Ziel: 50.000 Kilometer gehen und eine Million Unterschriften sammeln

Er läuft 30.000 Kilometer gegen Kindesmissbrauch - Seit 14 Jahren unterwegs

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Macht sich für härtere Gesetze gegen Kinderschänder stark: Rainer Hoffmann (55) und sein „Wohnmobil“ bei seiner rast am Kiosk am Northeimer Mühlenanger.

Northeim. Seit über 14 Jahren ist Rainer Hoffmann als Vagabund und zugleich Protestler auf Tour. 29 500 Kilometer hat er seitdem erlaufen, quer durch die Republik und ganz Europa.

Dabei hat der 55-Jährige eine Mission: Er sammelt Unterschriften zur Verschärfung der Gesetze gegen Kinderschänder. Gestern machte er in Northeim Station.

Kurz bevor der gebürtige Hamburger auf der Reeperbahn am 1. April 2004 aufbrach, war in seinem Bekanntenkreis ein achtjähriges Kind sexuell missbraucht worden. „Der Täter kam mit Bewährung davon. Das geht gar nicht“, erzählt er. Der Vorfall ließ den gelernten Orthopädie-Schuhmacher nicht los. Er hängte den Job an den Nagel, baute sich einen Planwagen und zog los.

800 000 Unterschriften

30 000 Kilometer erwandern und eine Million Unterschriften sammeln, hatte sich der Mann mit Rauschebart und Zottelhaar zum Ziel gesetzt. Während er die Strecke nun beinahe beisammen hat, fehlen ihm an den Unterschriften durchaus noch ein paar. Immerhin: 800 000 hat er schon beisammen. Die und möglichst noch mehr will er bis zur Bundestagswahl im Herbst 2017 zur Kanzlerin nach Berlin bringen.

Dabei ist Rainer, wie ihn seine Freunde nennen dürfen, rigoros in seinen Forderungen: „Wiederholungstäter müssen für immer weggesperrt werden“, sagt er mit lauter, rauer Stimme und scheut sich nicht, Passanten anzusprechen und sie – vielleicht für viele etwas zu barsch – zum Mitmarschieren aufzufordern.

Bislang hat ihn, den Obdachlosen, niemand begleiten wollen, auch die vielen Bürgermeister oder Polizisten nicht, bei denen er vorstellig wurde. Von vielen hat er allerdings Bestätigungsschreiben über seine Kilometerleistung und gute Wünsche erhalten, so auch von Einbecks Bürgermeister Sabine Michalek. Northeims Verwaltungschef ließ ihn allerdings abblitzen, erzählt er verärgert beim Bierchen am Kiosk am Mühlenanger, wo er mit seinem 160 Kilogramm schweren Wagen, den er selbst zieht und in dem er auch schläft, Rast einlegte.

Prominente Unterstützer

Doch es freut ihn, dass er auch Zuspruch bekommt: Sechs Ordner mit Schreiben und Zeitungsartikeln hat er im Wagen dabei. „Helge Schneider, Udo Lindenberg, Helmut Kohl, DJ Bobo, Tony Marschall und Henry Maske haben schon unterschrieben“, erzählt er stolz.

Nicht unerwähnt lässt er, dass er es mit Muskelkraft mit seinem 160 Kilogramm schweren „Wohnmobil“ sogar auf die Zugspitze und den Brocken geschafft hat. Auch den Jakobsweg hat er, der im Monat nach eigenen Angaben nur 70 Euro zum Leben benötigt, erwandert. In der ganzen Zeit hat er 29, zumeist von Feuerwehren gesponserte paar Stiefel durchgelaufen.

Bis zu Putin

„Wenn sich an der Gesetzgebung nichts ändert, laufe ich weiter,“ sagt Hoffmann. „Dann mache ich die 50 000 Kilometer voll und laufe bis zu Putin“. Zunächst zieht es ihn allerdings über Göttingen nach Eschwege, wo er Schlagerstar GG. Anderson besuchen will.

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