Diskussion um muslimischen Fastenmonat Ramadan

Schulleiter im Landkreis Northeim: Fastende Schüler sind kein Problem

Northeim. Durch Fasten während des Ramadan geschwächte muslimische Kinder sind in Schulen im Landkreis Northeim kaum ein Problem. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der HNA an einigen Schulen in Northeim, Moringen und Uslar.

So sagte Markus Hohmeister, Schulleiter der Kooperativen Gesamtschule Moringen:„Das sind wirklich Einzelfälle, nicht einmal fünf in den vergangenen Jahren.“ Betroffen gewesen seien muslimische Schüler von Klasse 7 an aufwärts. Bisher habe die Schule keinen Grund gesehen, deswegen aktiv zu werden.

„Wir versuchen Überzeugungsarbeit zu leisten“, sagte Alexandra Meyer, Leiterin der in der Südstadt gelegenen Northeimer Astrid-Lindgren-Grundschule. Die Eltern sollten darauf achten, dass ihre Kinder durch das Fasten nicht zu sehr geschwächt werden. Nach ihren Worten nehmen nur ein bis zwei muslimische Grundschüler jedes Jahr den Ramadan so ernst, dass sie konsequent fasten. Andere probierten es mal für einen ganzen oder einen halben Tag aus. An heißen Tagen habe Meyer aber schon Schüler früher nach Hause geschickt. Sie hätten nicht getrunken und seien deshalb zu schlapp für den Unterricht gewesen.

Schüler, die wegen Fastens Probleme hatte, gab es an der Thomas-Mann-Schule in Northeim noch nicht. Aber, so Schulleiterin Anika Müller-Wüstefeld, die Sportlehrer achteten bei Schülern, die streng fasten, darauf, dass diese die Leistung etwas herunterfahren.

In den vergangenen Jahren seien einige muslimische Schüler fastenbedingt mittags schon ein wenig k. o. gewesen, wenn es warm war, berichtet der Schulleiter der Sollingschule Uslar,Jürgen Nolte. Es habe auch schon muslimische Schüler gegeben, die neu in Deutschland waren und gedacht haben, dass sie während des Ramadans auch nicht zur Schule müssten. Im Sportunterricht nehme man zum Beispiel Rücksicht auf fastende Schüler. 

An der Grundschule in Uslar hat sich der Ramadan nach den Worten von Schulleiter Lars Woppowa noch nicht im Schulalltag bemerkbar gemacht. Die Kinder im Grundschulalter seien wohl nicht so sehr davon betroffen. 

Der Fastenmonat der Muslime hat am vergangenen Mittwoch begonnen. Das war für den Deutschen Lehrerverband und Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) Anlass darauf hinzuweisen, dass zu striktes Fasten für Schüler negative Folgen haben könne. 

Und auch der Northeimer AfD-Bundestagsabgeordnete Jens Kestner sieht im muslimischen Fasten eine „akute Gefährdung des Kindeswohls“. Die christliche Nächstenliebe gebiete es, hier umgehend einzugreifen, sagte Kestner. Die AfD fordere für Schulen, wo „Kinder Gefahr laufen, wegen Entkräftung von den Stühlen zu kippen“, eine spezielle Schulspeisung einzuführen

 

Rubriklistenbild: © epa Ali Ali/ dpa

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