forderung haben jetzt zwölf Northeimer Einzelhändler erhoben, nachdem entsprechende Investitionspläne des Internet-Riesen vorgestellt wurden (wir berichteten).

Mit Verwunderung habe man zahlreiche Statements politischer Entscheidungsträger vernommen, wonach die Ansiedlung Amazons den Northeimer Einzelhandel nicht beträfe, heißt es dazu in einem offenen Brief an den Rat der Stadt Northeim. Absender sind die Buchhandlung Grimpe, Francke Wohn- und Tischkultur, die Vinothek, das Antiquariat Beyer, Südekum gesunde Schuhe, das Drechslerstübchen Nolte, Eibels Teekontor, Zastrow Floristik, Naturkost Northeim, Foto Gesecus, Janda Gardinen und die Wäsche & Strumpfetage Hartmann/Renneberg.

Die von dem Konzern propagierte Lieferung von Waren innerhalb eines Tages im weiteren Umfeld des Verteilerzentrums habe durchaus schwerwiegende Folgen für die Innenstadt, so die Unterzeichner. Befremdlich sei, dass die „negativen Handlungsweisen und Auswirkungen diese Internetriesen“ mit keinem Wort erwähnt worden seien, sondern man den Konzern als „Retter Northeims“ gepriesen habe.

Selbstverständlich sei man über jeden Arbeitsplatz froh, der in Northeim geschaffen werde, betonen die Kaufleute, aber sie geben zu bedenken, dass Amazon 120 Arbeitsplätze für „vermutlich ungelernte Arbeiter mit einem Stundenlohn unter 12 Euro in Aussicht gestellt habe. Insofern seien die jetzt angestimmten Jubelarien doch ein wenig unverhältnismäßig, zumal die Frage sei, wie viele Arbeitsplätze diese Ansiedlung kosten werde.

Northeims Innenstadt werde seit Jahren stiefmütterlich behandelt, und dem Sterben des Einzelhandels könne man regelrecht zusehen, so die Unterzeichner. Sie kritisieren, dass Investitionen verschoben und angekündigte Konzepte nicht umgesetzt würden.

„Wenn Amazon dann noch die Möglichkeit bekommt, in diesem misslichen Umfeld Kunden tagesaktuell zu beliefern, sind weitere Geschäftsschließungen unvermeidlich“, machen die Kaufleute ihre Sorgen deutlich. In den vergangenen Monaten habe man immer wieder gehört, die Innenstadt sei das Herz Northeims, doch wenn man jetzt nicht handele, werde das sehr bald aufhören zu schlagen. „Wir verlangen daher ein schnelles Maßnahmenpaket zu Rettung der Northeimer Innenstadt“, so die zwölf Einzelhändler.

Die von ihnen angesprochenen Kritikpunkte sollen nach Auskunft des Northeimer Bürgermeisters Simon Hartmann in die Gesamtüberlegung einfließen. „Die Stadt Northeim bedankt sich für den Beitrag der Innenstadtkaufleute im Zusammenhang mit der geplanten Unternehmensansiedlung im Industriegebiet West“, sagte er am Dienstag auf HNA-Anfrage. „Dies entspricht unserem Angebot, einen öffentlichen Dialog zu führen.“

Durch den Vorschlag der Stadtverwaltung zur Umsetzung des Verkehrskonzepts Innenstadt, den gerade gestarteten Wettbewerb zur Münsterplatzgestaltung und den anstehenden Sanierungsmaßnahmen leiste die Stadt Northeim im Rahmen des auf viele Jahre angelegten Prozesses der Innenstadtsanierung bereits konkrete Beiträge zur Stärkung der Innenstadt, betonte Hartmann.

Darüber hinaus arbeite die Stadt Northeim konzentriert daran, auch den Gesamtstandort wirtschaftlich zu stärken. „Dazu kann die Ansiedlung des Unternehmens Amazon aus unserer Sicht einen wichtigen Beitrag leisten.“

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