Konzept zur Förderung des Radverkehrs steht noch aus

Radeln in Northeim ist gefährlich

Für Radfahrer gefährlich: Die Wilhelmstraße in Northeim ist eine viel befahrene Durchgangsstraße in Northeim und Teil des Innenstadtrings. Einen Radweg gibt es hier nicht. Könnten hier aufgemalte Schutzstreifen kurzfristig helfen?
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Für Radfahrer gefährlich: Die Wilhelmstraße in Northeim. Einen Radweg gibt es hier nicht.

Radfahrer haben es in Northeim nach wie vor schwer, gefahrlos von A nach B zu kommen. Radwege entlang städtischer Straßen sind Mangelware.

Northeim - Die Situation ist schon seit langem bekannt, und das, obwohl Bürgermeister Simon Hartmann schon im September 2018 eine Fahrrad-Offensive versprochen hatte.

Passiert ist seitdem wenig, kritisiert auch der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC). Dessen Vorsitzender, Meinolf Ziebarth, sieht wenig Fortschritte im Bereich Radverkehr in Northeim. Vorschläge des ADFC, wie die Ausweisung des Stadtmauerrings als Fahrradstraße mit Öffnung für Radler in beide Fahrtrichtungen seien abgebügelt, andere Ideen von Planern oder auch der SPD nicht weiterverfolgt worden.

Meinolf Ziebarth

Dass in den vergangenen drei Jahren gar nichts passiert sei, sieht Northeims Bürgermeister Simon Hartmann indessen anders. Er verweist auf die Erneuerung der Radwege entlang der Rhume, die Einführung von Tempo-30-Zonen in Teilen der Südstadt und die aktuelle Anbringung von Trixi-Spiegeln an Northeimer Kreuzungen zur Vermeidung des toten Winkels für Fahrer von abbiegenden Lkw.

Aber Hartmann räumt ein, dass es mit der Fahrrad-Offensive, deren Ankündigung 2018 eng mit geplanten Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes gekoppelt gewesen sei, nicht so geklappt habe. Er führt unter anderem Änderungen in der personellen Besetzung in der Verwaltung als Grund an. Diese hätten auch andere Schwerpunktsetzungen mit sich gebracht.

Dies soll sich aber ändern, so Hartmann. So plane man, sobald es Corona zulasse, eine Verkehrsschau zum Thema Optimierung der Radwege mit dem ADFC, der Polizei, der Landesbehörde für Straßenbau sowie der Stadt. Zudem soll es einen Runden Tisch Radverkehr mit örtlichen Beteiligten geben.

Dabei könnte auch der Vorschlag aus der Teilaktualisierung des Verkehrsentwicklungsplans von 2019 wieder aufgegriffen werden: Die Einrichtung einer Fahrradstraße auf dem Straßenzug Teichstraße/Hans-Holbein-Straße zur Verbesserung der Erreichbarkeit der Innenstadt aus Süden. Die Stadtbuslinie sei schon aus der Teichstraße auf die Wallstraße verlegt worden.

Könnte eine Fahrradstraße werden: die Teichstraße in Northeim.

Das ist eine Fahrradstraße

Fahrradstraßen sind dem Fahrradverkehr sowie E-Bikes (Pedelecs) und E-Scootern vorbehalten. Sie dürfen aber von Autos mit benutzt werden, wenn ein Zusatzschild es erlaubt. Häufig wird der Verkehr anderer Fahrzeuge nur in einer Fahrtrichtung erlaubt. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt für alle 30 km/h. Radfahrer haben auf Fahrradstraßen das Recht, nebeneinander zu fahren. Kraftfahrer müssen langsam fahren, um eine Behinderung von Radfahrern zu vermeiden. 

Stadt setzt auf Verkehrsschau

Mehr zu den Vorstellungen der Verwaltung in Sachen Optimierung des Radverkehrs hier in ihren Antworten auf Fragen der HNA:

Kommt in Northeim ein Radwegeschnellnetz (im Gespräch war unter anderem als Pilotprojekt die Ausweisung der Teichstraße als Fahrradstraße) und wie sieht das aus?

Dieser Vorschlag stammt aus der Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplanes, die das Büro Dr. Schubert für die Stadt entwickelt hat. In Anlehnung daran und die Erschließung des ehemaligen Krankenhausgeländes mit dem öffentlichen Personennahverkehr wurde die Stadtbuslinie bereits von der Teichstraße in die Wallstraße verlegt. Darüber hinaus sind zwei Haltestellen barrierefrei ausgebaut worden. Die Bewertung und Festlegung, welche weiteren Maßnahmen im Radwegenetz getroffen werden, soll bei einer für dieses Jahr vorgesehenen Verkehrsschau für die Radwege in Northeim eruiert werden.

