Enge Zeitpläne, kaum Stellplätze und genervte Eltern

Busfahrer berichten über ihren Alltag: „Manche stoppen sogar die Zeit“

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Job mit Herausforderungen: Im Kreis Northeim sind täglich dutzende Busse, wie hier auf unserem Archivbild, unterwegs.

Die HNA-Berichterstattung zu Problemen im Busverkehr am Beispiel von Wiershausen hat in Busfahrerkreisen über die Region hinaus für viele Diskussionen gesorgt. Nun sprechen zwei Fahrer.

Die beiden Fahrer aus Südniedersachsen wollen nicht, dass ein „einzelnes schwarzes Schaf“ die Branche in ein solches Licht rückt. Im Gespräch mit der HNA berichten die Busfahrer, deren Namen und Herkunft wir aus Rücksicht auf ihr Anstellungsverhältnis nicht nennen, von Problemen, mit denen sie täglich zu kämpfen haben. „In manchen Orten werden wir permanent beobachtet.“

Kritik im Internet

Jede noch so kleine Verzögerung lande direkt bei Facebook oder es werde sich beschwert. „Manche stoppen sogar die Zeit“, sagt ein Fahrer. Die Busfahrer setzt das im ohnehin engen Zeitplan und bei den vielen Baustellen im ganzen südniedersächsischen Raum weiter unter Druck. „Wenn man wie jetzt während der Maisernte oder demnächst zur Rübenernte einen Trecker mit Anhänger vor sich hat oder die Müllabfuhr vor einem fährt, dann kann man nicht überholen“, erklärt ein Betroffener. Dadurch kann es zu einigen Minuten Verzögerung kommen.

Wenn die Fahrer die Schüler dann sicher und ohne gewagte Überholmanöver an ihre Haltestelle bringen, gibt es durchaus auch mal Ärger von Eltern. „Ein Vater hat mir mal Schläge angedroht“, sagt ein Fahrer. Am nächsten Tag sei er dann nochmals gekommen und habe sich entschuldigt.

Solche Vorfälle seien laut der Busfahrer aber die absolute Ausnahme. „Wenn man aber morgens, wenn die Tür aufgeht, schon mit einem lauten ‘Ey’ begrüßt wird, dann ist das einfach frech.“

Insgesamt sei die Bezahlung in der Branche gut, die Entlohnung sei immer wieder angepasst worden. Bei neuen Gebietsverteilungen steige aber auch die Arbeitsbelastung an. „Ich bin von morgens früh bis abends 20 Uhr unterwegs, komme nach Hause, gehe schlafen und fahre morgens wieder früh los“, sagt ein Fahrer. Er fährt, verglichen mit früher, rund 100 Kilometer mehr am Tag. Bei fahrplanbedingten Standzeiten werden diese in vielen Fällen nicht bezahlt.

Kaum Stellplätze

Und eine Herausforderung gibt es dann auch noch zum Feierabend. „Es wird immer schwerer, einen Platz zu finden, an dem man seinen Bus noch abstellen darf“, betont ein Fahrer. Seiner Meinung nach sollte jede Gemeinde einen Busparkplatz für den öffentlichen Personen-Nahverkehr vorhalten. Busse werden aber häufig zu unliebsamen Gästen, die von ihren Stellplätzen vertrieben werden.

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