Konflikte zwischen Auto- und Radfahrern

Schnelle E-Bikes sorgen für Verwirrung in Northeim

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Radwege sind tabu: Mit seinem S-Pedelec darf Heimo Hebel nicht auf dem Radweg fahren. Wenn er aber vorschriftsmäßig auf der Straße fährt, wird er immer wieder von Autofahrern angepöbelt, die das nicht wissen. Auch seine Frau Katharina, die ebenfalls begeisterte S-Pedelec-Fahrerin ist, hat schon mehrfach diese Erfahrung gemacht.

Northeim. Eine besondere Form der E-Bikes, nämlich die so genannten bis zu 45 Stundenkilometer schnellen S-Pedelcs, sorgen immer wieder für Verwirrung bei Autofahrern.

Der Gesetzgeber hat diese Räder, die auf den ersten Blick wie ein normales Fahrrad aussehen, als Leichkrafträder eingestuft. Das bedeutet, dass sie nicht nur innerorts, sondern auch außerhalb geschlossener Ortschaften grundsätzlich auf der Straße gefahren werden müssen.

„S-Pedelec-Fahrer dürfen auch dann nicht den Radfahrweg benutzen, wenn er für Mofas freigegeben ist“, sagt Peter Schliep, Sachbearbeiter Verkehr bei der Polizei in Northeim auf HNA-Anfrage. „Mofafahrer hingegen können Radwege benutzen, müssen das aber nicht.“

Für Radfahrer gelte außerhalb von Ortschaften grundsätzlich eine Pflicht zur Nutzung von Radwegen, ergänzt Schliep und betont: „Das gilt übrigens auch für Rennradfahrer. Ausnahmen sind nur möglich, wenn der Radweg offensichtlich Schäden aufweist, die das Befahren mit einem Rennrad unmöglich machen.“

Konflikte zwischen Auto- und Radfahrern kämen aufgrund dieser recht verwirrenden gesetzlichen Regelung immer wieder vor, weiß Schliep zu berichten. Das können Heimo und Katharina Hebel aus Gladebeck bestätigen.

„Ich bin selbst natürlich auch Autofahrer und weiß, dass es manchmal nervig sein kann, wenn man einen langsamen Fahrradfahrer vor sich hat, wenn nebenan ein Radfahrweg zur Verfügung steht“, sagt Heimo Heber. „Wir müssen aber auf der Straße fahren, weil wir keine normalen Fahrräder haben, was ja schon an den Nummernschildern zu sehen ist.“

Dennoch komme es immer wieder vor, dass Autofahrer in Unkenntnis der gesetzlichen Regelungen ausfallend werden oder allein durch aggressive und riskante Überholmanöver ihren Ärger zum Ausdruck bringen, weil sie unter Umständen auch die Geschwindigkeit des vor ihnen fahrenden Radlers unterschätzen.

„Dass man innerorts mit einem S-Pedelec nicht auf dem Radfahrweg fahren soll, kann ich verstehen“, sagt Heimo Heber. „Da gibt es viel zu viele Einfahrten, als dass man dort mit Tempo 45 fahren kann.“ Seiner Ansicht nach könnten aber viele gefährliche Situationen auf den Straßen vermieden werden, wenn der Gesetzgeber das Befahren von Radwegen an Überlandstraßen mit S-Pedelecs gestatten würde - selbstverständlich nur auf übersichtlichen Strecken, wo die Gefährdung anderer Radfahrer ausgeschlossen sei.

„Im Moment hat man das Gefühl, dass da irgendwo am grünen Tisch überstürzt entschieden wurde, eine völlig neue Fahrtzeuggattung für den Verkehr zuzulassen, ohne sich vorher darüber Gedanken zu machen, wie und wo diese genutzt werden soll.“

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