Sie mussten ihre Wohnung Hals über Kopf verlassen

Nach Dachstuhlbrand: Paar sollte in Unterkunft für Obdachlose ziehen

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Unbewohnbar: Jens Diehl und Elke Schindewolf vor dem Haus an der Stettiner Straße, in dem es vor über einer Woche gebrannt hat. Erst in etwa acht Monaten können die Wohnungen vermutlich wieder bezogen werden.

Northeim. Nach einem Brand ist die Wohnung von Jens Diehl und Elke Schindewolf unbewohnbar. Nun sollte das Paar in eine Obdachlosen-Unterkunft ziehen - und weigerte sich.

Jens Diehl und seine Lebensgefährtin Elke Schindewolf gehören zu den Bewohnern des Mehrfamilienhauses an der Stettiner Straße in Northeim, in dem es vor über einer Woche gebrannt hat. Hals über Kopf mussten der 37-Jährige und seine 35-jährige Partnerin an dem Freitagnachmittag ihre Wohnung verlassen, nachdem Ersthelfer bei ihnen geklingelt hatten. „Da stand der Dachstuhl schon in Flammen“, erzählt Diehl in dieser Woche.

Nur das Nötigste hatten er und seine Freundin zusammengepackt, bevor sie sich ins Freie retteten. „Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn man uns und die anderen Bewohner nicht rechtzeitig gewarnt hätte“, sagt der 37-Jährige.

Beide sind auch zehn Tage nach dem Feuer dankbar für die große Hilfsbereitschaft der Nachbarn und später der Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes: „Wir würde am liebsten jedem persönlich danken, vor allem den Ersthelfern, die uns aus der Wohnung geholt haben“, sagt Elke Schindewolf.

Erst am 1. Februar war das Paar in die Wohnung im ersten Obergeschoss gezogen. Die Sozialhilfeempfänger, die aus gesundheitlichen Gründen beide erwerbsunfähig sind, hatten sich erst vor ein paar Wochen gemütlich eingerichtet. Dann kam das Feuer.

Zum Glück, sagen beide, wurden die Möbel und Geräte in ihrer Wohnung kaum beschädigt, nur die Wände seien feucht von den Löscharbeiten der Feuerwehr. Trotzdem mussten sie, wie alle anderen Bewohner, ihre Wohnung auf unbestimmte Zeit räumen, weil das Haus nicht mehr bewohnbar ist.

Obdachlos

Am Tag des Feuers hatte die Stadt Northeim die beiden zunächst in der Jugendherberge untergebracht. „Doch da mussten wir am Montag ausziehen, weil eine größere Besuchergruppe erwartet wurde“, berichtet der 37-Jährige.

Seitdem ist das Paar faktisch obdachlos. Denn: „Die Stadt wollte uns in der Unterkunft an der Mauerstraße unterbringen, wo Obdachlose wohnen. Auch mit Drogen soll es dort ein Problem geben“, sagt Diehl.

„Wir haben uns geweigert, dort einzuziehen. Seitdem hat sich die Stadt aber nicht mehr um uns gekümmert.“ Elke Schindewolf fügt hinzu: „Da schlafe ich liebe auf einer Parkbank.“

Keine Dauerlösung

Jetzt sind die beiden in der Wohnung einer Bekannten in Nörten-Hardenberg untergekommen. Weil das aber keine Dauerlösung ist - die Renovierung des Brandhauses wird etwa acht Monate dauern - musste eine andere, dauerhafte Unterbringungsmöglichkeit her. Mitte der Woche gab es laut Elke Schindewolf die Zusage der Versicherung des Hausbesitzers, dass das Paar in eine Ferienwohnung oder in eine Pension ziehen kann. Mithilfe ihrer Betreuerin suchen sie jetzt eine provisorische Unterkunft.

Räumung bis 5. Mai

Bis zum 5. Mai müssen Diehl und Schindewolf ihre Wohnung in dem Brandhaus geräumt haben, damit die Renovierungsarbeiten beginnen können. Danach wollen die beiden auf jeden Fall wieder in ihre „alte“ Wohnung an der Stettiner Straße ziehen: „Wir fühlen uns in der Hausgemeinschaft dort so sauwohl. Das ist unser Zuhause.“

Archivvideo: Dachstuhl brennt:

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