Polizei verzeichnet Anstieg der Enkeltrick-Taten

Betrug am Telefon: Beim sogenannten Enkeltrick ergaunern die professionellen Täter bundesweit Millionenbeträge. Foto:  Archiv/nh

Northeim. Bei Anruf Betrug: Seit Jahren treiben professionelle Banden mit dem sogenannten Enkeltrick auch in der Region Northeim ihr Unwesen. Und das Problem wird größer.

Erst kürzlich konnten Betrüger in Einbeck von einer Rentnerin 69.000 Euro erbeuten. Und: Die Polizei registriert einen Anstieg bei den Versuchen, alte Menschen um ihr Geld zu bringen. Die wichtigsten Aspekte zum „Enkeltrick“ haben wir gemeinsam mit Dirk Schubert, Chef des Präventionsteams bei der Polizeiinspektion Northeim-Osterode, in Fragen und Antworten zusammengefasst.

Wie funktioniert der Trick?

Die Betrüger rufen Senioren an und geben sich als Enkel aus, der in finanziellen Nöten steckt. Nach der Zusage, dass die Senioren helfen wollen, teilt der falsche Enkel in der Regel mit, dass ein Freund das Geld abholen werde, weil er selbst verhindert sei.

Wie oft kommt es im Landkreis Northeim zu einem „vollendeten Enkeltrick“?

Laut Dirk Schubert seit 2012 im Schnitt zweimal pro Jahr. Aber wöchentlich melden sich Rentner bei der Polizei, weil Betrüger den Enkeltrick versucht haben. Schubert: „Das sind nicht viele Fälle, aber es entsteht immer ein hoher finanzieller Schaden.“

Gibt es beim Enkeltrick einen Anstieg zu verzeichnen?

Der Polizei werden immer mehr Versuche gemeldet, daher vermutet die Polizei auch, dass immer mehr ältere Menschen angerufen - und im schlimmsten Fall - betrogen werden. „Zum Glück zweifeln viele Senioren an der Geschichte am Telefon und bitten Familienmitglieder oder auch die Polizei um Hilfe, bevor sie zur Bank gehen“, sagt Schubert. Das sei genau richtig.

Wer steckt hinter der Betrügerbande?

Es handelt sich um eine riesige, hochprofessionelle Gruppe von Betrügern, die ihren „Sitz“ in Polen hat. Erst kürzlich wurde dort der „Kopf“ der Bande festgenommen. Allerdings, so Schubert, rücken in der straff durchorganisierten Bande sofort neue Köpfe nach.

Geht es bei den Betrügereien immer um den Enkeltrick?

Nein. Erst kürzlich haben sich Täter in Göttingen am Telefon als Polizeibeamte ausgegeben und mitgeteilt, dass bei der angerufenenen Person ein Einbruch oder Diebstahl geplant sei. Darum müssten Bargeld und Schmuck sofort von einem „Polizisten“ abgeholt und in Sicherheit gebracht werden. Dirk Schubert: „Das ist so perfide, dass die älteren Menschen das kaum noch durchschauen können.“

Warum kann man die Telefonnummern der Betrüger so schlecht zurückverfolgen?

Oft wird mit Handykarten ausländischer Anbieter telefoniert. Neuerdings benutzen die Betrüger zudem das sogenannte „Call IDSpoofing“. Damit taucht bei dem Angerufenen eine gefälschte Telefonnummer auf, bei einem Fall sogar die des Bundeskriminalamtes.

Wie kann die Polizei den Senioren im Vorfeld helfen?

Dirk Schubert und ein zweiter Kollege halten pro Jahr mindestens 20 Vorträge bei Seniorengruppen und -vereinen oder veröffentlichen Artikel in Seniorenzeitschriften zu dem Thema. Außerdem wurden die Mitarbeiter der hiesigen Geldinstitute entsprechend sensibilisiert.

Warum gelingt es den Betrügern trotzdem immer wieder, das Geld der alten Leute zu ergaunern?

Man dürfe nicht vergessen, dass es sich bei den Tätern um eine extrem professionelle Organisation handele, sagt Dirk Schubert. „Das sind absolute Profis.“

Wie erfährt die Polizei von den Betrügereien?

Nicht selten werde die Polizei gar nicht oder erst nach ein paar Tagen alarmiert, wenn die Angerufenen zum Beispiel mit Familienmitgliedern über den versuchten oder auch vollendeten Betrug am Telefon gesprochen haben. „Wir stellen leider auch oft fest, dass viele Opfer aus Scham lieber mit niemandem über den Vorfall reden.“

Ist der Enkeltrick eigentlich ein deutsches Problem?

Nein, die Polizei weiß inzwischen, dass alte Menschen in fast allen westeuropäischen Ländern davon betroffen sind. Die Täter stammen überwiegend aus Osteuropa.

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