Joggen gegen Müll

Northeimer Wald: Vater und Sohn sammeln regelmäßig Müll

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Haben dem Abfall den Kampf angesagt: Andreas Fritsch und sein Sohn Anton an der Wilhelmswiese.

Andreas Fritsch und sein Sohn Anton sind regelmäßig an zwei Sonntagen im Monat in besonderer Mission unterwegs. 

Ausgestattet mit Plastiktüten machen sie sich auf den Weg, um den Wald von Müll zu befreien. Angefangen hatte es damit dass der 39-Jährige, der seit 2011 mit seiner Familie in Northeim lebt und seit Oktober 2018 am Seldeweg wohnt, für sich den Wieter in der direkten Nachbarschaft als ideales Laufrevier entdeckt hat. „Ich war sofort von der Landschaft begeistert“, sagt der gebürtige Berliner. Doch die Freude über so viel Natur direkt vor der eigenen Haustür wurde schon bald getrübt.

Beim Joggen hat er sich über den vielen Müll geärgert, der im Wald herumlag, und schließlich kam er auf die Idee, seine regelmäßigen Touren dafür zu nutzen, zumindest ein bisschen aufzuräumen.

Inzwischen joggt er nur noch mit Plastiktüte, und die ist fast immer komplett gefüllt, wenn er nach Hause kommt. Den Unrat entsorgt er dann in seiner eigenen Mülltonne.

„Vielleicht wäre es weniger, wenn es hier oben Mülleimer gäbe, in die die Leute ihren Müll schmeißen können“, meint Fritsch, für den das Müllsammeln bereits zu einer Leidenschaft geworden ist.

Er kann gar nicht mehr durch den Wald gehen, ohne nach Müll Ausschau zu halten, und er kennt mittlerweile alle Stellen, die besonders gern für illegale Abfallentsorgung genutzt wird. „In der Nähe der Wilhelmswiese liegen sogar Autoreifen und beim Tennisheim hat jemand einen großen Teppich ins Gebüsch geworfen.“ 

An zwei Sonntagen im Monat wird Fritsch von einem Fahrzeug begleitet: einem Laufrad. Am Steuer sein dreijährige Sohn Anton, den die Müll-Sammelleidenschaft inzwischen auch schon gepackt hat.

Dreijähriger achtet in der Krippe auf achtsamen Umgang

„Von den Erzieherinnen aus der Krippe wissen wir, dass er dort auch sehr darauf achtet, dass nichts weggeschmissen wird“, berichtet Fritsch und fügt schmunzelnd hinzu: „Und da kann es auch schon mal vorkommen, dass er die anderen Kinder und die Erzieherinnen ein bisschen nervt.“

Ein Patentrezept dafür, wie man das Müllproblem in den Griff bekommen kann, habe er nicht, meint Fritsch. „Aber vielleicht würde es ja helfen, wenn ein paar Mülleimer aufgestellt werden.“ Er habe jedenfalls die Erfahrung gemacht, dass dort, wo schon Müll liegt, schnell noch weiterer hinzukommt.

Die Müll-Sammelaktionen, bei denen Freiwillige ein- oder zweimal im Jahr den Unrat einsammeln, sind aus seiner Sicht gut, aber sie reichen nicht aus. „Vielleicht könnten ja noch mehr Menschen das ganze Jahr über ihre Freizeitaktionen im Wald dazu nutzen“, schlägt er vor. „Noch besser wäre es aber, wenn erst niemand auf die Idee käme, seinen Müll einfach in die Landschaft zu entsorgen.“

Dass sein Sohn Anton jemals auf die Idee kommen könnte, das zu tun, kann er sich nicht vorstellen. Insofern sei das Ganze wohl eine Erziehungssache.

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