Vielen Älteren reicht das Geld im Alter nicht aus

Northeimern drohen Renten unter Ost-Niveau

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Vielen Rentnern im Kreis Northeim reicht die Rente nicht zum Leben im Alter.

Northeim. Während die Menschen in den neuen Bundesländern einen Bonus und damit mehr Altersgeld zugesprochen bekommen, schauen die in den alten Bundesländern in die Röhre.

Auch die Menschen im Landkreis Northeim trifft das finanziell negativ. Sie liegen bei den Einkommen nämlich deutlich unter dem Durchschnitt und hätten dann gegenüber Ost-Arbeitnehmern weitere Nachteile.

Für Udo Reimann, ehrenamtlichen Versichertenberater der Deutschen Rentenversicherung ist klar, dass nach so langer Zeit die Renten in Ost und West längst angeglichen sein müssten. „Wenn Rentner bei gleichem Lohn in Ost und West die gleiche Rente bekommen, dann kann auch der Rentenbonus wegfallen“, sagt Reimann. Aktuell sei die Ostrente von Grund auf niedriger, was den Bonus rechtfertige.

Die „Bild“ hat am Dienstag die Diskrepanzen bei der Rentenberechnung dargestellt. Grundlage sind die Durchschnittseinkommen. Die liegen im Osten bei 2470 Euro und im Westen bei 2905 Euro. Der Unterschied soll in Bezug auf die Rente ausgeglichen werden.

Wenn Arbeitnehmer in Ost und West den gleichen Lohn bekommen, erhalten die im Osten durch den Bonus eine höhere Rente. Selbst die Jenaer, die mit durchschnittlich 2525 Euro am besten verdienen, bekommen weiterhin den Bonus.

Die Arbeitnehmer im strukturschwachen Landkreis Northeim liegen weit unter dem Bundesdurchschnitt, sogar unter dem der neuen Bundesländer. Sie verdienen in der Regel nur 2275 Euro und damit 195 Euro weniger als die Ost-Arbeitnehmer. Im Vergleich zum Westdurchschnitt beträgt die Differenz sogar stattliche 637 Euro weniger. Für sie ist kein Bonus vorgesehen. In den Nachbarkreisen Osterode (dort liegen die Löhne 170 Euro unter dem Ost- und 605 Euro unter dem Westniveau) und Goslar (-202 und -641 Euro) sowie Höxter (-267 und -702 Euro) sieht es ähnlich aus.

Spitzenpositionen schwer zu bekommen

Klar sei laut Reimann aber, dass der niedrige Bruttodurchschnittslohn im Kreis Northeim ein großes Problem für die Berufstätigen und zukünftigen Rentner ist. „Die Wirtschaft in unserer Region ist nicht vergleichbar mit der in Hannover oder Bremen.“ Hochbezahlte Spitzenpositionen seien in Betrieben hier im Kreis Northeim nur schwer zu bekommen.

Viele der 800 Menschen, die Reimann im Schnitt jährlich berät, kommen mit ihrer Rente im Alter nicht zurecht. „Das betrifft insbesondere Verkäuferinnen, Arzthelferinnen oder Pflegekräfte.“ Lediglich bei Ehepaaren, die beide eine Rente beziehen, sei die finanzielle Situation entspannter, als bei Alleinstehenden.

Ähnlich eines Teufelskreises könne man das Problem der Geringverdiener beschreiben. „Wovon sollen diese Menschen etwas für die Altersvorsorge zurücklegen, wenn sie im Monat gar nichts über haben?“, fragt Reimann und rät jedem, sich frühzeitig mit den Rentenbescheiden auseinanderzusetzen. Die darin enthaltenen Berechnungen seien oft undurchsichtig und sollten hinterfragt werden, im Zweifel gemeinsam mit einem Rentenberater. Außerdem sollten sich junge Menschen rechtzeitig überlegen, den Job zu wechseln. (kmn)

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