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Gasknappheit kann Produktion gefährden

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Von: Rosemarie Gerhardy

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Für die Produktion der Katlenburger Getränke-Spezialitäten ist Gas erforderlich. Geschäftsführer Klaus Demuth setzt alles daran, dass die Abfüllanlage auch bei Gasknappheit nicht stillsteht.
Für die Produktion der Katlenburger Getränke-Spezialitäten ist Gas erforderlich. Geschäftsführer Klaus Demuth setzt alles daran, dass die Abfüllanlage auch bei Gasknappheit nicht stillsteht. © Hubert Jelinek

Unternehmen im Landkreis Northeim machen sich Sorgen um die mögliche bevorstehende Gasknappheit. Deshalb versuchen sie verstärkt, Energie zu sparen, aber auch auf andere Energieversorgungen umzusatteln, damit die Produktion auch beim Ausrufen der dritten Stufe des Notfallplans Gas weiterhin gewährleistet ist.

Landkreis Northeim – Für stabile wirtschaftliche Rahmenbedingen sei eine verlässliche Energieversorgung eine unverzichtbare Grundlage, teilt die Firmenzentrale der Continental aus Hannover mit. Die aktuelle Lage beobachte man daher genau und prüfe die Möglichkeit, im Falle einer Erdgasverknappung alternative Brennstoffe zu verwenden.

Ilse Technik aus Uslar

„Selbstverständlich machen wir uns als mittelständisches Unternehmen Gedanken um die steigenden Kosten und vor allem auch die Verfügbarkeit von Energie und Gas“, betont Marc Blomeyer, Geschäftsführer der Firma Ilse Technik aus Uslar. Hinsichtlich des Energiebedarfs könne man einen Teil über Fotovoltaik-Anlagen decken, der allerdings für eine Aufrechterhaltung der Produktion auf heutigem Niveau nicht ausreichend wäre. Eine Gasknappheit würde beim aktuellen Stand der politischen Pläne sicherlich eine große Einschränkung in der Produktion zur Folge haben, so Blomeyers Einschätzung.

Thimm aus Northeim

„Unsere Hauptenergiequelle zur Versorgung der Wellpappenanlagen ist Gas. Wir prüfen derzeit den Einsatz alternativer Energien, um im Ernstfall weiter produzieren zu können“, so Michael Weber, Leiter Corporate Strategie + Marketing der Thimm Gruppe. Eine Nicht-Versorgung mit Gas der Verpackungsindustrie würde zur Folge haben, dass sämtliche Waren, insbesondere die des täglichen Bedarfs, nicht mehr zu den Verbrauchern gelangen würden. Dies gelte es mit aller Kraft zu vermeiden, so Weber. Dazu liefen bereits Gespräche mit der Politik durch den Branchenverband VDW. Als Teil einer systemrelevanten Infrastruktur gehe man aktuell davon aus, dass die Wellpappenunternehmen gemeinsam mit der Lebensmittelindustrie weiterhin mit Gas beliefert würden.

Katlenburger Kellerei

Was es für sein Unternehmen bedeutet, sollte es wirklich zu einer Gasknappheit kommen und die Unternehmen dann bei der Notfallstufe kein Gas mehr erhalten, macht Klaus Demuth von der Katlenburger Kellerei deutlich. Bei der Herstellung und Abfüllung von Fruchtweingetränken benötigt das Unternehmen Wärme für die Kurzzeiterhitzung (genannt Pasteurisation) von Säften, Grundweinen und fertigen Frucht- und Honigweinen sowie für die Sterilisation von Anlagen und für das hygienische Reinigen von Maschinen, Filtrationsanlagen und Rohrleitungen.

Die Wärme wird in Form von Dampf in Dampfkesseln erzeugt, die mit Gas befeuert werden. Ohne Dampf könne die Produktion nicht erfolgen.

„Wir stellen uns daher darauf ein, sowohl Dampf und damit Gas einzusparen als auch Dampf durch andere Energieformen zu erzeugen“, so Demuth.

