Mann aus Northeim wurde wegen Betrugs verurteilt

Drei Tage Filmriss, 52.500 Euro futsch - und der Porsche durfte auch nicht verkauft werden

Espenau / Northeim. Ein Porsche, der widerrechtlich verkauft wurde, ein seltsamer Filmriss und fehlende 52.500 Euro - das sind die Eckdaten eines Prozesses in Kassel.

Während diesem wurde ein 45 Jahre alter Mann aus Northeim wegen Betruges zu einer Geldstrafe von 1800 Euro, zahlbar an das SOS-Kinderdorf, verurteilt. Das Verfahren vor dem Kasseler Amtsgericht wurde eingestellt.

Auch das Verfahren gegen seine ebenfalls angeklagte frühere Lebenspartnerin wurde eingestellt. Amtsrichterin Hahn glaubte der Aussage ihres Anwalts, dass seine Mandantin mit dem dubiosen Verkauf eines Porsche Panamera nichts zu schaffen hatte.

Tatsächlich aufklären konnte die Richterin das dubiose Geschehen am Dienstag nicht, zeigte sich aber wenig überzeugt von der Vollständigkeit der Geschichte, die ihr da erzählt wurde.

Danach waren der Angeklagte und seine heute 36-jährige Partnerin Anfang Juli 2013 bei einem auf luxuriöse Autos spezialisierten Autohaus in Espenau (Landkreis Kassel) vorstellig geworden, angeblich ohne den konkreten Plan, den Porsche der Frau zu verkaufen.

Der 45-Jährige („Ich habe immer teuere Autos gefahren“) hatte gerade seinen BMW geschrottet, 60.000 Euro von der Versicherung in Aussicht aber Probleme, die Mehrwertsteuer erstattet zu bekommen.

Wenige Tage später kehrte er ohne die Frau, aber mit dem Porsche nach Espenau zurück. Er wurde mit dem ihm von vielen früheren Autokäufen bekannten Verkaufsleiter handelseinig und erhielt 52.500 Euro in bar für den Porsche ausgehändigt. Der freilich gehört ihm gar nicht, sondern der Frau. Der Wagen war über Kredite finanziert, der Fahrzeugbrief lag im Banktresor. Ein Mitarbeiter brachte den Mann zum Hauptbahnhof, er besuchte eine Disco – und wachte nach einem dreitägigen Filmriss am Bahnhof Wilhelmshöhe wieder auf. Das Geld war weg und ist bis heute verschwunden.

Den Gedächtnisverlust erklärte der Angeklagte mit seiner Diabetes. Der Verkaufsleiter des inzwischen pleite gegangenen Autohauses in Espenau erklärte das ungewöhnliche Geschäftsgebaren, so viel Geld ohne den Fahrzeugbrief auszuhändigen, mit der langen Bekanntschaft mit dem Angeklagten. Besonderes Interesse an der Strafverfolgung zeigte er nicht. Der Schaden wird jetzt zivilrechtliche aufgearbeitet.

Die Frau musste Privatinsolvenz anmelden und stottert ihre Schulden seit zweieinhalb Jahren ab.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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