Anhebung um 60 Prozent zunächst vom Tisch

Restmüllgebühren im Landkreis Northeim werden steigen

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Restmüllabholung: Die Gebühren im Landkreis Northeim, die zuletzt 2017 für Privathaushalte um 14,2 Prozent gesenkt worden waren, sollen im kommenden Jahr deutlich teurer werden.

Northeim – 60-Prozent-Erhöhung auf Eis gelegt: Auf die Bürger des Landkreises Northeim kommt eine Anhebung der Müllgebühren zu. Wie hoch sie sein wird und wann dies sein wird, bleibt nach der Sitzung des Ausschusses für Kreisabfallwirtschaft aber vorerst offen.

„Wir sind froh, dass jetzt alles noch einmal überdacht wird“, sagte Ausschussvorsitzender Werner Thiele (CDU) nach der Sitzung im Schulungszentrum der Kreisfeuerwehr in Northeim, nachdem das Gremium das Vorhaben zunächst verschoben hat.

Im Raum stand eine Erhöhung von rund 60 Prozent beispielsweise für einen Vier-Personen-Haushalt bei 14-tägiger Leerung. „Das ist ein kräftiger Schluck aus der Pulle“, sagte Thiele, der über die Entwicklung alles andere als glücklich ist und gerade zu sauer wird, wenn es um die ganzen Gründe geht, die mit auf die Gebühren einwirken.

Werner Thiele, CDU-Kreistagsmitglied

An erster Stelle stehen die Pläne des Abfallzweckverbandes Südniedersachsen, der von den Landkreisen Northeim und Göttingen sowie der Stadt Göttingen getragen wird. Er möchte die Behandlung von Abfällen in seiner zentralen Anlage in Deiderode von Nass- auf Trockenvergärung umstellen.

Ursprünglich war das Bauvorhaben mit rund sieben Millionen Euro taxiert worden. Inzwischen hat sich die Kalkulation auf rund 21 Millionen Euro verdreifacht. Insider sprechen inzwischen sogar schon von 26 Millionen Euro. Thiele: „Da müssen wir die Reißleine ziehen. Das können wir nicht auf die Gebührenzahler umlegen.“ Er sagte, die Umstellung sei ursprünglich mitgetragen worden, weil sie bei Kosten von sieben Millionen Euro „nur“ drei Millionen Euro mehr benötigt hätte, als eine mit vier Millionen Euro veranschlagte Reparatur der Nassvergärungsanlage. „Diese Kosten hätten wir schnell wieder reinbekommen.“

Der Widerstand zeigt jetzt einen ersten Erfolg. Der Geschäftsführer des Abfallzweckverbandes, Markus Rybarczyk, sagte vor dem Ausschuss, es sollen jetzt noch Alternativen geprüft werden.

Nach wie vor behält sich der Ausschuss aber auch weitere Optionen offen. Die härteste Maßnahme, die im Raum steht, ist, dass der Landkreis Northeim den Abfallzweckverband verlässt und die Abfallentsorgung komplett wieder in die eigenen Hände nimmt.

Markus Rybarczyk, Zweckverbandsgeschäftsführer

Die Kritik am Abfallzweckverband entzündet sich noch an einer weiteren „Baustelle“. Er hat offenbar versäumt, eine Umsatzsteuerbefreiung zu beantragen, die aufgrund einer Gesetzesänderung im Jahr 2016 erforderlich gewesen sei. Die Folge: jährliche Mehrkosten von rund 500 000 Euro, die ebenfalls auf die Gebührenzahler umgelegt werden müssten.

Insgesamt beziffert die Kreisabfallwirtschaft den für das Wirtschaftsjahr 2020 zu erwartenden Verlust auf 3,57 Millionen Euro. Dazu trägt unter anderem ein Erlöseinbruch beim Altpapier-Verkauf bei, der mit wenigstens 750 000 Euro zu Buche schlagen solle. Die Kreisverwaltung, nennt als Ursache für den Preisfall, dass kaum noch Altpapier aus Deutschland nach Asien exportiert wird. 

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