Patienten werden im Notfall besser versorgt

Neuer Beruf Notfallsanitäter löst den Rettungsassistenten ab

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Haben sich vor einigen Monaten vom Rettungsassistenten zum Notfallsanitäter fortgebildet: Øyvind Krause Halvorsen von den Johannitern (von links), Andreas Reschke vom Deutschen Roten Kreuz und Jan Henze vom Arbeiter-Samariter-Bund.

Northeim. Im Rettungsdienst hat in diesem Jahr eine neue Ära begonnen. An die Stelle des Rettungsassistenten ist der neue Beruf des Notfallsanitäters gerückt.

Die Ausbildung dauert nun drei statt zwei Jahre.

Im Landkreis Northeim gibt es derzeit acht Auszubildende auf den Rettungswachen. Etwa ein Dutzend erfahrene Rettungsassistenten hat sich bereits zum Notfallsanitäter fortgebildet.

„Ziel ist eine bessere Versorgung der Notfallpatienten“, sagt Øyvind Krause Halvorsen, der als einer der ersten Rettungsassistenten im Landkreis den Aufbaulehrgang zum Notfallsanitäter absolviert hat. Mit der Ausbildung seien mehr medizinische Kompetenzen für das Rettungsdienstpersonal verbunden, das in vielen Fällen bisher nicht ohne Notarzt handeln durfte. Dazu zählt zum Beispiel die intravenöse Gabe von Glukose bei einer Unterzuckerung oder die Gabe von Schmerzmedikamenten.

Die erste Bilanz von Dr. Bodo Lenkewitz, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst im Landkreis Northeim, fällt vorsichtig positiv aus: „Wir haben sehr gutes und hochqualifiziertes Personal. Richtige Effekte werden wir wohl erst in drei bis vier Jahren spüren, wenn sich alle Kollegen fortgebildet haben.“ Der Notfallsanitäter werde den Notarzt zwar nicht ersetzen, er könne den Patienten aber schneller und besser versorgen als bisher.

Derzeit werden für den Landkreis Northeim die Handlungsleitlinien überarbeitet, die den Notfallsanitätern vorgeben, welche medizinischen Maßnahmen sie in Notfall ohne Notarzt vornehmen dürfen. Denn das sei ein zentrales Problem, sagt Lenkewitz. „Im neuen Gesetz ist nur die Ausbildung geregelt. Welche Maßnahmen die Notfallsanitäter eigenverantwortlich einleiten dürfen, muss individuell von den Ärztlichen Leitern der Rettungsdienste festgelegt werden.“ Grundlage dafür seien die Leitlinien, die vom Landesausschuss Rettungsdienst des Niedersächsischen Innenministeriums in Kooperation mit Ärztlichen Leitern und Rettungsdienstschulen entwickelt wurden. Insofern sei eine wichtige Chance vertan worden, bundesweit einheitliche Standards zu schaffen, kritisiert Lenkewitz.

Hintergrund: Notfallsanitäter, Rettungsassistent und Rettungssanitäter

Seit dem 1. Januar 2015 gibt es in Deutschland nur noch die dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitäter. Die zweijährige Ausbildung zum Rettungsassistenten wurde abgeschafft. Rettungsassistenten haben die Möglichkeit, die Qualifikation durch eine ergänzende Schulung mit Prüfung zu erwerben. Die Ausbildung zum Notfallsanitäter besteht aus Blockunterricht und Praktika auf einer Rettungswache und im Krankenhaus. Hinzu kommen Hospitanzen zum Beispiel in der Altenpflege. Trotz der Namensähnlichkeit ist die Ausbildung zum Rettungssanitäter keine anerkannte Berufsausbildung. Rettungssanitäter erlernen ihr Tätigkeitsfeld durch einen dreimonatigen Lehrgang.

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