Zeit für gemeinsames Foto

Northeimer Schüler treffen Bundeskanzlerin in Polen

Gruppenbild mit politischer Prominenz: Die Schüler aus Northeim, Nowy Tomysl und Wrezesnia im niederschlesischen Kreisau mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (Mitte), dem Deutschland-Beauftragten der polnischen Regierung Wladyslaw Bartoszewski und der polnischen Ministerpräsidentin Ewa Kopacz. Foto:  privat

Northeim. Schüler der Northeimer Fachoberschule Technik (FOT) trafen im polnischen Kreisau Bundeskanzlerin Angela Merkel. Es gab sogar Zeit für Foto mit den Northeimern.

Zudem trafen sie die polnische Ministerpräsidentin Ewa Kopacz.

Zeit für ein längeres Gespräch mit der Bundeskanzlerin und der polnischen Regierungschefin gab es für Gerrit Grube, Josch Mönnich, David Schubert, Florian Bohnsack, Fabian Keller, Fabian Wolter und Benedikt Hesse zwar nicht, aber sie reichte für einen gemeinsamen Fototermin in der Jugend-Begegnungsstätte für Europäische Verständigung.

Sieben Schüler und damit die Hälfte der FOT-Klasse durften gemeinsam mit Mitschülern aus den polnischen Partnerschulen in Nowy Tomysl und Wrezesnia an dem Fototermin teilnehmen. Die Fachoberschule Technik gehört zu den Berufsbildenden Schulen II in Northeim.

Die deutsch-polnische Schülergruppe aus Northeim, Nowy Tomysl und Wrezesnia hatte für ihren einwöchigen Aufenthalt in Kreisau einen historischen Tag erwischt. Denn die Kanzlerin hatte sich in Kreisau mit ihrer Kollegin getroffen, um an die Versöhnungsmesse vor 25 Jahren zu erinnern. Wenige Tage nach dem Mauerfall hatten sich damals Bundeskanzler Helmut Kohl und der erste demokratisch gewählte polnische Ministerpräsident Tadeusz Mazowiecki dort als Zeichen der Versöhnung umarmt.

„Wir durften auch an der offiziellen Feierstunde mit rund 400 Gästen teilnehmen“ erinnert sich Florian Bohnsack. „Zur Teilnahme am Fototermin mussten wir dann allerdings durch den Hinterausgang gehen, während die Politiker den Haupteingang nahmen.“

Die Schülergruppe besuchte auch die Dauerausstellung „Mut und Versöhnung“, die Merkel und Kopacz eröffnet hatten. In ihr werden Besucher durch ein symbolisches Labyrinth geführt, das den Weg der deutsch-polnischen Beziehungen vom Zweiten Weltkrieg bis in die neunziger Jahre nachzeichnet. Stationen sind unter anderem der Briefwechsel der deutschen und polnischen Bischöfe mit den Worten „Wir gewähren Vergebung und bitten um Vergebung“ und der Kniefall Willy Brandts vor dem Denkmal der Kämpfer des Warschauer Ghettos.

Wenn man vom Anspruch der polnischen Regierungschefin ausgeht, dass Jugendliche, die Kreisau besuchen, die gemeinsame Vergangenheit kennenlernen und besser verstehen, haben die Northeimer Schüler mit ihrem Lehrer Werner Thiele sicherlich die Erwartungen erfüllt. „Die Beziehungen zwischen uns und den polnischen Schülern sind heute völlig normal“, sagt beispielsweise Kevin Körner.

„Bei uns auf dem Zimmer ging das gegenseitige Kennenlernen ganz schnell“, sagt Kevin Körner. Vier Sprachen spielten dabei eine Hauptrolle: Deutsch, Polnisch, Englisch und die Zeichensprache.

Bei aller Fröhlichkeit wurde aber auch der Ort nicht vergessen. Einen nachhaltigen Eindruck hinterließ bei den Schülern ein polnischer KZ-Überlebender, der in der Gedenkstunde über seine schrecklichen Erlebnisse berichtete.

Hintergrund: 

Als Kreisauer Kreis wird eine Widerstandsgruppe in der Zeit des Nationalsozialismus bezeichnet, die sich 1940 unter der Führung von Helmuth James Graf von Moltke, dem Besitzer von Gut Kreisau, und Peter Graf Yorck von Wartenburg bildete. Sie diskutierte Pläne zur politisch-gesellschaftlichen Neuordnung nach dem angenommenen Zusammenbruch der Hitler-Diktatur.

Nach der Verhaftung von Moltkes Anfang 1944 löste sich die Gruppe de facto auf. Einige Kreisauer schlossen sich der Widerstandsgruppe um Claus Schenk Graf von Stauffenberg an. Nach dessen Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 gelang es Hitlers Geheimer Staatspolizei, die Arbeit des Kreises aufzudecken. Sie benannte die Gruppe nach ihrem Tagungsort als „Kreisauer Kreis“.

Heute ist das Gut eine internationale Jugendbegegnungsstätte, die von der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung betrieben wird. (zhp)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.