Hohe Dunkelziffer

Polizei Northeim: Fälle häuslicher Gewalt nehmen zu

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Häusliche Gewalt: Auf diesem gestellten Bild versucht sich eine Frau vor den Schlägen eines Mannes zu schützen.

Northeim. Immer häufiger wird die Polizei im Landkreis Northeim wegen häuslicher Gewalt alarmiert. Sie hat jetzt aktuelle Zahlen vorgelegt.

Bis Ende Oktober dieses Jahres gab es bereits 203 Fälle. In den vergangenen Jahren wurden ähnlich viele Taten angezeigt - allerdings im Zeitraum von zwölf Monaten. Die Polizei ist sich aber sicher, dass die tatsächliche Zahl der Fälle viel höher liegt, da viele Taten gar nicht erst angezeigt werden. Und: Zu 80 Prozent sind Frauen Opfer von häuslicher Gewalt. Eine Statistik des Bundesfamilienministeriums sagt aus, dass jede vierte Frau bereits Gewalt in einer Partnerschaft erlebt hat. Und dass eine Frau bis zur Trennung vom Partner sieben Mal geschlagen wurde.

Doch bis es überhaupt zu einer Trennung kommt, vergeht häufig viel Zeit. Immer wieder erleben es die Northeimer Beamten, so Lutz Exner, Leiter des Fachkommissariats I, dass die Taten nicht weiter verfolgt werden, weil Täter und Oper sich angeblich wieder vertragen haben.

Außerdem hätten häufig weder Täter noch Opfer Interesse an einem Strafverfahren. „Das geht schon damit los, dass das Opfer gar nicht erst zur Vernehmung bei der Polizei erscheint“, berichtet Lutz Exner. Die Beamten gehen davon aus, dass das Opfer in diesen Fällen vorher unter Druck gesetzt wurde.

Wird die Polizei zu einem Fall häuslicher Gewalt gerufen, steht im Vordergrund, die Gewaltsituation sofort zu beenden. Erstmaßnahme der Beamten ist eine sogenannte „Wohnungswegweisung“, bekannt als Platzverweis. Einen Platzverweis trifft übrigens immer die Polizei - zur Not auch gegen den Willen des Opfers. Der Angreifer wird für mindestens zehn Tage aus dem Haus oder der Wohnung verwiesen, auch wenn er Eigentümer oder Mieter ist. „So hat das Opfer Zeit, sich zu beruhigen, sich Hilfe zu holen, ohne Einfluss des Täters oder der Polizei“, so Exner.

Hier finden Opfer Hilfe

Dirk Schubert vom Präventionsteam der Northeimer Polizei hat wichtige Adressen zusammengestellt, an die sich Opfer von häuslicher Gewalt wenden können:

• Im Notfall Polizei-Notruf 110 anrufen;

• Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt (BISS) im Landkreis Northeim, Tel. 05551 / 708 321;

• Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter Tel. 0800 / 0116016;

• Weißer Ring, Außenstelle Northeim, Tel. 05563 / 960571;

• Opferhilfebüro Göttingen, Tel. 0551 / 403 1450;

• ProBeweis Helios Klinik Northeim (gerichtsverwertbare Beweissicherung von Verletzungen), Tel. 05551/970.

Mehr zum Thema in der Mittwochausgabe der Northeimer und der Sollinger Allgemeine.

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