Großes Loch über Nazi-Bunker

Im Northeimer Stadtwall bröckelt es gehörig

Gesperrt: Der Spazierweg auf dem Tourlaviller Wall in Northeim ist gesperrt. Vor einigen Wochen schon hatte es eine Bodenabsenkung am Wegrand (kleines Bild) gegeben, die stetig tiefer wird. Fotos: Jelinek/Gödecke

Northeim. Gitter versperren seit Wochen den Weg auf dem Tourlaviller Wall in Northeim. Grund:

Auf dem Wallweg hatte sich zuerst eine kleine Absenkung, später ein großes, etwa 80 Zentimeter tiefes Loch gebildet. Die Stelle befindet sich oberhalb des einstigen Bunkers, den die Nazis in den Wall hineingebaut hatten. Dazu Fragen und Antworten:

Warum hat sich das Loch in dem gepflasterten Weg gebildet?

Ob der Bunker, ein dorthin führender Lüftungsschacht oder ein anderer Gang im Wall eingestürzt sind oder ob es sich um eine Absenkung anderer Art im dem aus dem 15. Jahrhundert stammenden Erddamm handelt, weiß das städtische Bauamt noch nicht.

Was tut die Stadt zur Beseitigung des Schadens?

Loch im Weg.

Laut eines Sprechers hat die Stadt den Weg aus Sicherheitsgründen erst einmal abgesperrt. Allerdings vermutet man auch im Bauamt, dass es zu einer Absenkung zu einem im Wall befindlichen Gewölbe gegeben hat. Die Firma, die für die Stadt per Jahresvertrag Ausbesserungsarbeiten ausführt, die die technischen Dienste der Stadt nicht leisten können, werde kurzfristig die Schadstelle freilegen, heißt es weiter vom Bauamt.

Was wird die Instandsetzung des Weges kosten?

Eine Kostenschätzung und ein Zeitplan für die Reparatur habe man bisher allerdings nicht aufstellen können, zumal ja nicht feststehe , was gemacht werden müsse. Der Stadtsprecher: „Das können wir alles erst anhand des vorgefundenen Schadensbildes ermitteln.“

Wird der Weg oft genutzt?

Ja, der gepflasterte Weg hoch auf dem Wall wird von vielen Northeimern gern für Spaziergänge genutzt. Auch ist er mit seinen Bänken ein beliebter Treffpunkt für Jugendliche.

Was hat es mit dem Nazi-Bunker im Wall auf sich?

Bunkereingang: Vom Spielplatz des Sixti-Kindergartens aus ist er zu sehen. Foto: Gödecke

Laut Northeims Stadtarchivar Eckhard Just ist der Bunker zum Ende des Zweiten Weltkriegs, Ende 1943/Anfang 1944, in den Wall hineingebaut worden. Das geht aus einem Bauantrag hervor, den der damalige NSDAP-Bürgermeister Girmann an den Landkreis gestellt hat. Danach wurde ein „Luftschutz-Befehlsstand“ in einen bereits bestehenden historischen Walldurchgang hineingebaut, mit einem zehn Meter langen Gang, der längs dazu im Wall-Inneren ausgehöhlt wurde. Auch ein Lüftungsschacht war angelegt.

Wurde dieser Bunker überhaupt genutzt?

Nach Erzählungen von Augenzeugen ja. Allerdings nur sporadisch und ausschließlich von Einsatzkräften. Mündlichen Überlieferungen zufolge sollen örtliche Nazi-Größen in den letzten Kriegstagen im Bunker ausgiebige Trinkgelage abgehalten haben, bevor am 10. April 1945 die Amerikaner nach Northeim einrückten.

Was ist heute mit dem Bunker?

Es gibt den Durchgang durch den Wall und den Bunker noch mit Eingängen von beiden Seiten des Walls aus. Laut Stadtarchivar ist er aber nicht zugänglich und wird von Fledermäusen als Quartier genutzt.

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