Fast immer ist Radweg Pflicht

Polizei Northeim informiert über Verhaltensregeln für Fahrradfahrer

Zwei Fahrradfahrer fahren mit ihren Rennrädern auf einem Radweg vor einem See entlang, im Hintergrund zu sehen ist ein Wald auf einem Berg.
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Mit dem Rennrad unterwegs: Fahrradfahren erfreut sich immer größerer Beliebtheit.

Der Streit zwischen Autofahrern und Radfahrern im Straßenverkehr ist schon uralt. In einem HNA-Artikel über neue Verkehrsregeln vor wenigen Wochen hatten einige falsche Formulierungen zu Missverständnissen geführt, die vor allem unzählige Radfahrer auf die Barrikaden gebracht haben.

Das hat die Northeimer Polizei jetzt noch einmal zum Anlass genommen, vor allem in Sachen Radwegebenutzungspflicht Aufklärungsarbeiten zu leisten.

Polizeioberkommissarin Simone Köhler, Verkehrssicherheitsberaterin bei der Polizeiinspektion Northeim, und Kontaktbeamter Polizeioberkommissar Matthias Heise stellen zunächst einmal klar, dass es schon seit vielen Jahren in Deutschland eine Radwegebenutzungspflicht gibt.

Voraussetzung ist aber eine entsprechende Beschilderung. Runde Schilder mit blauem Hintergrund, auf denen entweder ein Fahrrad oder kombiniert Fahrrad und Fußgänger zu sehen sind, verpflichten alle Radfahrer dazu, diesen Weg zu benutzen. Das gelte auch für Pedelecs 25 sowie Rennradfahrer. Das Befahren anderer Flächen, wie Gehwege oder Straßen, ist damit untersagt, betont Simone Köhler.

Aber auch hier gebe es Ausnahmen: Wenn der Radweg zum Beispiel durch Schnee oder Eis, parkende Autos oder anderen Hindernisse unbenutzbar sei, dürfen Radfahrer laut Polizei in diesem Bereich ausnahmsweise die Fahrbahn nutzen. Danach müssen sie aber wieder auf den Radweg zurückkehren.

Es gebe noch aber noch eine weitere Ausnahme von der Benutzungspflicht – aber nur, wenn mehr als 15 Radfahrer zusammen unterwegs sind.

Denn dann handele es sich bei dieser Gruppe um einen sogenannten geschlossenen Verband, die Radfahrer dürfen dann sogar zu zweit nebeneinander auf der Straße fahren, egal ob ein benutzungspflichtiger Radweg vorhanden ist. Für eine Gruppe mit 15 oder weniger Radfahrern gilt laut Simone Köhler aber weiterhin die Radwegebenutzungspflicht.

Hartnäckig hält sich vor allem unter Fahrradfahrern das Gerücht, dass Radsportler mit ihren schnellen Rennrädern generell die Fahrbahn benutzen dürfen. Das stimmt aber nicht. Auch beim Training müssen durch entsprechende Schilder ausgewiesene, benutzungspflichtige (siehe Fotos rechts) Radwege befahren werden.

Auch wenn ein ganzer Pulk Rennräder unterwegs ist. Ausnahme: Beim Gruppentraining bilden Rennradfahrer ab 16 Personen einen geschlossenen Verband mit Sonderrechten, dürfen also auf die Fahrbahn ausweichen, auch wenn es einen benutzungspflichtigen Radweg gibt. Das haben die beiden Polizeibeamten Simone Köhler und Matthias Heise von der Polizeiinspektion Northeim noch einmal klargestellt.

Radwege, an denen keine Schilder die Benutzungspflicht vorschreiben, dürfen zwar von Radfahrern benutzt werden, sie können jedoch auch auf der Straße fahren. Aber: Die Benutzung des Gehweges bleibt grundsätzlich verboten.

Dürfen auch andere Flächen von Radfahrern benutzt werden, ist dies durch ein Zusatzschild gekennzeichnet: Es ist rechteckig, weiß und zeigt ein Fahrrad sowie den Hinweis „frei“, so Köhler und Heise.

Rechtsfahrgebot

Radwege und andere für Radfahrer freigegebene Flächen dürfen ausschließlich in die jeweilige Fahrtrichtung benutzt werden. Gibt es an einer Straße nur einen Radweg, muss dieser natürlich in beide Fahrtrichtungen benutzt werden.

Fahren auf Gehwegen

Das Radfahren auf Gehwegen ist generell nicht gestattet. Wenn Gehwege oder auch Fußgängerzonen durch ein Zusatzschild für Radverkehr freigegeben sind, so dürfen Radfahrer hier nur mit Schrittgeschwindigkeit fahren und müssen besonders rücksichtsvoll gegenüber Fußgängern sein.

Kinder und Begleitung

Kinder bis zum vollendeten achten Lebensjahr müssen immer auf dem Gehweg oder einem baulich von der Fahrbahn abgetrennten Radweg fahren.

Bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr dürfen Kinder den Gehweg noch nutzen. Auch ein Begleiter, der mindestens 16 Jahre alt sein muss, darf auf dem Gehweg fahren. Auch hier gilt: Immer Rücksicht auf Fußgänger nehmen.

Einbahnstraßen

Wenn eine Einbahnstraße durch ein Zusatzschild für den Radverkehr freigegeben ist, müssen Autofahrer und andere motorisierte Verkehrsteilnehmer hier mit Radfahrern aus beiden Richtungen rechnen. Gibt es kein Schild, dürfen Radler nur in Fahrtrichtung fahren.

Zebrastreifen

An Zebrastreifen haben Fußgänger Vorrang gegenüber dem Fahrverkehr. Das gilt aber nicht für Radfahrer. Daher sollten Radfahrer absteigen und ihr Rad über den Zebrastreifen schieben.

Beleuchtung und Helm

Eine vorschriftsmäßige und funktionsfähige Fahrradbeleuchtung ist Pflicht. Außerdem wird zu heller und reflektierender Kleidung geraten. Eine Helmpflicht für Radfahrer gibt es in Deutschland nicht – das Tragen eines Helms wird aber dringend empfohlen, auch auf kurzen Strecken. uvd.de/radfahrer

156 Kilometer Radwege an Straßen

Das Radwegenetz an Bundes-, Landes- und Kreisstraßen im Landkreis Northeim ist laut des im Auftrag des Landkreises erarbeiten Radwegekonzeptes (2015) insgesamt 156 Kilometer lang. 100 Kilometer verlaufen entlang der Bundesstraßen, 25 an Landesstraßen und 31 an Kreisstraßen. Hinzu kommen noch zahlreiche Feld- und Wirtschaftswege, die als Radwege insbesondere für Touren und touristische Fahrten für Radler ausgeschildert sind. Ihre Gesamtlänge ist nicht erfasst.

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