"Platt bedeutet Heimatliebe" - Bald Trio für Stelle des Sprachbeauftragen

+
Hat viel fürs Platte getan: Hermann Regenhardt kämpfte viele Jahre für den Erhalt des Plattdeutschen im Landkreis.

Greene/Northeim. Hermann Regenhardt tut sich schwer damit, hochdeutsch zu sprechen, wenn es um sein geliebtes Niederdeutsch geht. Der Rentner könnte den ganzen Tag nur "Platt snacken".

Das liegt wohl vor allem darin begründet, dass er von 2005 bis 2013 als „Beauftragter für den Erhalt der Niederdeutschen Sprache“ des Landkreises Northeim gegen das Aussterben dieser Sprache vorging.

Seit Februar 2013 war die Stelle unbesetzt. Bei der jüngsten Herbsttagung der Fachkommission „Plattdeutsche Sprache und Literatur“ der Südniedersächsischen Heimatforscher fand sich ein Team aus drei Plattdeutsch-Freunden zusammen, die diese Aufgabe demnächst übernehmen.

Dass daran viel Arbeit hängt, weiß Regenhardt aus eigener Erfahrung. Er fand heraus, wo im Landkreis Platt gesprochen wird, wo welches Platt gesprochen wird und füllte die Lücken in der Dokumentation des Ostfälischen, wie die dialektale Ausprägung des Niederdeutschen hierzulande genannt wird. „Ich hatte engen Kontakt zu denen, die sich regelmäßig in Gruppen oder Vereinen treffen, um gemeinsam Platt zu sprechen“, erzählt Regenhardt. Dazu gehörte auch, sie zu beraten und zu unterstützen.

Seine Arbeit brauchte eine schriftliche Fixierung. So brachte er gemeinsam mit den Mitgliedern des Plattdeutsch-Clubs Wolbrechthausen, dessen Vorsitzender er ist, das Wörterbuch „Toitlöseken“ heraus, das die Greener Ausprägung des Ostfälischen Platt dokumentiert. „Ich will damit zeigen, dass Platt nicht gleich Platt ist“. Sein Motiv: Heimatliebe.

In einer Zeit, in der, besonders in den Medien, auf reines Hochdeutsch geachtet werde, habe der Dialekt seinen Platz verloren, meint Regenhardt. Wer sich heute auf Platt unterhält, gilt als altmodisch.

Dr. Reinhard Goltz, Leiter des Institus für Niederdeutsche Sprache (INS) in Bremen, kann das bestätigen: „Platt gilt als nicht schick.“ Dass es geanu das ist, was das Plattdeutsche ausmacht, werde von vielen verkannt. „Sprache kann Nähe und Geborgenheit bieten. In unserer globalen Welt fehlt es an dieser vielleicht“, sagt Goltz.

Ziel: Prestige steigern 

Deshalb brauche es Menschen, die das Platte beherrschen, es verbreiten und damit das Prestige dieser Sprache verbessern. So, wie Hermann Regenhardt, der der Meinung ist: „Wenn die Kinder mit den Großeltern Platt sprechen, dann haben vielleicht auch die Eltern einen Anreiz, Platt zu lernen.“ Wichtiger Multiplikator seien deshalb die Jüngsten, um die sich zum Beispiel in Höckelheim Hartmut Hartje in seiner Plattdeutsch-AG kümmert. Der tritt schon bald in Regenhardts Fußstapfen: „Ich werde zusammen mit zwei Kollegen die Aufgabe erfüllen.“ Wann die neuen Beauftragten offiziell verkündet werden, steht noch nicht fest. Sicher ist aber, dass sie die Herausforderung annehmen.

Viele Vereine im Kreis pflegen das Niederdeutsche

Fredelsloh: Plattdeutsche Frünne; Greene: Plattdeutschgruppe des Heimatvereins; Harriehausen: Plattdeutsche Gruppe im Heimat- und Geschichtsverein;

Sülbeck: Plattdeutschgruppe im Heimatverein; Hardegsen: Verschönerungs- und Heimatverein; Gladebeck: Plattdeutsche Gruppe; Kalefeld: Heimatfreunde Altes Amt ; Willershausen: Veranstaltungen im Heimatverein; Schoningen: Plattdeutsche Gruppe; Wolbrechtshausen: Plattdeutsch Club ; Vogelbeck: Plattdeutsche Gruppe.

Von Anna Lischper

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.