Schnitz-Fachschüler modellieren Figuren für die Northeimer Innenstadt

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Fasziniert: Petra Ropeter aus Settmarshausen (zweite von links) und ihre Gäste aus Dresden schauten zu, wie Julia Nowak und Lukas Ott die Styrodur-Platten für die Figur der Regentrude zusammenklebten. Mit einem Fön wird die Austrocknungsdauer des Klebers verkürzt.

Northeim. Die Skulpturenwerkstatt am Northeimer Theater der Nacht hat ihre Arbeit begonnen. 14 Studierende von der Schnitz-Fachschule in Berchtesgaden werden bis zum 21. Mai mindestens sechs Figuren erstellen, die an verschiedenen Orten in Northeim dauerhaft aufgestellt werden.

Die KSN-Stiftung finanziert das Projekt, das zustande gekommen ist, weil Theaterdirektor Heiko Brockhausen mit seiner alten Ausbildungsstätte Kontakt aufnahm. „Vor dem, was Heiko seit dem Studium geschaffen hat, muss man gleich mehrere Hüte ziehen“, sagte Fachlehrer Hannes Stellner, der die Arbeit begleitet.

Im dritten Studienjahr müssen die Schüler eine besondere Aufgabe bewältigen, aber nicht jeder Jahrgang bekommt die Gelegenheit, etwas zu erschaffen, das im öffentlichen Raum stehen soll, erzählten Julia Nowak und Lukas Ott. Die Gestaltung der Figuren wurde von der ganzen Gruppe erarbeitet.

Kunststoffkern

Hausherr Heiko Brockhausen schilderte das Verfahren. Zunächst wird auf der Grundlage von Papierschablonen ein Korpus aus Styrodur-Platten erstellt. Die robusten und druckfesten grob zugeschnittenen Platten werden mit Zwei-Komponenten-Kleber aneinander geleimt. Die Austrocknungsdauer von 24 Stunden wird mit Hilfe von Fönen verkürzt.

Beim Kleben muss sorgfältig gearbeitet werden, so dass nicht einzelne Teile oder Ecken abspringen, wenn mit einer Kettensäge die Form herausgearbeitet wird. Es folgt die Aufbringung von vier Schichten: Spezialbeton, der mit Alkali-beständigen Glasfasern armiert ist; eine Schicht Beton zum Modellieren und Formgeben; wieder eine Schicht zugfester Spezialbeton; schließlich eine Feinputzschicht.

Die letzte Schicht kann mit Pigmenten eingefärbt werden. Schon am ersten Tag wurden Farbproben gemischt. Einzelne Details können auf Hochglanz geschliffen werden, aber ob und welche kann man erst an der fertigen Figur entscheiden, schloss Brockhausen seinen Schnelldurchgang des Herstellungsprozesses.

Stellner betonte die vielfältigen Lernaspekte des Northeimer Projektes. Zum einen arbeiten die Schüler mit einem anderen Material als das übliche Holz. Zum anderen lernen sie den Prozess eines von Sponsoren geförderten Kunst-Projektes vom ersten Gespräch mit den Geldgebern an kennen. Der Schulalltag wird aufgebrochen, und die Schüler werden in kurzer Zeit erwachsener, so der Fachlehrer. Sie lernen auch zu organisieren und einen Zeitplan einzuhalten.

Täglich Zuschauen möglich

Die Arbeiten der Skulpturenwerkstatt in den Zelten neben dem Theater der Nacht, Obere Straße in Northeim, kann man werktags von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 verfolgen. Die erste der sechs Figuren soll am 20. Mai im Beisein der jungen Künstler in der Innenstadt aufgestellt werden. (zäl)

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