Neu-Strukturierung der Versorgungsgebiete über die Kreisgrenze hinweg

Notarztversorgung im Landkreis Northeim : Grünes Licht für Kooperation mit Goslar

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Die ärztliche Versorgung im Landkreis war Thema im Kreistag. Der Landkreis organisiert den Rettungsdienst im Kreis um. Unser Symbolbild zeigt einen Notarzteinsatz in Freiburg.

Bad Gandersheim – Der Landkreis Northeim will den Weiterbestand seiner Rettungswache in Bad Gandersheim durch eine Kooperation mit dem Landkreis Goslar absichern. Dabei sollen von Bad Gandersheim die Stadt Seesen mit ihren Ortschaften und die A 7 mitversorgt werden.

Ferner will sich Northeim an einem Pilotprojekt zur Einführung der Telenotfallmedizin beteiligen. Dafür machte der Kreistag in seiner Sitzung in Bad Gandersheim mit einem einstimmigen Beschluss den Weg frei. Er segnete eine entsprechende Kooperationsvereinbarung mit dem Nachbarkreis ab. Sie muss jetzt noch von den beiden Partnern unterzeichnet werden.

Der Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion, Uwe Schwarz, war begeistert. „Damit ist der Landkreis der Gesetzgebung voraus und wird zum bundesweiten Musterlandkreis“, sagte er und fügte hinzu: „Das ist eine tolle Leistung der Landrätin und aller Beteiligten.“ Über das Gesicht von Landrätin Astrid Klinkert-Kittel glitt ob des Lobs ein Lächeln. 

Beide Landkreise profitieren von der Kooperation. Northeim kann seine Notarztstandorte Einbeck und Bad Gandersheim erhalten, die auf Druck der Krankenkassen als Kostenträger wegen zu geringer Einsatzzahlen infrage gestellt worden waren. Der Landkreis Northeim wird aber den Standort Bad Gandersheim näher an die Kreisgrenze verlagern müssen, um die Fahrtstrecken nach Seesen und Umgebung zu verkürzen. 

Der Kreis Goslar kann durch die Kooperation seine notärztliche Versorgung im Oberharz verbessern. Dorthin soll das Notarzteinsatzfahrzeug, das bisher in Seesen stationiert war, verlagert werden. Die Kostenträger haben signalisiert, die neue, Kreisgrenzen überschreitende Lösung mitzutragen. 

Gleichzeitig wird sich Northeim am Pilotprojekt des Kreises Goslar zur Einführung der Telenotfallmedizin beteiligen. Mit ihr soll insbesondere in ländlichen Gebieten bei gleichzeitiger Optimierung der Wirtschaftlichkeit die medizinische Versorgung der Patienten verbessert werden, die vom Rettungsdienst versorgt werden.

Landkreis übernimmt Notarzt-Versorgung

Mit der Verabschiedung des ersten Nachtragshausplans und des damit verbunden Stellenplanes hat der Kreistag außerdem die Umorganisation des Rettungsdienstes im Landkreis zu Beginn des neuen Jahres auch verwaltungsmäßig in „trockene Tücher“ gepackt.

Wie berichtet, übernimmt der Kreis nach dem Auslaufen der Verträge mit den Helios-Krankenhäusern in Northeim und Einbeck sowie dem Bürgerspital in Einbeck vom neuen Jahr an die Notarztversorgung in Eigenregie mit festangestellten Notärzten und einigen Honorarkräften. Im überarbeiteten Stellenplan sind dafür 9,3 Positionen ausgewiesen.

SPD-Fraktionsvorsitzender Uwe Schwarz (Bad Gandersheim): „Die Ärzte sind bereits eingestellt und alle sind hoch qualifiziert.“ Damit ist der Betrieb in den Rettungswachen Northeim, Einbeck und Bad Gandersheim gesichert. Die Rettungswache in Uslar-Bollensen soll zunächst in der bewährten Praxis mit den vorhandenen Honorarärztinnen und -ärzten fortgesetzt werden.

Insgesamt werden im neuen Nachtrags-Stellenplan für den Gesamt-Landkreis 16,08 neue Stellen ausgewiesen. Für Beamtinnen und Beamte sind 131 Stellen verzeichnet, für Angestellte 600 Stellen. Die finanzielle Mehrbelastung beziffert die Kreisverwaltung inklusive Tarifsteigerungen auf zukünftig rund eine Million Euro. Weitere Veränderungen gab es im Nachtragshaushalt im Vergleich zum ursprünglichen Doppelhaushalt 2018/19 nicht.

Ludwig Binnewies (SPD, Höckelheim) forderte angesichts der Personalsteigerungen, zukünftig einen „schärferen Blick auf die Mehrkosten zu werfen, damit sie nicht ausufern“. Dr. Bernd von Garmissen (CDU, Friedrichshausen) äußerte sich ähnlich: Bei sinkenden Einwohnerzahlen im Landkreis solle neues Personal nur eingestellt werden, wenn es „zwingend erforderlich“ sei.

Christian Grascha (FDP, Salzderhelden) forderte, sechs Stellen im Rahmen der anstehenden Haushaltsberatungen für das Haushaltsjahr 2020/21 wieder einzusparen.

Stichwort: Pilotprojekt Telemedizin

Die Rettungsleitstelle des Landkreises Goslar soll mit einem Telenotfallmediziner besetzt werden. Dafür sind Datenübertragungseinrichtungen in der Zentrale und in den Rettungswagen erforderlich, die Vitaldaten der Patienten wie EKG, Bilder, Video und Sprache in Echtzeit übertragen, um beispielsweise bei Schlaganfall, Herzproblemen und anderen Vorfällen bis hin zur Klinikeinweisungen rasch und kompetent handeln zu können.

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