Ortswehren glücklich über Aktive mit Migrationshintergrund

Gelebte Integration: Vize-Ortsbrandmeister Ingo Hartmann und seine türkischstämmige Frau Necla aus Berwartshausen sowie Duc Huy Pham, der vietnamesischer Abstammung ist, und Ortsbrandmeisterin Jasmin Lüer mit Tochter Celina aus Hollenstedt vor Fahrzeugen der zwei Ortswehren. Foto: Eriksen

Berwartshausen / Hollenstedt. Die Ortsfeuerwehr Berwartshausen hat 23 Aktive, davon vier Frauen und darunter eine Türkin Necla Hartmann. Wir treffen uns zum Interview im kleinen Feuerwehrhaus in Berwartshausen, das sich in einer Scheune befindet.

Auf den Tisch stellt Necla eine Kanne Rooibos-Tee. „Wir trinken viel Tee, aber auch Wasser und Cola in unserer Wehr“, erläutert ihr Ehemann Ingo Hartmann, stellvertretender Ortsbrandmeister im 71-Seelen-Dorf.

Necla, gesprochen Neschla, und Ingo kennen sich seit über 20 Jahren. Vor 15 Jahren trat Necla in die Feuerwehr ein, „um mehr Zeit mit meinem Mann zu verbringen“. Inzwischen hat sie nach Grundlehrgang, Funklehrgang und Atemschutzlehrgang den Posten als Atemschutzgerätewartin übernommen. Probleme in der Wehr hat sie nicht gehabt, nicht als Frau und nicht als Türkin, weder bei älteren noch jüngeren Kameraden.

„Rassismus würden wir nicht tolerieren“

Necla Ayyildiz wurde in Deutschland geboren, lebte bis zum sechsten Lebensjahr in der Türkei und seitdem wieder in Deutschland. Die Eltern hätten wohl gerne einen türkischen Schwiegersohn gehabt, waren aber auf einen Deutschen nicht unvorbereitet, denn Neclas vier ältere Geschwister haben auch nicht türkisch geheiratet. „Ich kann zwar Türkisch, aber meine Umgangssprache ist Deutsch“, sagt die 42-Jährige, die wesentlich jünger aussieht.

Auch in Hollenstedt klappt die Integration eines Migranten problemlos. Der 15-jährige Duc Huy Pham, der zum Interview nach Berwartshausen gekommen ist, hat vietnamesische Eltern, die zum Studium nach Europa auswanderten. Er wurde in Deutschland geboren und trat 2012 auf Anregung eines Freundes in die Jugendwehr Hollenstedt ein.

Nette Kameraden

Ihm gefällt es in der Feuerwehr, „weil die Kameraden so nett sind“, und die feuerwehrtechnischen Tätigkeiten machen ihm Spaß. Demnächst wird er als Aktiver übernommen. Probleme wegen seiner Herkunft hat er nicht erlebt.

„Rassismus würden wir auch nicht tolerieren“, sagt Ortsbrandmeisterin Jasmin Lüer. Ihr Mann, Jens, ist als Fahrer mitgekommen, denn Jasmin wartet noch auf ihre praktische Prüfung zur Führung des TSF-W. Mit dabei ist auch ihre fünfjährige, feuerwehrbegeisterte Tochter Celina.

Jasmin Lüer und Ingo Hartmann haben sich über den Vorstoß des Kreisbrandmeisters Bernd Kühle gefreut, mehr Migranten für die Freiwilligen Feuerwehren zu gewinnen (HNA berichtete). Beide haben mit „ihren“ Migranten nur gute Erfahrungen gemacht.

„Es gewinnen beide Seiten. Die Migranten, gerade auch die weiblichen, können sich besser in Deutschland integrieren. Und die Feuerwehren können vielleicht dadurch den Abwärtstrend in den Mitgliederzahlen stoppen oder sogar umkehren.“

Migranten ansprechen

Die beiden Führungskräfte der Ortsfeuerwehren Berwartshausen und Hollenstedt, Ingo Hartmann und Jasmin Lüer, sind sich darin einig, dass die Migranten angesprochen werden müssen. Es reiche nicht, eine Fahrzeugschau oder einen Tag der offenen Tür zu veranstalten und dann zu hoffen, dass Migranten oder andere Interessierte von selbst kommen. „Man muss sie aufsuchen oder gezielt einladen, um ihnen die Freuden und Pflichten in einer freiwilligen Feuerwehr näher zu bringen.“

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.