„Ohne uns wird es still“

Performance von 80 Tänzerinnen auf dem Northeimer Münsterplatz

Ganz in Schwarz und ohne Musik: Tänzerinnen des Tanzstudios Baufeldt brachten mit ihrer Aktion ihre Trauer zum Ausdruck, dass sie seit sieben Monaten nicht mehr gemeinsam trainieren dürfen.
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Ganz in Schwarz und ohne Musik: Tänzerinnen des Tanzstudios Baufeldt brachten mit ihrer Aktion ihre Trauer zum Ausdruck, dass sie seit sieben Monaten nicht mehr gemeinsam trainieren dürfen.

Leise war es am Samstagvormittag auf dem Northeimer Münsterplatz, obwohl rund 80 Tänzerinnen des Katlenburger Tanzstudios hier rund 45 Minuten eine emotionale Performance ablieferten.

Northeim – In schwarzen T-Shirts und zunächst ohne Musik wollten die 16 bis 28 Jahre alten Tanzschülerinnen mit ihrer Tanzlehrerin Kerstin Baufeldt auf ihre Situation aufmerksam machen. „Ohne uns wird es still“ lautete denn auch das Motto.

Vor dem Auftritt, der vorab nicht angekündigt wurde, damit sich nicht zu viele Zuschauer einfinden, hatten alle einen Corona-Test gemacht und auch beim Tanz mit Abstand war das Tragen von Masken selbstverständlich. „Wir wenden uns nicht gegen die Corona-Auflagen, die haben wir immer strikt eingehalten“, so Baufeldt, die sich aber eine Perspektive für sich und die Jugendlichen wünscht.

Sie kritisierten mit der Aktion aber den Flickenteppich, der sich aufgrund der unterschiedlichen Auslegung der Corona-Regelungen von Landkreis zu Landkreis ergeben haben. Für Musikschulen und andere anerkannte außerschulische Bildungseinrichtungen sei alles genau geregelt, aber Tanz käme darin nicht vor und so entscheide jeder Landkreis anders, so Baufeldt. In anderen Landkreisen, dürften Tanz- und Ballettschulen bereits seit dem 10. Mai wieder öffnen, berichtet sie. Der Landkreis Northeim habe hingegen den Tanzbetrieb nicht erlaubt. Nur draußen dürfe sie mit Kinder bis 17 Jahren testfrei trainieren.

Problematisch erweise sich auch, dass bei den jetzt angekündigten Lockerungen aber ein Test für über 18-Jährige für das Training erforderlich sei. „In der Stadt ist das einfach umzusetzen, aber hier auf dem Land bestehen gar nicht so viele Testangebote“, erklärt Baufeldt, die hofft, dass in der neuen Corona-Verordnung, die in dieser Woche erwartet wird, die Testverpflichtung herausgenommen wird.

Die Performance war das erste Mal, dass die Jugendlichen nach sieben Monaten wieder zusammenkommen sind. Sie bot ihnen nun die Gelegenheit, das Corona-Gefühl ihrer Altersklasse tänzerisch zum Ausdruck zu bringen. Es war ein Ventil für ihre Gefühle und auch der Hoffnung. Denn nicht die ganze Darbietung war lautlos und trist. Am Ende zeigten sich die Tänzerinnen in weißen T-Shirts und zu „The Show must go on“ wurde zu Musik Lust auf die Zukunft ohne Corona-Belastungen gemacht.

Das Fazit von Kerstin Baufeldt am Ende der Aktion, die viel Beifall von den Passanten am Münsterplatz bekam: „Wir haben viel positives Feedback auf die Aktion bekommen und hoffen, damit etwas auf unsere Situation aufmerksam gemacht zu haben. Für die Tänzerinnen war es ein sehr emotionales Erlebnis endlich wieder gemeinsam zu tanzen, einige hatten Tränen in den Augen.“ (Rosemarie Gerhardy)

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