Ein Jahr im Chefsessel: HNA-Interview mit Astrid Klinkert Kittel 

Northeims Landrätin: Das Thema Fusion ist vom Tisch

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Am Schreibtisch im achten Stock des Kreishauses: Northeims Landrätin Astrid-Klinkert Kittel (parteilos). Sie ist heute ein Jahr im Amt . 

Northeim. Die Northeimer Landrätin Astrid Klinkert-Kittel (parteilos) ist jetzt genau ein Jahr lang im Amt. Wir sprachen mit ihr über ihre Erfahrungen. 

Wie sieht ihr Fazit aus nach dem ersten Jahr im Amt. Macht ihnen der Job noch Spaß?

Astrid Klinkert-Kittel: Oh ja, das kann man wirklich sagen. Im Vergleich zu meiner früheren Tätigkeit als Bürgermeisterin habe ich jetzt häufig eine andere Blickrichtung und es gibt viele ganz neue Themen, zum Beispiel aus den Bereichen Jugend und Soziales oder auch die Regionalplanung. Wir überarbeiten zum Beispiel gerade das regionale Raumordnungsprogramm für den Landkreis und das wird uns in der Abstimmung mit den Städten und Gemeinden sicher noch gut zwei Jahre beschäftigen.

Was haben Sie an Ihrem neuen Amt unterschätzt?

Klinkert-Kittel: Was ich am Anfang unterschätzt habe, ist die große Fläche des Landkreises. Man ist wirklich lange unterwegs zu Terminen.

Was haben Sie im ersten Jahr ihrer Amtszeitzeit bereits in der Kreisverwaltung verändern können?

Klinkert-Kittel:Ich habe beispielsweise zwei neue Stabsstellen eingerichtet. Die neue Stabsstelle Jugendhilfeplanung ist bereits in verschiedenen Netzwerken aktiv. Diese Netzwerkarbeit soll noch weiter ausgebaut werden. Außerdem kümmert sie sich um die Kindertagesstättenplanung.

Welche neuen Stabsstellen gibt es noch in der Kreisverwaltung ?

Klinkert-Kittel:Mitte Februar hat die Stabsstelle „Integration“ die Arbeit mit drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aufgenommen. Sie kümmern sich unter anderem kreisweit um die Koordination von Sprachkursen und die Flüchtlingsarbeit. Außerdem hat die Stabsstelle Wirtschaftsförderung ganz neu die Aufgabe „Projektförderung“ hinzubekommen. An sie können sich zum Beispiel Vereine wenden, die einen Bau oder ein anderes Projekt planen und wissen möchten, ob und wie es Fördergelder gibt.

Apropos Thema Flüchtlinge. Ist der Landkreis gewappnet, falls der Flüchtlingsstrom wegen der Schwierigkeiten mit der Türkei wieder zunehmen sollte?

Klinkert-Kittel:Ja, das sind wir. Wir können jederzeit unsere beiden Sammelunterkünfte in der Reinald-von Dassel-Schule in Dassel und auch im Haus der Integration in Wahmbeck wieder reaktivieren und haben mit dem DRK und ASB auch kompetente Partner, die uns als Betreiber zur Seite stehen können. Im Übrigen hat sich aber unser System der dezentralen Unterbringung in Wohnungen bestens bewährt.

Der Landkreis schleppt immer noch einen hohen Schuldenstand bei den kurzfristigen Kassenkrediten, die der Privatmann als Überziehungskredit kennt, vor sich her. Macht Ihnen das Sorgen?

Klinkert-Kittel: Wir haben die Kassenkredite schon deutlich runterfahren können. Meine Zielvorgabe für dieses Jahr ist es, mit maximal 65 Millionen Euro Kassenkrediten auszukommen. Vor ein paar Jahren hatten wir noch über 80 Millionen. Im vergangenen Jahr haben wir vom Land fünf Millionen Euro Entschuldungshilfe bekommen. Ich hoffe, dass das auch in den nächsten Jahren so bleibt, dann werden wir schrittweise auch von den Schulden runterkommen. Das dauert halt etwas länger.

Entschuldung bedeutet aber auch, darauf zu achten, keine neuen Schulden zu machen.

Klinkert-Kittel:Wir müssen den Spagat schaffen, zwischen Entschuldung und vernünftigen Investitionen. Und investieren müssen und werden wir auch künftig, so wie wir das in diesem Jahr zum Beispiel bei den Schulen tun. Immerhin ist es für dieses Jahr erstmals seit 2008 wieder gelungen, einen Haushalt mit einem Überschuss zu beschließen. Der beträgt 760 000 Euro.

Ist das Thema Kreisfusion für Sie noch eines?

Kinkert-Kittel: Nein, das Thema ist für mich vom Tisch. Aber wir arbeiten wunderbar interkommunal zusammen sowohl mit den Nachbarlandkreisen Göttingen und Holzminden als auch mit den Städten und Gemeinden. Diese Zusammenarbeit werden wir noch weiter ausbauen.

An was denken Sie beim Ausbau von interkommunaler Zusammenarbeit?

Klinkert-Kittel: Ein Projekt kann ich schon nennen: So wird es mit der Stadt Uslar beispielsweise schon bald eine enge Zusammenarbeit im Bereich der Vollstreckung geben. Das heißt, dass die Stadt Uslar auch für den Landkreis Northeim ausstehende Geld-Forderungen mit eintreiben wird.

In den Bereichen Mobilität sowie Stadt-Land-Beziehungen kann ich mir auch noch viel mehr interkommunale Zusammenarbeit vorstellen. So haben wir bei uns im Landkreis Northeim beispielsweise günstigen Wohnraum, der in Göttingen fehlt.

Thema Schulzukunft: Sind Sie zufrieden mit der Entscheidung des Kreisstags, der in puncto Schulstandorte erst mal alles beim Alten belassen möchte?

Klinkert-Kittel: Ich glaube nicht, dass wir damit die Schulplanung ad acta gelegt haben. Wir müssen Lösungsansätze entwickeln, wie wir Schulangebote wohnortnah abdecken, aber auch, wie wir nachhaltig gute Schulen mit vielseitigen Angeboten schaffen, die die Schülerinnen und Schüler optimal fördern werden. Ich habe deswegen nicht verstanden, warum weder die betroffenen Schulen noch die Politik auf die von uns vorgeschlagene Außenstellenlösung für die Kalefelder Oberschule als Außenstelle von Bad Gandersheim aufgesprungen sind. In Nörten-Hardenberg funktioniert dieses Modell mit der Außenstelle der KGS Moringen seit zehn Jahren wunderbar.

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