Leonard Jöhnk ist Sportler und Kaffeeexperte

Northeimer Handballer, der den Kaffee l(i)ebt

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Er weiß, wie es geht: Barista Leonard Jöhnk im Kaffeehus in Göttingen. 

Northeim. Der 24-jährige Leonard Jöhnk ist nicht nur Stammspieler beim Handball-Drittligisten Northeimer HC, sondern auch ein absoluter Kaffee-Experte. 

Wenn man Leonard „Leo“ Jöhnk zum ersten Mal trifft und nur weiß, dass er als Linksaußen beim Drittligisten NHC (Northeimer Handball-Club) spielt, dann entpuppt sich der sympathische 24-Jährige ganz schnell als echte Überraschung: Der 1,92-Meter-Mann ist nicht nur Sportler durch und durch, sondern vor allem eines: Kaffeeexperte.

Wir treffen uns in einem Northeimer Eiscafé. Leonard bestellt Cappuccino. „Ist okay“, sagt er grinsend nach dem ersten Schluck. Ob es schmeckt, sagt er nicht. Aber: „Wenn du einmal einen richtig guten Kaffee getrunken hast, dann willst du nichts anderes mehr.“ Leonard Jöhnk ist ausgebildeter Barista, kennt sich also mit Kaffee gut aus.

Aber erstmal von vorn: Leonard Jöhnk wird 1993 in Kiel geboren, geht dort zur Schule, macht sein Abitur. „Leo ohne Ball in der Hand gab es nicht“, erzählt er. Seitdem er vier Jahre alt ist, macht er Sport – Handball, Tennis, Karate. In allen drei Sportarten ist er erfolgreich, muss sich aber irgendwann für eine entscheiden, um sie als Leistungssport zu betreiben.

Karate soll es sein. Schon mit Zwölf trainiert Leo sechsmal die Woche, ist erfolgreich bei Landes- und Deutschen Meisterschaften. Dann kommt der Ruf in die Jugendnationalmannschaft. „Das war eine geile Zeit“, sagt Leo, die aber ein Ende findet, als er 17 Jahre alt ist.

Schleudertrauma

Mehrmals wurde ihm beim Kämpfen das Nasenbein gebrochen, dazu kamen Schleudertraumata und Gehirnerschütterungen. „Irgendwann entschieden meine Eltern, dass ich aufhören muss mit Karate. Als ich nicht wollte, sprachen sie ein Machtwort. Das war echt hart. Karate war mein Leben. Aber es ging auch um meine Gesundheit“, blickt er zurück.

Aber da war ja zum Glück noch der Handball. Schon früher hatte Leo ziemlich erfolgreich gespielt. Im Alter von 18 ist er bereits Stammspieler beim THW Kiel in der 2. Mannschaft.

Jobben im Café

Parallel macht Leo Jöhnk sein Abitur, dann jobbt er in einem Café, um Geld zu verdienen. „Da habe ich mein Faible für Kaffee entdeckt.“ Schnell ist ihm und seinem Arbeitgeber klar, dass mehr dahintersteckt als „mal eben ein bisschen Geld nebenbei verdienen“: Leo taucht ein in die Welt des Kaffees, bildet sich fort, lernt in kürzester Zeit alles zum Thema Kaffee, von A wie Anbau bis Z wie Zubereitung.

„Ich wollte einfach mehr als das, was ich schon wusste.“ Sein Weg führt ihn nach Hamburg, wo er zwei Jahre bei einer der bekanntesten Kaffee-Röstereien arbeitet. „Da habe ich gelernt, wie es richtig geht.“

Danach beginnt er zum Wintersemester 2016/17 sein Studium der Volkswirtschaftslehre in Göttingen. So landet er in Northeim. „Ich hatte vorher mal im Internet geguckt, wer hier in Südniedersachsen erfolgreich Handball spielt.“ Einen Anruf beim NHC später trainiert er das erste Mal in der Northeimer Schuhwallhalle mit der 1. Herrenmannschaft, damals noch in der Oberliga.

Auf der „Platte“

Mehr, sagt er, wollte er eigentlich nicht. Doch schon eine Woche später steht er in der Start-Sieben bei einem Punktspiel „auf der Platte“. „Die hatten halt Not auf Linksaußen.“ Da kam Leo natürlich wie gerufen. Seit gut eineinhalb Jahren gehört er nun zur Stamm-Mannschaft.

Einer der schönsten Momente für ihn war der Aufstieg mit seiner Mannschaft („Die haben mich vom ersten Moment an super aufgenommen“) in die 3. Liga. Inzwischen sind einige Mitspieler richtig gute Freunde geworden. Leonard Jöhnk „brennt“ für seinen Sport und den NHC: „Ich will immer spielen und immer gewinnen.“ Sein Motto: „Besser, man ist besser!“

Wenn er von seiner zweiten Leidenschaft, dem Kaffee, spricht, kann er auch schon mal einen 20-minütigen Monolog über Bohnen, Fermentierung, Sensorik, Mahlgrad und Milchschaum halten. Man selbst sitzt ihm mit großen Augen gegenüber, ist fasziniert und fragt sich: „Was habe ich bisher bloß für eine Plörre getrunken?“

Man lauscht Sätzen wie: „Es gibt 1000 Wege, einen Espresso schlecht schmecken zu lassen. Aber nur wenige, damit er gut schmeckt“. Aha.

Ziel des 24-Jährigen ist, seine große Leidenschaft zum Beruf zu machen, als Kaffee-Importeur mit eigener Rösterei in Hamburg.

Den ersten Baustein für diese Kaffee-Karriere legte er bereits 2016, als er sich mit einem mobilen Kaffee-Catering selbstständig machte.

Sein Studium will er unbedingt in der Regel-Studienzeit von sechs Semestern schaffen. Wie bringt er Lernen, Klausuren, Training, Punktspiele und Kaffee unter einen Hut? Und bleibt da überhaupt noch Zeit für Entspannung und Privatleben? „Kein Problem“, sagt er. „Mit viel Hau-Ruck bekomme ich das hin.“

Glücklicher Freund

Und Entspannung? „Ich bin seit über drei Jahren glücklicher Freund meiner tollen Freundin“, erzählt er mit einem strahlenden Lächeln. Sie studiert Operngesang in Dresden. „Wenn wir uns sehen, kann ich meinen Akku gut aufladen. Das ist die beste Entspannung für mich.“

Nach über zwei Stunden ist unser angeregtes Gespräch zu Ende. Der 24-jährige will zum Training. Einen zweiten Cappuccino hat er sich übrigens nicht bestellt.

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