TÜV und Feuerwehr mahnen zum Gebrauch

Rettungskarte hilft bei schweren Unfällen - aber wenige Autofahrer nutzen sie

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Wenn jeder Moment zählt: Einsatzkräfte der Feuerwehr entfernen das Dach eines Autos - hier bei einer Übung in Echte.

Northeim. Wenn es schwere Unfälle gibt, stehen Rettungskräfte unter Zeitdruck. Innerhalb einer Stunde sollte der Patient im Krankenhaus sein. Damit das klappt, kann jeder mithelfen.

Die Herausforderungen für Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst bei schweren Verkehrsunfällen werden immer größer: Autos werden stabiler gebaut und die Zahl der Fahrzeuge mit alternativen Antrieben wächst. Mehr Sicherheit und eine schnellere Rettung versprechen Rettungskarten – doch nur die wenigsten nutzen sie.

„Nicht alle Fahrzeuge sind baugleich. Dort, wo verstärkte Metalle verbaut sind, können Schere und Spreizer nicht effektiv eingesetzt werden“, betont Stephan Kistner, Leiter der Tüv-Station Northeim. Ein falscher Werkzeugeinsatz koste so nicht nur Zeit, sondern bedeute für die Retter auch große Gefahren. „Bei Elektro-Fahrzeugen besteht die Gefahr von Stromschlägen, bei Gasfahrzeugen kann Gas austreten“, erklärt Kreisbrandmeister Bernd Kühle. Dies habe zur Folge, dass Unfälle auch ohne eingeklemmte Personen eigentlich gar nicht mehr ohne Beteiligung der Feuerwehr abgewickelt werden können. „Die Lageerkundung dauert deutlich länger als früher, man braucht immer auch Wärmebildkamera und Gasdetektoren“, so der Kreisbrandmeister.

Video einer Übung: So läuft die Rettung aus einem Auto

Damit die Rettung dennoch schnell ablaufen kann, gibt es bereits seit Jahren von Autoherstellern sogenannte Rettungskarten. In ihnen sind für die Retter wichtige Punkte wie Batterien, Gasgeneratoren für Airbags, verstärkte Holme oder auch der Fahrzeugtank eingezeichnet. So ist durch farbige Unterlegungen schnell sichtbar, wo Gefahren lauern und wo ein Fahrzeug mit Schere und Spreizer geöffnet werden kann.

Feuerwehr und Tüv raten deshalb dringend, die Rettungskarten in Farbe auszudrucken und unter der Sonnenblende zu platzieren. Aus Erfahrung haben das bislang jedoch nur wenige Fahrer gemacht. Damit die Retter wissen, dass eine Karte vorhanden ist, gibt es kostenlos Aufkleber an den Tüv-Stationen.

Aufkleber gibt entscheidenden Hinweis

Die Rettungskarten für sämtliche Fahrzeuge gibt es unter anderem beim Tüv unter www.tuev-nord.de oder auch über den ADAC sowie den jeweiligen Fahrzeugherstellern. Wer es noch kann, soll laut Kreisbrandmeister Bernd Kühle schon beim Notruf oder beim Eintreffen der Rettungskräfte darauf hinweisen, dass es sich um ein Fahrzeug mit alternativem Antrieb handelt oder, auch bei allen anderen Fahrzeugen, dass eine Rettungskarte vorhanden ist. Laut Tüv sollten sich Autofahrer, die beispielsweise ein nachgerüstetes Gasfahrzeug fahren, für eine Rettungskarte an den Nachrüstbetrieb wenden. Die Aufkleber mit Hinweis auf eine Rettungskarte sollen laut Tüv gut sichtbar von innen an der Windschutzscheibe außerhalb des Sichtbereichs des Fahrers platziert werden. (kmn)

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