Beschuldigungen des Opfers stimmten nicht

Prozess vor dem Amtsgericht Northeim: Die Erpressung war gar keine

+

Eine überraschende Wendung hat ein Prozess genommen, der am Donnerstag vor dem Amtsgericht Northeim stattfand. 

Er endete mit einem Freispruch für den 25-jährigen Angeklagten, dem vorgeworfen wurde, einen 21-Jährigen räuberisch erpresst zu haben. Die Vorwürfe gegen den 25-Jährigen wogen schwer: Vor zwei Jahren solle er das vermeintliche Opfer, einen jungen Mann aus Dransfeld, dazu gedrängt haben, einen Handyvertrag abzuschließen, um das darin enthaltene Smartphone anschließend selbst weiterzuverkaufen. 

Dem 21-Jährigen habe er mit Schlägen gedroht, sollte dieser nicht mit ihm nach Hause fahren, bei ihm übernachten und am nächsten Tag den Vertrag abschließen. Dabei habe er ihn am Arm gepackt und zu einem wartenden Fahrzeug gezogen. Aus Angst sei der 21-Jährige allen Forderungen nachgekommen und habe am Ende einen Handyvertrag abgeschlossen. Das 700 Euro teure Smartphone habe sich der Angeklagte direkt danach aushändigen lassen und an eine 40-Jährige verkauft.

Er habe das vermeintliche Opfer weder „bedroht“ noch „gezwungen“, beteuerte der Angeklagte. Im Gegenteil, das „Opfer“ und er hätten einen „netten Abend“ bei ihm zu Hause verbracht, „gechillt“, „gegessen“ und „gechattet“. Die Idee mit dem Handyvertrag sei in beiderseitigem Einverständnis vereinbart worden. Ungewollt legte der Angeklagte damit bereits nach zehn Minuten ein Geständnis ab.

Das vermeintliche Opfer wurde in den Zeugenstand gerufen und mit Fragen zu der vermeintlichen Erpressung gelöchert. Der verstrickte sich in teils widersprüchliche Aussagen – und allmählich wurde klar: Gewaltandrohungen hat es nie gegeben. Viel mehr hat der 21-Jährige offenbar aus freien Stücken heraus den Vertrag abgeschlossen, um sich selbst zu bereichern. 

Bestätigt wurde das von der 40-Jährigen, die das Smartphone den beiden jungen Männern auf der Straße abgekauft hat. „Ja, ich will das Handy verkaufen, weil ich Geld brauche“, habe ihr der 21-Jährige versichert. Die Staatsanwältin forderte daraufhin den Freispruch des Angeklagten. Der Richter kam dem in seinem Urteil nach – wies den Angeklagten aber darauf hin, dass der zumindest wegen Anstiftung zum Betrug noch mit juristischen Konsequenzen zu rechnen habe.

Für das vermeintliche Opfer dagegen hat er eine ganz andere Überraschung: Ihm sattelte er wegen mehrmaliger Falschaussagen die gesamten Prozesskosten sowie die Auslagen des Angeklagten auf – rund 1500 Euro, schätzt die Staatsanwaltschaft.

Der 21-Jährige ist damit noch recht glimpflich davon gekommen. Bei einer Falschaussage droht normalerweise eine Freiheitsstrafe von mindestens drei Monaten.  

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.