Per Umschulung in den Beruf

Svenja Tigel und Nicole Aschermann im Fachzentrum Metall in Northeim ausgebildet

Die neuen  Anlagenmechanikerinnen Svenja Tigel (links) und Nicole Aschermann (rechts) haben an einer Umschulung beim Bundesfachzentrum Metall und Technik Northeim teilgenommen.
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Erfolgreich ausgebildet: Die beiden Anlagenmechanikerinnen Svenja Tigel (links) und Nicole Aschermann (rechts) haben an einer Umschulung beim Bundesfachzentrum Metall und Technik Northeim teilgenommen.

„Wie der Ochse vorm Scheunentor“: So beschreiben Svenja Tigel (41) und Nicole Aschermann (50) ihren Gefühlszustand vor der Umschulung zur Anlagenmechanikerin im Northeimer Bundesfachzentrum Metall und Technik

Northeim – Beide profitierten von der „Beschäftigtenqualifizierung“ der Agentur für Arbeit. Nach der Umschulung gehören Svenja Tigel und Nicole Aschermann zu den nur 5,6 Prozent weiblichen Fachkräften in der von Männern dominierten Metallbearbeitung.

Für die Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Göttingen, Christine Gudd, werden die Umschulungen immer relevanter. Gerade in Zeiten von Transformation und Digitalisierung sei die Berufsqualifizierung eine gute Möglichkeit für Beschäftigte, sich weiterzubilden und damit für die Veränderungen der Zeit gewappnet zu sein.

Zuletzt sei die Anzahl der Förderungen gestiegen. Waren es 2019 noch 160 Fälle im Agenturbezirk Göttingen und im Jahr 2020 180 Fälle, belaufe sich die Zahl dieses Jahr auf 230.

Die Anlagenmechanikerinnen waren beide beim Unternehmen Kamax in Osterode als Leiharbeiterinnen tätig. Leiharbeiter dürfen maximal 18 Monate bei einem Betrieb sein und müssen danach mindestens drei Monate und einen Tag außerhalb des Betriebs arbeiten. Genau diese Zeit nutzten die Frauen, um einen Teil der Umschulung zur Anlagenmechanikerin zu absolvieren. Nach anfänglichen Schwierigkeiten funktionierte dies so gut, dass beide beschlossen die Umschulung bis zum Abschluss weiterzuführen.

Vorteil für das Duo: Sie kannten sich bereits vorher. Nicole Aschermann lernte Svenja Tigel in die Helfertätigkeit bei Kamax an. Die beiden begannen zum 1. März 2020 mit ihrer Umschulung, also nur wenige Wochen vor dem ersten Lockdown während der Corona-Pandemie.

Vom 17. März an hieß es also erst mal Theorie büffeln. Beide schmunzeln, als sie an die anfänglichen Schwierigkeiten bei der Umschulung denken. So erzählt Aschermann, dass sie nach rund 30 Jahren im Beruf erstmals wieder die Schulbank drücken musste. „Plötzlich ging es wieder um so Sachen wie den Satz des Pythagoras.“ Für Tigel kam es auf den Inhalt der Schulung an. „Was man in der Schule schon konnte, kam einfach wieder.“ Themen, die in der Schule nicht so gut funktionierten, waren dagegen eine größere Herausforderung. Geholfen habe aber, dass beide privat miteinander gelernt haben und sich gegenseitig bestärken konnten. Letztlich konnten die Absolventinnen die Schulung mit Bravour abschließen.

Dabei hatten beide zu Beginn noch Zweifel, ob sie die Weiterbildung schaffen würden. Man habe die eigenen Fähigkeiten zum Teil unterschätzt, aber sich während des Seminars gesteigert. Beide möchten Menschen ohne Ausbildung Mut machen, sich an solche Umschulungen zu trauen. Dabei sei es egal, ob Interessierte beschäftigt sind oder nicht. Tigel hatte vor der Umschulung noch keine abgeschlossene Berufsausbildung, ein Umstand, der sie viele Jahre ärgerte. Umso glücklicher fühlt sie sich jetzt, dieses Ziel nach all den Jahren doch noch verwirklicht zu haben. Auch für die gelernte Herrenschneiderin Nicole Aschermann war die Ausbildung eine große Leistung. Wichtig sei eine gewisse Lernbereitschaft.

So gab der Ausbilder des Zentrums, Björn Hoppe, das Beispiel, dass die Teilnehmer keine Angst vor den Maschinen haben sollten. Es würden auch mal Späne fliegen, so Hoppe schmunzelnd.

Zweifel hatten die beiden Frauen auch. Doch diese konnte sie beiseiteschieben und eine richtige Erfolgsstory schreiben.

Von Amir Selim

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