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Rumann-Schatz für das Northeimer Stadtarchiv

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Von: Axel Gödecke

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Königliche Urkunden, Gläser, Siegelringe aus dem Nachlass von Dr. Tilo Rumann sind jetzt im Stadtarchiv Northeim zu finden. Stadtarchivar Dr. Stefan Teuber (links) und Historiker Markus Jaeger zeigen einige Stücke.
Königliche Urkunden, Gläser, Siegelringe aus dem Nachlass von Dr. Tilo Rumann sind jetzt im Stadtarchiv Northeim zu finden. Stadtarchivar Dr. Stefan Teuber (links) und Historiker Markus Jaeger zeigen einige Stücke. © Gödecke, Axel

Die Familie des 2020 verstorbenen Northeimers Dr. Tilo Rumann hat der Stadt Northeim eine wertvolle Schenkung aus dem Nachlass des Kommunalpolitikers zukommen lassen.

Northeim – Mittelalterliche Königsurkunden und Lehensbriefe, Siegelringe aus Gold und Messing, wertvolle Öl-Gemälde und Bücher aus dem 16. Jahrhundert: Nicht nur für Historiker dürfte der Nachlass, den die Familie des 2020 verstorbenen, langjährigen Ratsmitgliedes Dr. Tilo Rumann, jetzt der Stadt Northeim vermacht hat, ein Schatz erster Güte sein.

Wertvolle Gegenstände aus dem Nachlass von Dr. Tilo Rumann, darunter Siegelringen, Gläser und mittelalterliche Urkunden.
Wertvolle Gegenstände aus dem Nachlass von Dr. Tilo Rumann, darunter Siegelringen, Gläser und mittelalterliche Urkunden. © Gödecke, Axel

Einer ersten, allerdings nur überschlägig vorgenommenen Expertise von Mitarbeitern aus dem Northeimer Stadtarchiv zufolge haben die Dinge aus dem Besitz der seit Jahrhunderten in Northeim und der ganzen Region Südniedersachsen ansässigen Familie Rumann einen Wert von über 55 000 Euro.

In 60 Kartons: Der Nachlass von Dr. Tilo Rumann im Stadtarchiv. Er wird hier präsentiert von Archivmitarbeiter Darko Pfeiffer.
In 60 Kartons: Der Nachlass von Dr. Tilo Rumann im Stadtarchiv Northeim. Er wird hier präsentiert von Archivmitarbeiter Darko Pfeiffer. © Axel Gödecke

Untergebracht ist der kleine Rumann-Schatz, den der Kinderarzt und langjährige Ratsherr Dr. Tilo Rumann selbst zusammengetragen und schon teilweise katalogisiert hatte, jetzt im Northeimer Stadtarchiv im Untergeschoss des Northeimer Rathauses.

Archivleiter Dr. Stefan Teuber und sein Team, darunter der wissenschaftliche Archivmitarbeiter und Historiker Markus Jaeger, hatten alle Hände voll zu tun, um die aus mehreren Jahrhunderten zusammengetragenen Gegenstände, Dokumente, Schmuckstücke und Bilder zu sichten, zu sortieren, weiter zu katalogisieren und ins Computersystem des Stadtarchivs einzupflegen.

Anna Maria Rumann (1664-1706), Frau von Hildebrand Levin.
Anna Maria Rumann (1664-1706), Frau von Hildebrand Levin. © Axel Gödecke
Das Öl-Gemälde zeigt Hildebrand Levin Rumann (1653-1708).
Das Öl-Gemälde zeigt den Northeimer Hildebrand Levin Rumann (1653-1708). © Axel Gödecke

Zwei Monate war allein Jaeger mit dem Rumann-Nachlass beschäftigt. Ermessen könne man die Fülle schon daran, dass 60 Kartons voller Familien- und Stadtgeschichte mit historischen Fotografien, Fotoglasplatten, Büchern und insgesamt über 40 Gemälden im Klein- und durchaus auch im Mittelformat zu sichten waren, so Jaeger.