Was ist mit modernen Abstellanlagen für Räder in Northeim?

Moderne Abstellanlagen für Fahrräder sind aus Sicht der Stadt Northeim insbesondere an Haltepunkten des Öffentlichen Verkehrs sinnvoll. Auf städtischen Grund befinden sich am Bahnhof sowie an der Stadthalle bereits zwei, so die Verwaltung. Weiter seien bislang nicht geplant. Fahrradständer, beispielsweise in der Innenstadt, werden ergänzend durch Private aufgestellt. Hierbei handele es sich um Sondernutzungen, die der Genehmigung durch die Stadt bedürfen.

Wie sieht es mit Mitnahmemöglichkeiten von Rädern in Linienbussen aus – gab es da schon Gespräche?

Schon seit längerer Zeit werden auch Fahrräder in den Stadtbussen mitbefördert. Dies könne sich jedoch nur auf Einzelfälle beschränken, sagt die Stadt. Eine Abstellung sei nur im Bereich des hinteren Ausstiegs möglich und nur, wenn nicht andere Nutzungen wie das Abstellen von Kinderwagen oder Rollatoren dem entgegenstehen. Fahrradtransporte in größeren Mengen seien nicht möglich, da dies in der Regel nur mit einem separaten Anhänger möglich ist. Ein solcher sei beim örtlichen Busunternehmen derzeit aber nicht im Bestand.

Es gibt etliche gefährliche Straßen für Radfahrer in Northeim, darunter die Wilhelm-/Friedrichstraße. Gibt es die Möglichkeit, schnell durch Aufmalungen etwas zu bewirken?

„Aufgemalte Radwege oder sogenannte Schutzstreifen dürfen nicht nur eine trügerische Sicherheit bieten“, sagt die Stadt dazu und scheint dem eher ablehnend gegenüberzustehen. Sie verweist jedoch auf die vorgesehene Verkehrsschau. Diese solle die Thematik mit den Beteiligten erörtern.
Der in der Frage genannte Straßenzug sei Teil des Innenstadtringes zwischen den Bundesstraßen 3 und 241. Dessen Zustand ist laut Stadtverwaltung „unterdurchschnittlich“. Bei einem möglichen Ausbau der Straßen sollte die Anordnung von Radwegen im Straßenquerschnitt geprüft und eventuell umgesetzt werden, so die Stadtverwaltung.

Auch Kleinigkeiten sind wirksam. Was ist mit Haltegriffen für Radler an Ampeln?

Die Installation von Haltegriffen werde umfassend geprüft, da die Auswirkungen auf alle Verkehrsteilnehmenden, darunter auch auf Menschen mit Mobilitätseinschränkungen abzuklären sind, sagt die Stadt. Dabei sollen auch auf Erkenntnisse einer modellhaften Installation von Haltebügeln zurückgegriffen werden.

Was ist für dieses Jahr geplant in Northeim zur Verbesserung der Situation für die Radfahrer?

Die Stadt Northeim habe verschiedene Punkte im Stadtgebiet identifiziert, an denen in diesem Jahr nach und nach sogenannte Trixi-Spiegel zum Schutz der Radfahrer installiert werden. Die ersten würden in Kürze in Betrieb genommen. Ebenfalls für dieses Jahr geplant sei die Schließung der Lücke des Radweges nach Hammenstedt (HNA berichtete).

Was ist als Haushaltsansatz vorgesehen zur Optimierung des Radverkehrs?

Neben den vorgenannten Maßnahmen sind nach Auskunft der Stadt im Jahr 2021 keine gesonderten Haushaltsmittel vorgesehen. Der Haushalt für 2022 befinde sich in Aufstellung.

Was ist mit einer generellen Öffnung von Einbahnstraßen in Northeim in die verkehrte Richtung für Radfahrer?

Alle Einbahnstraßen sind laut Stadtverwaltung unter Einbeziehung der Polizei daraufhin geprüft worden. Freigegeben wurden danach die Straßen Klostergarten, Hinter der Kapelle und die Mühlenstraße.
Neuerdings kann auch die Breite Straße Ost (ehemals reine Fußgängerzone und jetzt für den Verkehr in Richtung Schaupenstiel geöffnet) entgegengesetzt von Radfahrern befahren werden.
Generell, so die Stadt weiter, gebe es aber feste Regeln, um das Fahren entgegengesetzt einer Einbahnstraße für Radfahrer zuzulassen.So sollte die Höchstgeschwindigkeit maximal 30 km/h betragen, die Breite mindestens 3,50 Meter aufweisen und die Straße eine übersichtliche Streckenlänge und eine geringe Verkehrsbelastung aufweisen.

(Axel Gödecke)

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