Northeim

Haftbefehl wegen kurioser Verwechslung: Darum wurde ein unschuldiger Mann fast verhaftet

Mike Finke aus Northeim hatte Ärger mit der Polizei, weil ein anderer Finke sein Bußgeld nicht bezahlt hat.
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Gleicher Name, gleiches Geburtsdatum: Mike Finke aus Northeim hatte Ärger mit der Polizei, weil ein anderer Finke einen Fehler gemacht hat.

Ein Mann aus Northeim (Niedersachsen) wurde wegen einer Verwechslung fast von der Polizei verhaftet.

Northeim – Steht auf einmal die Polizei vor der Tür, steigt wohl bei vielen erst einmal der Puls. So auch bei Mike Finke aus Northeim – den Grund für den Besuch der Beamten fand er erst später heraus. Der 42-Jährige war zu Hause in seiner Wohnung, als die Polizisten regelrecht gegen seine Tür gehämmert und getreten hätten, um ihn dazu zu bringen, diese zu öffnen – so laut, dass alle Anwohner des Hauses es mitbekommen hätten, sagt er.

Weil er dieses „unqualifizierte Verhalten“ nicht tolerierte und sich ohnehin nichts habe zuschulden kommen lassen, öffnete er die Tür nicht. Als Finke anschließend überlegte, was es damit auf sich haben könnte, fiel ihm etwas ein: Er hatte bereits vor einigen Wochen einen Bescheid der Polizei Northeim bekommen – „Fristsetzung zur Begleichung eines Haftbefehls“ war darauf zu lesen, ausgehend von der Staatsanwaltschaft Hildesheim.

Polizei in Northeim: Gleicher Nachname und gleiches Geburtsdatum

Da er jedoch eine weiße Weste und auch keine Verbindung zu Hildesheim habe, hat er diesem keine weitere Beachtung geschenkt. Bis jetzt: Um der Sache auf den Grund zu gehen, erkundigte sich Finke bei der Staatsanwaltschaft Hildesheim, was ihm vorgeworfen wird. Ein Geschwindigkeitsverstoß in der Region Hannover. Da der 42-Jährige jedoch weder ein Auto, noch einen Führerschein besitzt, wie er sagt, musste wohl ein Fehler vorliegen.

Bei der Prüfung des Vorfalls durch die Staatsanwaltschaft stellte sich tatsächlich heraus, dass es eine Verwechslung gegeben hatte. Der eigentliche Verkehrssünder trage denselben Nachnamen und sei am gleichen Tag geboren, der Vorname sei jedoch ein anderer. Daraufhin kontaktierte Finke die Polizei Northeim, um den Fehler aufzuklären und sicherzustellen, dass er keine Haft mehr zu befürchten hatte. „Ich wollte nur wissen, ob der Haftbefehl aufgehoben wurde“, sagt er. Am Telefon habe man ihn regelrecht abgefrühstückt mit den Worten, er solle mit einem gültigen Personalausweis in die Wache kommen.

Mann aus Northeim über Polizei: „Mangelnde Hilfsbereitschaft und Unfreundlichkeit“

„Ich lasse mich doch nicht für dumm verkaufen“, sagt der 42-Jährige. Er sei überzeugt, dass das nur ein Vorwand sei, um ihn zur Dienststelle zu locken und ihn dann direkt dortzubehalten. „Mangelnde Hilfsbereitschaft und Unfreundlichkeit“ wirft er den Polizeibeamten vor. Von den sogenannten Freunden und Helfern habe er einfach mehr Kooperation erwartet.

Laut Daniel Ahrenbog, stellvertretender Pressesprecher der Polizei Northeim, sei den Beamten nichts vorzuwerfen. Grundsätzlich dürfe die Polizei am Telefon keine personenbezogenen Auskünfte geben – man könne nicht nachvollziehen, ob die Person am Hörer berechtigt ist, die Informationen zu erhalten. Auch hätte Finke seine Tür laut Ahrenbog gleich öffnen sollen. Die Polizisten würden erst versuchen, das Geld einzutreiben, bevor sie die Person verhafteten – oft würde sogar Ratenzahlung angeboten.

Mann aus Northeim über Verwaltung für Verkehrsordnung: „Da hat wohl irgendwer geschnarcht“

„Da hat wohl irgendwer geschnarcht“, sagt Holger Hansen, der bei der Verwaltung der Region Hannover für die Verkehrsordnung zuständig ist. Einem solchen Schreiben zur sogenannten Erzwingungshaft gehen ein Bußgeldbescheid, mehrere Mahnungen und eine Vollstreckung voraus. Diese seien laut Hansen auch vom Amtsgericht Burgdorf an die richtige Adresse geschickt worden. Der Fehler müsse sich dann also in Hildesheim beim Erstellen des Bescheids zum Haftbefehl eingeschlichen haben. Dort habe man sich auf Anfrage der HNA jedoch nicht zu dem Vorfall äußern können.

Inzwischen wurde der Haftbefehl von der Staatsanwaltschaft Hildesheim zurückgefordert, so Ahrenbog. Demnach hat Finke nichts mehr zu befürchten. (Lea-Sophie Mollus)

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