Der Preisverfall schadet den kleineren und mittleren Milchbetrieben

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Immer niedrigere Preise schaden den Milchbauern: Der Preisverfall hat bereits vor dem Wegfall der Quote begonnen.

Northeim. Der Preisverfall der Milch verstärkt die Verdrängung kleinerer und mittlerer Milchviehbetriebe.

Wie der Geschäftsführer des Landvolk-Kreisverbandes Northeim-Osterode, Gerhard Rudolph, auf HNA-Anfrage sagte, haben in den vergangenen Monaten einige Betriebe in der Region das Handtuch geschmissen. Sie hätten für sich auf längere Sicht keine Perspektive mehr in der Milcherzeugung gesehen.

Der Preisverfall bei der Milch - seit einem halben Jahr erhalten die Landwirte nur noch rund 30 Cent pro Liter - ist nach Rudolphs Worten weniger auf den Wegfall der Quotenregelung bei der Milcherzeugung zurückzuführen als auf einen Milchüberschuss infolge von Exportproblemen. So sei Russland als Markt weggebrochen.

Vor einem Jahr zahlten die Molkereien noch rund 38 Cent pro Liter Milch an die Landwirte. Dieser Preis wird allgemein als kostendeckend angesehen.

Obwohl es keine Überschüsse und Lagerbestände gibt, hat der Handel die Situation ausgenutzt, allen voran die Discounter, kritisiert Rudolph. Bei Aldi kostet der Liter Milch nur noch 55 Cent.

„Davon kann keiner leben“, sagt auch der agrarpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Europaparlament, Martin Häusling, zum aktuellen Erzeugerpreis: „Milch ist Ramschware geworden, wesentlich billiger als Mineralwasser“.

Er geht davon aus, dass sich die Bedingungen für die Milchbauern noch verschlechtern, „denn die Milchmenge wird weiter ansteigen“. Ein ruinöser Wettbewerb sei die Folge. Dabei könnten bald nur noch Höfe bestehen, die zwischen 150 und 300 Milchkühen haben, wie es in Norddeutschland bereits oft der Fall sei.

Die Milchquote will trotzdem keiner zurück, meint der Europaabgeordnete. Er plädiert für einen freiwilligen Produktionsverzicht. Es sei notwendig, sich an einem runden Tisch zusammenzufinden, wenn sich „der Markt nicht kannibalisieren soll“.

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