2021 hatte Strom im Katlenburger Unternehmen einen Kostenanteil von etwa zwei Drittel, Gas ein Drittel. „Wir gehen davon aus, dass wir Strom weiterhin problemlos beziehen können, während bei Gas eine große Unsicherheit besteht“. Deshalb investiere man gerade in die Versorgung der Dampfkessel mit Öl. Das Investitionsvolumen liegt bei circa 150 000 Euro, so Demuth.

Diese Form der Wärmeerzeugung hätte das Unternehmen vor Jahren eingestellt und die Öltanks außer Betrieb genommen. „Es ist schon schizophren, dass man nun in eine rückständige Technologie investieren muss“, so Demuth.

Die Lieferzeit der Kombi-Brenner, die sowohl eine Gas- als auch Ölbefeuerung erlauben, liege bei mehr als sechs Monaten. Er hoffe, dass ab Januar der Dampf auch wieder mit Öl erzeugt werden könnte.

Dies sei aber auch abhängig von der Anlieferung aller anderen Teile wie Ölpumpe und Leitungen. Und schließlich müsse der Öltank wieder in Betrieb genommen werden. Die Behörden stünden unter immensem Druck der Industrie, diese Wiederinbetriebnahmen der Tanks zuzulassen, berichtet der Firmenchef.

Ein Ausfall der Gasbelieferung würde bedeuten, dass die Herstellung und die Abfüllung der Getränke eingestellt werden müssten. Alle Grundweine in den Tanks unterliegen der Gefahr des Verderbs, das sind circa drei Millionen Liter.

Das Unternehmen würde seine Arbeit nach dem Abverkauf der noch in den Lagern befindlichen Fertigware komplett einstellen müssen. Bei Gasverknappung müsse die Produktion entsprechend der Reduktion der Gasbelieferung gedrosselt werden.

Einsparungen könne man im Unternehmen durch eine vermehrte Reinigung durch Kaltwasser anstelle von erwärmtem Wasser unter Einsatz von größeren Mengen an chemischen Reinigungs- und Sterilisationschemikalien erreichen.

Die Abfüllung von Stillweinen werde bereits von einer Warmfüllung bei 60 Grad auf Kaltfüllung umgestellt, dies sei mit veränderten Hygienemaßnahmen zu erreichen. Lagerhallen werden möglichst überhaupt nicht mehr geheizt, in den Produktionshallen werden die Temperaturen drastisch reduziert.

„Die Politiker werben für das Pullovertragen und für dicke Socken, dem müssen wir uns stellen“, sagt Demuth weiter.

Piller aus Moringen

„Für uns als produzierendes Unternehmen sind Energieversorgung und Energieverbrauch besonders wichtige Themen, mit denen wir uns schon seit Jahren beschäftigen“, sagt Christoph Böhnisch, der gemeinsam mit Stephan Merkel die Geschäfte der Piller Blowers & Compressors GmbH in Moringen führt.

Beim weltweiten Technologieführer für Hochleistungsgebläse und Kompressoren gehe es dabei nicht nur um die Sicherung eines stabilen Betriebes und Kostensenkungen, sondern auch um Glaubwürdigkeit und gesellschaftliche Verantwortung. Rund 1,5 Millionen kWh beträgt der gesamte Gasverbrauch im Jahr, dem ein jährlicher Strombedarf von 1,7 Millionen kWh gegenübersteht. Mit neuer Licht- und Heiztechnik habe man in den vergangenen Jahren schon deutlich Energie eingespart.

Noch im Verlauf dieses Sommers wird auf dem neuen Bürogebäude und auf Teilen der Werkhalle eine Fotovoltaik-Anlage mit einer Gesamtfläche von 1329 Quadratmetern installiert. Mit der Anlage, in die Piller knapp über 300 000 Euro investiert, werden zukünftig rund 246 000 kWh Strom pro Jahr erzeugt. Das sind etwa 14 Prozent des gesamten jährlichen Strombedarfs, so Böhnisch. (rom)

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