Die Idee fand Nachahmer in 15 Städten

Northeimerin Ninon Demuth kocht mit Asylbewerbern und  First Lady

Sie zeigt den Kochlöffel nicht nur, sie kann auch damit umgehen: Ninon Demuth hat beim Projekt Kochen über den Tellerrand im Umgang mit Menschen und in der Küche sehr viel dazu gelernt. Foto:  Oschmann

Northeim. 25-jährige Studentin fasst ihre Erlebnisse bei "Über den Tellerrand kochen" in einem Buch mit Rezepten und Portraits zusammen.

Ninon Demuth hat etwas angestoßen, das weite Kreise gezogen hat. „Über den Tellerrand kochen“ heißt das soziale Projekt, das viel mehr ist, als ein normales Schnitzel in die Pfanne zu hauen. Die junge Frau aus Northeim kocht zusammen mit Asylbewerbern und Flüchtlingen, dokumentiert die Rezepte und stellt die Menschen vor, von denen die Gerichte stammen. Das Ganze gibt es jetzt als Buch.

Geboren wurde die Idee beim Funpremeur-Wettbewerb der Freien Universität Berlin. Die 25-Jährige studiert in der Hauptstadt Biotechnologie und setzte das Projekt, das den Blick junger Menschen für die Selbstständigkeit schärfen soll, gemeinsam mit drei Kommilitonen um.

„Aus dem gemeinsamen Kochen sind viele Freundschaften entstanden!“ 

„Die anfänglichen Berührungsängste mit Menschen aus fremden Kulturen waren schnell verflogen“, beschreibt Ninon Demuth den Start anno 2013. Trotz eines intensives Arbeitspensums überwog schnell die Freude, gemeinsam zu kochen und das zu dokumentieren. Das Erstlingswerk von 300 Exemplaren war schnell vergriffen.

Beste Stimmung: First Lady Daniela Schadt (Mitte) kochte mit der Gruppe – links neben ihr Ninon Demuth. Foto:  nh

„Kochen hat Potenzial, Kochen bedeutet auch zu Hause“, stellte die junge Northeimerin schnell fest, die ihr Projekt „Über den Tellerrand kochen“ nannte und damit auf ein riesiges Medien-Interesse stieß.

Schnell merkte sie, dass es eine Win-win-Situation ist. Ihr und ihren Mitstreitern bereitete es viel Spaß, vor allem aber den Asylbewerbern, die sich beim Kochen gern über die Schulter schauen ließen. „Es wurden ganz spontan viele Freundschaften daraus geboren“, freut sich die 25-Jährige. Und ihren eigenen Koch-Horizont hat sie nicht nur erweitert, sondern teilweise komplett auf den Kopf gestellt. „Das und vieles mehr war für uns immer wieder Ansporn, das Projekt voranzutreiben, zu verbessern und zu verfeinern“, beschreibt Demuth die Fortschritte.

Das nächste Buch wurde in Angriff genommen, diesmal mit 36 statt anfänglich 21 Rezepten. Zur Finanzierung bedienten sich die Studenten dem Crowfunding. Das ist die Vorfinanzierung durch Sponsoren, die das bereits bezahlte Buch nach der Fertigstellung bekommen. „Hat alles bestens funktioniert“, beschreibt Ninon Demuth diesen Weg mit einem Strahlen, das nur selten aus ihrem Gesicht entweicht.

Von 918 Menschen wurden auf diesem Weg fast 40.000 Euro zusammengetragen - die Basis für das neue Buch mit 4000 Exemplaren. „Inzwischen wird schon wieder nachgedruckt!“.

Viele Nachahmer 

Schnell gab es Anfragen aus ganz Deutschland. Die Idee fand laut Ninon Demuth Nachahmer in 15 Städten. Für sie und ihre Kollegen war das Kochen über den Tellerrand zu einem Vollzeitjob geworden, denn das Konzept wollten sie natürlich in der Hand behalten. Jetzt geht es weniger ums gemeinsame Kochen, das nach wie vor gepflegt wird, als vielmehr um das Organisieren. „Das ist ein Job, der mir unheimlich viel Spaß macht“, beschreibt die ehemalige Corvi-Schülerin, die demnächst einen Studiengang in Cambridge plant, die aktuelle Situation.

Besuch der First Lady 

Ganz viel Spaß hatten die „Tellerrand-Kocher“ beim Besuch von First Lady Daniela Schadt. Die Lebensgefährtin des Bundespräsidenten Joachim Gauck kochte gemeinsam mit den Studenten. Große Freude herrschte auch, als den Studenten eine Einladung ins Haus flatterte. Sie können ihr Projekt im Deutschen Pavillon auf der Expo in Mailand vorstellen. „Das ist einfach nur toll!“

Das Buch „Rezepte für ein besseres Wir“ kostet 25 Euro und ist in unserer Region im Katlenburger Demut-Shop (Herzberger Straße) erhältlich. 

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