Northeimer Muslime berichten von ihren Ramadan-Erfahrungen

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Zeit zum Essen: Müfit Pürtelas (rechts) freut sich über die servierten Speisen nach Sonnenuntergang. Mit dabei sind (von links) Mahmoud Omayratt, Mustafa Göksu (Vorsitzender der DITIB-Gemeinde) sowie die beiden Imame Mevlüt Yasar und Wissam Abu Niaj.

Northeim. Mit einem öffentlichen Fest haben Northeimer Muslime am Wochenende das Fastenbrechen gefeiert. 350 Gäste waren dazu in den Lux-Saalbau eingeladen.

Bis zum 4. Juli geht der Fastenmonat Ramadan noch, der am 6. Juni begonnen hat. Im heiligen neunten Monat des islamischen Mondkalenders wurde nach islamischer Auffassung dem Propheten Mohammed der Koran offenbart.

„Es ist die Zeit, alles richtig zu machen und sich besonders fromm zu verhalten“, sagt Müfit Pürtelas von der türkisch-islamischen Gemeinde (DITIB) in Northeim. „Jeder gesunde Muslim sollte deshalb in der Zeit des Ramadans fasten“, erklärt der 37-Jährige. Ausgenommen seien Kinder, Kranke und alte Leute.

Fasten bedeutet für die Muslime, dass sie am Tag weder essen noch trinken. „Deshalb sollte man sich tagsüber nicht so verausgaben und sich bei Temperaturen über 30 Grad eher im Schatten aufhalten“, erläutert Pürtelas. Das Fasten werde aber nicht kontrolliert. „Das muss jeder persönlich mit Gott ausmachen. Niemand wird geächtet, wenn er doch etwas isst oder trinkt.“ Speisen dürfen erst nach Sonnenuntergang zu sich genommen werden.

„Die ersten Tage sind schwierig, aber der Körper gewöhnt sich schnell dran“, berichtet Mahmoud Omayratt von der muslimisch-sunnitischen Gemeinde. „Für einen Moment habe ich großen Hunger, aber nach kurzer Zeit ist er weg“, sagt der 49-jährige Northeimer. Einen Tag nichts zu essen, bedeute auch zu wissen, was Hunger ist. „Man kann dann besser mitfühlen, wie es den Syrern und Afghanen auf der Flucht geht“, fügt er hinzu.

Sowohl Müfit Pürtelas als auch Mahmoud Omayratt sind in ihren jeweiligen Gemeinden engagiert. Pürtelas hat viele Jahre im Vorstand der DITIB-Gemeinde mitgearbeitet, die ihre Moschee am Mönchsgraben hat. Er kümmert sich jetzt um die Jugendarbeit der zehn Gemeinden in Südniedersachsen. Omayratt ist der Vorsitzende des Vereins für Kultur und Bildung, der die „Al-Ithbat wa Tanzih“-Moschee am Kühlhausweg betreibt. Diese Moschee wird von Muslimen aus dem Libanon, Jugoslawien, Albanien und Syrien besucht.

Beide Gemeinden helfen seit einem Jahr bei der Flüchtlingsbetreuung im Landkreis. So entstand auch die Idee, gemeinsam ein öffentliches Fastenbrechen zu veranstalten. Das wurde jetzt im Lux-Saalbau realisiert.

Mehrere Vorbeter sprachen zu den Anwesenden, darunter auch die beiden neuen Northeimer Imame der DITIB-Gemeinde und der „Al-Ithbat wa Tanzih“-Moschee, Mevlüt Yasar und Wissam Abu Niaj. Pünktlich zum Sonnenuntergang um 21.52 Uhr begann schließlich das Essen.

Nach und nach wurden für die über 350 Muslime, Bekannten und Gäste Speisen serviert. Jeder erhielt Datteln, einen Salatteller, die Süßspeise Baklava und eine Portion Rindfleisch mit Reis.

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