Patienten leiden lange an Covid-19

Northeimer Pneumologe Dr. Helge Granops über die Spätfolgen von Corona

Intensivstation: Viele Menschen haben einen schweren Krankheitsverlauf bei einer Corona-Infektion. Und viele von ihnen haben lange mit den Spätfolgen zu kämpfen.
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Intensivstation: Viele Menschen haben einen schweren Krankheitsverlauf bei einer Corona-Infektion. Und viele von ihnen haben lange mit den Spätfolgen zu kämpfen.

„Uns Fachärzten war sofort klar, das ist eine ernste Erkrankung“, sagt der Northeimer Pneumologe Dr. Helge Granops mit Blick auf die Covid-19-Erkrankung, die nicht nur einen schweren Verlauf nehmen kann, sondern unter Umständen auch viele Monate später noch die Patienten belastet.

Dr. Helge Granops, Pneumogloge

Northeim – 80 Prozent der Infizierten überstehen eine Corona-Infektion gut, so der Northeimer Lungenfacharzt.

Patienten, die auf der Intensivstation beatmet werden müssen, haben dagegen längerfristige Folgen der Erkrankung zu erwarten. Ähnliche Erfahrungen habe man gemacht bei Lungenentzündungen durch andere Erreger, wenn die Patienten beatmet werden müssen.

Doch was eine Covid-19-Erkrankung so deutlich von einer Influenza („der gewöhnlichen Grippe“) und noch mehr von einem einfachen grippalen Infekt unterscheidet, sind die zum Teil langfristigen Spätfolgen, mit denen auch viele Patienten von Granops zu kämpfen haben.

Trotz erhaltener Lungenfunktion und „guten“ Bildern nach einer Computertomografie (CT) sind die Patienten laut Granops geschwächt, klagen über Schmerzen in der Brust und Müdigkeit. Manche fallen deshalb für Monate bei der Arbeit aus.

Das Virus greife die Lunge an, dabei gebe es Entzündungs- und Umbauvorgänge in der Lunge, die man bei leichteren Krankheitsverläufen im CT kaum darstellen könne, weil sie offenbar so kleinteilig seien, aber trotzdem die Menschen belasten, versucht Granops die Hintergründe der Erkrankung zu erklären.

Hinzu komme, dass Covid-19 auch die Nerven angreife, was sich unter anderem im Verlust des Geschmacks- und Geruchsinns der Patienten zeige sowie zur Schwächung der Patienten beitrage. Lungenfacharzt Granops vergleicht das mit einem Sportler, der nach einer schlaflosen Nacht auch nicht an seine normale Leistungsfähigkeit herankomme. Noch immer wisse man Vieles über die Coronavirus-Infektion nicht genau, so der Mediziner. So gebe es auch keine spezifische Behandlung für Patienten nach einer Coronainfektion, die mit Spätfolgen zu kämpfen haben. In der Regel seien Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente und Atemgymnastik die erste Wahl. Inzwischen gebe es auch erste stationäre Reha-Angebote.

Granops und viele seiner Kollegen würden sich aber regelmäßig bei Fortbildungen über die Covid-Behandlung austauschen.

In Hannover an der Medizinischen Hochschule gibt es laut Granops eine Sprechstunde für Patienten, die eine Covid-19-Infektion überstanden haben. Allerdings werden dort wegen des hohen Andrangs keine Patienten mehr neu aufgenommen. Auch in seiner Praxis in Northeim meldeten sich immer mehr Menschen, die nach einer Corona-Erkrankung weiterhin medizinische Hilfe benötigen, viele von ihnen sind zwischen 20 und 40 Jahre alt.

Deshalb appelliere er eindringlich, dass man sich impfen lassen sollte, sobald die Möglichkeit dazu besteht. Zumal die Schutzimpfung gegen Covid-19 eine viel höhere Wirkung habe, als eine Impfung gegen die normale Grippe, so Granops weiter.

Wenig Verständnis bringt der Mediziner für die „abstrusen Ideen“ zu Covid-19 auf, die „völlig unreflektiert“ im Internet kursieren und mit denen er zum Teil auch in der Praxis konfrontiert werde. „Wer hingegen persönliche Erfahrungen mit Covid-19 gemacht hat, nimmt diese Erkrankung auch ernst“, so Granops. (Von Rosemarie Gerhardy)

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