Kein "9 to 5"-Job

Northeimer Bürgermeister Hartmann 100 Tage im Amt: „Ich fühle mich angekommen“

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Seit 100 Tagen im Amt: Bürgermeister Simon Hartmann.  

Northeim. Seit 100 Tagen ist Simon Hartmann Bürgermeister der Stadt Northeim. Im HNA-Interview zieht er eine Bilanz über seinen Start als Verwaltungs-Chef.

Herr Hartmann, sind Sie als Bürgermeister in Northeim schon angekommen?

Simon Hartmann: Ja, ich fühle mich angekommen. Und ich war froh, dass ich mein Amt gleich vier Tage nach der Wahl antreten konnte. Normalerweise liegen ja zwischen Wahl und Amtsantritt mehrere Wochen.

War der Einstieg leichter oder schwerer als erwartet?

Hartmann:Er war so, wie ich es erwartet hatte. Aufgrund meines beruflichen Werdegangs und meiner kommunalpolitischen Tätigkeit war mir klar, dass es ein 24-Stunden-Job sein würde. Ich war auch vorher immer schon viel unterwegs, denn auch meine bisherige Tätigkeit war kein Nine-to-five-Job. Aber natürlich ist es schön wieder in meiner Heimatstadt zu arbeiten und damit auch näher bei meiner Familie zu sein.

Wie läuft denn die Zusammenarbeit in der Verwaltungsspitze? Schließlich sind Sie ja gegen Herrn Dodenhöft im Bürgermeisterwahlkampf angetreten?

Hartmann: Wir sind beide Profis genug, um die Wahl abzuhaken und jetzt gemeinsam gut für diese Stadt zu arbeiten. Als Bürgermeister erwarte ich von allen Verwaltungsmitarbeitern eine loyale verantwortungsvolle Zusammenarbeit, damit die Verwaltung funktioniert. Da gibt es eine große Erwartungshaltung in der Bevölkerung.

Das gilt auch für die Zusammenarbeit zwischen dem Bürgermeister und der Politik, was ja in den vergangenen Jahren nicht so gut geklappt hat. Wie schätzen Sie die aktuelle Situation ein?

Hartmann: Auch Ratsfraktionen, die mich im Wahlkampf nicht unterstützt haben, haben mir zugesichert, das Wahlergebnis zu akzeptieren. Das habe ich unter Demokraten aber auch nicht anders erwartet. Ich denke, dass die Zusammenarbeit zwischen Rat und Verwaltung derzeit gut ist.

Das ist auch nötig, denn bei Ihrem Amtsantritt haben Sie ja eine ganze Menge „Baustellen“ übernommen. Welches sind die Wichtigsten und was muss da ihrer Meinung nach getan werden?

Hartmann: Bei den drei Bürgerfragestunden und sonstigen Terminen im gesamten Stadtgebiet habe ich festgestellt, dass es nicht nur die großen Themen wie beispielsweise Schuhwallhalle, Innenstadt und Baulandentwicklung sind, die die Menschen beschäftigen, denn gerade bei den vermeintlich kleineren Problemen kann und muss die Verwaltung schnell handeln. Zum Beispiel werden wir noch in diesem Jahr die Erneuerung der Brücke über den Rhumekanal auf den Weg bringen können, wenn der Rat zustimmt, und die Bücherei wieder mittwochs öffnen. Dass die Öffnungszeiten dort eingeschränkt werden mussten, hat den gleichen Hintergrund wie die Verzögerungen bei vielen anderen Vorhaben.

Nämlich?

Hartmann: Dass es einen ganzen Berg an Themen gibt, der abgearbeitet werden muss, hat finanzielle, personelle und strukturelle Gründe. Man darf nicht vergessen, dass vor dem Hintergrund des Zukunftsvertrages in den vergangenen Jahren das Personal die Schlüssel-Stellschraube war, an der gedreht wurde. Inzwischen haben wir zwar wieder die Möglichkeit, Personal aufzustocken, dennoch werden wir Zeit brauchen, um alles abarbeiten zu können.

Was wird zum Beispiel aus der Stadthalle? Wird die demnächst privat betrieben? Einen Interessenten gibt es ja bekanntlich.

Hartmann: Das Thema ist im Februar mehr oder weniger plötzlich hier in Northeim aufgeploppt, aber es ist ja nicht so, dass da seitens der Politik und der Verwaltung bislang nichts passiert wäre. Wir haben bereits mehrfach mit Herrn Sniadowski zusammengesessen und mögliche Wege aufgezeigt, und es wird in Kürze ein weiteres Gespräch mit Beteiligung des Fördervereins und des Konzertrings geben. Klar ist aber, dass wir bei allen Themen zunächst ein Ziel definieren und die vielen Fragen auflisten und klären müssen. Erst dann kann man zusammen mit allen Beteiligten den besten Weg suchen, um das Ziel zu erreichen.

Und wie sieht denn das Ziel im Fall der Northeimer Stadthalle aus?

Hartmann: Wir müssen das Potenzial der Halle optimal für Northeim nutzen. Das kann durch einen privaten Betreiber möglicherweise am besten erreicht werden. Vielleicht aber auch durch öffentliches Engagement. Mein Ziel ist es, der Politik im Herbst dazu konkrete Ergebnisse vorlegen zu können.

Herr Hartmann, Ihre Amtszeit endet am 31. Oktober 2026. Bis dahin wird sich wahrscheinlich vieles verändert haben. Wie sieht Northeim dann aus?

Hartmann: Ich hoffe, dass wir dann unter dem Strich keine Einwohner verloren haben, sondern vielleicht sogar ein bisschen gewachsen sind. Northeim ist dann noch familienfreundlicher und hat ein umfassendes Ganztagsbetreuungsangebot, und der Münsterplatz sieht dank der Städtebauförderung anders aus.

Wird dann dort der Busbahnhof sein?

Hartmann: Dass künftig dort wieder Busse halten, würde ich nicht komplett ausschließen. Allerdings müsste gewährleistet sein, dass der Münster als Festplatz erhalten bleibt. Möglicherweise verändert sich die Mobilität ja so, dass das kein Widerspruch sein muss. Wer weiß, vielleicht kann ich ja dann irgendwo im Stadtgebiet einen Eco-Bus anfordern, der mich zum Münster bringt und der nicht viel Platz braucht.

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