Orthopäde mit spitzer Feder: Mediziner veröffentlicht Buch

Er lächelt zwar, aber er kann auch anders: Der Northeimer Orthopäde Dr. Karl-Heinz Wischner, der auch mit 75 Jahren immer noch unterrichtet, übt in seinem Buch „Kreuzstiche“ Kritik am System und einigen Ärzten. Vordergründig will er aber aufklären, vor allem über die Rechte der Patienten. Gespickt hat er sein Buch mit eigenen Karikaturen. Fotos:  Oschmann

Northeim. Das Buch "Kreuzstiche" des Mediziners Dr. Karl-Heinz Wischner ist eine Abrechnung mit dem Gesundheitssystem, Medizinern und den Patienten.

Wenn das Thema nicht so ernst wäre, könnte man bei der Lektüre des Rückenratgebers des Northeimer Arztes Dr. Karl-Heinz Wischner ständig Freudentränen vergießen. Und genau das ist gewollt, zumindest in vielen Bereichen seines Buches, denn wichtige, aber ansonsten staubtrockene medizinische Analysen und Informationen lassen sich mit einer Tube Humor und einer großen Spritze Sarkasmus einfach besser und vor allem verständlicher an den Mann oder die Frau bringen.

Der Mediziner mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Orthopädie bezeichnet sich selbst mit einem Augenzwinkern als „boshaften Rentner“. Wer sein jüngstes Werk mit dem irreführenden Titel „Kreuzstiche“ - bei Amazon wird sein Buch deshalb unter Handarbeiten geführt - liest, wird dem 75-Jährigen schnell zustimmen.

Wischner nutzt sein Buch (Untertitel: Der etwas andere Rückenreport) zu einer gnadenlosen Abrechnung mit dem Gesundheitssystem, mit einigen seiner Ärztekollegen, die er als „schwarze Schafe im weißen Kittel“ bezeichnet - „Es kann doch nicht angehen, dass die Diagnose über ein lädiertes Knie gestellt wird, ohne dass der Patient die Hose ausziehen muss!“ -, aber auch mit den Patienten selbst.

Vor allem Letzteren widmet Wischner seine volle Aufmerksamkeit, denn er will die Kreuzlahmen wachrütteln und heilen von dem oft grenzenlosen Vertrauen und dem „Der-Doktor-wird’s-schon-richten-Phlegma“. „Ich möchte die Patienten gern aus der Rolle des passiven Therapie-Empfängers zum mündigen Partner des Arztes auf Augenhöhe machen“, erklärt der Mediziner sein Ziel.

„Über Jahrzehnte bewährte Untersuchungsmethoden scheinen einige Ärzte heute nicht mehr zu kennen!“

Der Northeimer Mediziner sieht sich als Mahner in der Wüste, fühlt sich in dieser Rolle aber pudelwohl, wenn er sein Profiwissen in laienverständlichen Worten formuliert.

Allein der Fakt, dass seinen Worten zufolge nur 20 Prozent der Rückenleiden von der Bandscheibe herrühren und dass die oft und gern verordnete Computertomographie absolut kein Allheilmittel ist - „Kein Arzt sagt, dass die Strahlenbelastung dabei 40-mal höher ist als beim Röntgen“ -, sollte jeden Patienten wachrütteln.

Der Northeimer Autor wettert über ärztliche Lustlosigkeit, Operationslüsternheit und „fernkursgebildete Melissengeist-Gurus mit medizinischen Grundkenntnissen eines Realschülers, spickt gleichzeitig viele für Patienten wichtige Bereiche seines Fachgebietes mit gezielten Tipps.

Wischner kann nicht nur tiefgründig schreiben, sondern auch zeichnen. Seine Karikaturen in „Kreuzstiche“ sind köstlich, treffend und zum Losbrüllen.

Das Buch „Kreuzstiche - Der etwas andere Rückenreport“ ist im Eigenverlag erschienen und trägt die ISBN-Nummer 9781508616986. Das Buch kostet 18,99 Euro.

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