Eher Handfestes im Nachlass bilden Goldsiegelringe, Petschafte (eine Art Stempel zum Erstellen von Wachssiegeln), Matritzen, antike Gläser mit dem Rumann-Wappen, hergestellt 1765 in der Fürstlichen Glashütte Altmünden, ein Lithografie-Stein sowie zahlreiche ärztliche Gerätschaften aus dem 19. Jahrhundert. Den Höhepunkt des Nachlasses bilden laut Stadtarchivar Dr. Teuber jedoch die fast 110 mittelalterlichen Lehensbriefe, Teilungs- und andere Urkunden, mit denen Räte, Herzöge, Kurfürsten, Landgrafen (auch derer von Hardenberg) und sogar Könige überwiegend Ländereien als Lehen an die Rumannsche Familie öffentlich und rechtswirksam machten.

Jede für sich dürfte bei Sammlern begehrt sein, meinen Stadtarchivar Teuber und Historiker Jaeger, und taxieren die meist mit großen Wachssiegeln versehenen Dokumente, die bis ins Jahr 1528 zurückgehen, auf mehrere 100 Euro pro Stück.

Königliche Urkunden

Am wertvollsten, so Dr. Teuber, dürften sicherlich die beiden königlichen Lehensbriefe von Georg II., König von Großbritannien und Kurfürst von Hannover, aus dem Jahr 1735 mit eigenhändiger Unterschrift und Siegel sein.

In dem einen Brief geht es um eine Landvergabe bei Hetjershausen (nahe Göttingen), in dem anderen Schreiben aus dem Jahre 1826, ebenfalls mit einem Siegel versehen, um die Vergabe von zwei Hufen Land bei Langenholtensen.

Auch sieben andere, königliche Lehensbriefe von Georg IV. gibt es im Rumann-Nachlass. Den Stückpreis einer solchen königlichen Urkunde mit unversehrtem Siegel schätzt Dr. Teuber auf 500 bis 800 Euro, vielleicht sogar mehr. Sie sind bei Sammlern beliebt und erzielen bei Auktionen häufig gute Preise.

Die Stadt Northeim habe natürlich nicht vor, die Stücke abzugeben, betont Dr. Teuber, sondern will sie im Stadtarchiv sorgsam einlagern und für die Wissenschaft oder interessierten Laien zugänglich machen.

Die Familie Rumann gehörte in Northeim und ganz Südniedersachsen seit dem Mittelalter zu den einflussreichsten Familien. Seit 1430 waren Mitglieder der Familie im Northeimer Ratsgremium und als Bürgermeister tätig.

Dr. Tilo Rumann war über vier Jahrzehnte im Stadtrat

Der im Juni 2020 im Alter von 81 Jahren verstorbene Northeimer Kinderarzt Dr. Tilo Rumann stand ganz in dieser Tradition und war über Jahrzehnte in führenden Positionen Mitglied des Northeimer Stadtrats. Von 1974 bis 2006 gehörte er der CDU-Ratsfraktion an, Fraktionschef war er von 1981 bis 2001. Das Amt des 2. stellvertretenden Northeimer Bürgermeisters bekleidete er von 2001 bis 2006. Von 2006 bis 2016 war er Ratsmitglied für die Wählergemeinschaft „Bürger für Northeim“. 2014 wurde er mit der Ehrenurkunde des Städtetages ausgezeichnet, 1999 erhielt er die Verdiensturkunde des Städtetages und 1987 den Wappenteller der Stadt Northeim.

Dr. Tilo Rumann † 2020
Dr. Tilo Rumann † 2020 © Hubert Jelinek

Zudem engagierte sich Rumann in der Arbeitsgemeinschaft Südniedersächsische Heimatforschung, leitete die Fachgruppe Familienforschung und verfasste viele Beiträge. Mit seiner eigenen Familiengeschichte hat er sich als Herausgeber und Verfasser der Monografien „Denkwürdige Nachrichten aus dem Geschlecht der Rumänner“ und „200 Jahre Göttinger Geschichte von 1700 bis 1900 im Hausbuch von Cuno Rumann dem Älteren“ wissenschaftlich beschäftigt.

Info: Für Schüler und Studenten sowie die Forschung ist die Nutzung des Northeimer Stadtarchivs nach Vorankündigung kostenfrei. Für private Nutzungen werden jedoch Gebühren erhoben; Stadtarchiv: Tel. 05551/ 96 62 85 (Axel Gödecke)

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