Projekt Reanimation: Schüler übten Ersten Hilfe

Mit kräftig Druck: Malteser-Ausbildungsleiter Maik Adler (von links) bringt Schüler Jannis Wiekenberg vom Gymnasium Corvinianum die Herz-Lungen-Wiederbelebung an der Übungspuppe bei. Die Schulsanitäter Steve Lukas und Tabea Herbst sowie Dr. Roy Kühne helfen bei der Ausbildung der Gymnasiasten. Foto: Leissa

Northeim. Herz-Druck-Massagen können im Ernstfall Leben retten. Wie es geht, das haben Schüler des Northeimer Gymnasiums Corvinianum in einer besonderen Unterrichtsstunde gelernt.

„Es geht darum, den Schülern die Angst vor dem ersten Schritt zu nehmen“, sagte Dr. Roy Kühne im großen Forum des Gymnasiums Corvinianum. Der CDU-Politiker und Sporttherapeut war 15 Jahre lang Rettungsschwimmer. Im Rahmen des Projekts „Ein Leben retten. 100 Pro Reanimation“ informierte er Schüler und Schulsanitäter über die Bedeutung der Ersten Hilfe.

„Jedes Jahr erleiden 100 000 Menschen in Deutschland einen Herzstillstand“, so Kühne. Nur zehn Prozent überlebten, weil in den ersten zehn Minuten häufig keine Erste Hilfe geleistet wird. Im Gymnasium Corvinianum lernten die Schüler deshalb, wie man sich in einer Notfallsituation verhält. Mit Unterstützung ihrer 15 Mitschüler, die sich ehrenamtlich als Schulsanitäter engagieren, übten die Schüler der Klasse 9a die Herz-Druck-Massage.

An drei Übungspuppen, die Kühne der Schule spendete, durfte jeder Schüler unter Anleitung die wichtige Erste-Hilfe-Maßnahme trainieren. Bei einem tatsächlichen Herzstillstand sei ein fester Druck auf den Brustkorb nötig, erklärte Maik Adler von den Maltesern in Göttingen.

Zur Simulation gibt die Puppe ein Zeichen, sobald das Brustbein tief genug nach unten gedrückt wird. Das soll den Schülern das Gefühl für die ideale Drucktiefe vermitteln. „Viele wissen nicht, wie es geht, machen bei einem Notfall lieber gar nichts“, erklärte Kühne. Zu groß sei die Angst, bei der Wiederbelebung etwas falsch zu machen.

Das sei fatal, sagte Maik Adler. Etwa 40 Prozent der Menschen, die von Ersthelfern wiederbelebt würden, überlebten. Bei den Fällen, in denen der Betroffene auf die Hilfe des Rettungsdienstes warten musste, sei die Zahl sehr viel geringer. Sekundärschäden, wie zum Beispiel gebrochene Rippen durch zu feste Massagen, sollten nicht von der Ersten Hilfe abhalten, meint Adler: „Es gibt nur einen Fehler bei der Ersten Hilfe, und der ist, keine zu leisten. Selbst die schlechteste Reanimation ist besser als gar keine.“

Das Gymnasium Corvinianum bildet seit fünf Jahren in Kooperation mit dem Malteser-Hilfsdienst Göttingen Schüler zu Schulsanitätern aus. Die Schüler engagieren sich in ihrer Freizeit als Sanitäter, erhalten jährlich Aus- und Fortbildungen durch die Malteser Göttingen. Unter den Schulsanitätern streben später viele Berufe in der Medizin und im Rettungsdienst an.

Im Jahr 2014 wurde das Gymnasium Corvinianum unter den zehn besten Schulsanitätsdiensten bundesweit gelistet. Im Rahmen des Projekts „100 Pro Reanimation“ besucht Roy Kühne auch Schulen in Northeim, Osterode und Goslar.

Hintergrund: Leben retten in drei Schritten

Bei einem Herzstillstand kann die Herz-Druck-Massage Leben retten. Sie hilft, den Blutkreislauf zu erhalten und den verbliebenen Sauerstoff im Körper zu verteilen. Wenn eine Person bewusstlos zusammenbricht, sind drei Schritte wichtig:

1. Prüfen: Man prüft die Vitalfunktionen des Bewusstlosen. Atmet er noch? Ist er ansprechbar, wenn man an seiner Schulter rüttelt?

2. Rufen: Nach der Kontrolle der Vitalfunktionen ruft man den Notarzt unter 112 an oder veranlasst eine andere Person zum Notruf.

3. Drücken: Den Handballen auf den frei gemachten Brustkorb des Bewusstlosen legen, die andere Hand darüber schließen. Das Brustbein bei der Massage circa fünf Zentimeter nach unten drücken. Nicht weniger als 100 Mal pro Minute drücken und solange weitermachen, bis Hilfe eingetroffen ist.

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