36-Jähriger soll in der Psychiatrie untergebracht werden

Prozess um Brandstiftung: Angeklagter soll aus Wut Brand in Northeimer Mietshaus gelegt haben

ARCHIV - 25.01.2011, Niedersachsen, Hannover: Die Statue Justitia ist im Amtsgericht Hannover zu sehen. (zu dpa "Politik ohne Respekt vor der Justiz? Fall Sami A. löst Debatte aus" vom 16.08.2018) Foto: Peter Steffen/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit
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Rund fünf Monate nach einer Brandstiftung hat vor dem Landgericht Göttingen der Prozess gegen einen damaligen Mieter des Neun-Parteien-Wohnhauses begonnen

Göttingen  /Northeim – Rund fünf Monate nach einer Brandstiftung in einem Mehrfamilienhaus in der Northeimer Tschaikowskistraße hat am Freitag vor dem Landgericht Göttingen der Prozess gegen einen damaligen Mieter des Neun-Parteien-Wohnhauses begonnen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 36-Jährigen unter anderem schwere Brandstiftung und gefährliche Körperverletzung vor. Bei dem Brand im November 2019 hatten zwei Bewohner eine Rauchgasvergiftung erlitten und mussten stationär behandelt werden. Durch das Feuer wurde das Haus unbewohnbar. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft beläuft sich der Schaden auf rund 300 000 Euro.

Feuerwehrleute hatten damals noch während der Löscharbeiten den Angeklagten im Garten auf der Rückseite des Gebäudes angetroffen.

Nach Angaben der Polizei hatte sich der 36-Jährige, nachdem er mutmaßlich das Feuer in seiner Erdgeschosswohnung gelegt hatte, vermutlich über einen Balkon im Hochparterre ins Freie gerettet.

Als Feuerwehrleute den 36-Jährigen ansprachen, flüchtete er zunächst. Wenig später nahmen ihn Polizeibeamte fest. Der Haftrichter am Amtsgericht Northeim erließ gegen ihn einen Unterbringungsbefehl. Der Angeklagte ist derzeit vorläufig im Maßregelvollzugszentrum Moringen untergebracht.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte zur Tatzeit vermindert schuldfähig war. Da von ihm auch in Zukunft weitere erhebliche Taten zu erwarten seien und dieser somit eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle, strebt die Strafverfolgungsbehörde seine weitere Unterbringung in der Psychiatrie an.

Laut Anklage solls der 36-Jährige aus Wut gehandelt haben. Am Tatabend habe er in seiner Wohnung zunächst sämtliche Brandmelder deaktiviert, dann mehrere Spraydosen entzündet und Kleidungsstücke in Brand gesetzt.

Außerdem habe er zahlreiche Teelichter angezündet. Dadurch habe sich in seiner Wohnung ein Vollbrand entwickelt.

Da aufgrund der starken Rauchentwicklung das Treppenhaus verqualmt war, waren die Fluchtwege nicht passierbar. Die Feuerwehr brachte zwei Hausbewohner mit einer Drehleiter in Sicherheit. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, billigend in Kauf genommen zu haben, dass das Haus zerstört und Bewohner gefährdet und verletzt werden könnten.

Nach Angaben des Verteidigers wird sein Mandant keine Angaben zur Sache machen. Zuvor hatte der Anwalt noch vor Verlesung der Anklage den Antrag gestellt, die Öffentlichkeit von der Verhandlung auszuschließen.

Das Gericht lehnte diesen Antrag ab. Der Prozess wird übernächste Woche fortgesetzt.

Im Kreis Northeim ist ein Bungalow in Flammen aufgegangen. Drei Personen sind bei dem Brand verletzt worden - eine davon schwer.

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