Kassenärztliche Vereinigung widerspricht Bundesgesundheitsminister Spahn

Schutzausrüstungen sind in den Arztpraxen im Landkreis Northeim  Mangelware

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Northeim – In den Praxen der niedergelassenen Ärzte im Landkreis Northeim sind die Schutzausrüstungen knapp – oder gar nicht mehr vorhanden.

Schon vor einer Woche, als Dr. Wolfgang Boldt als Vorsitzender des Northeimer Ärztevereins seine Kollegen abgefragt hat, wie sie in ihren Praxen mit Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel ausgestattet sind, hatten die meisten Praxen geantwortet, dass sie nur wenig oder gar nichts mehr haben.

Laut Boldt habe die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) den Ärzten zugesagt, dass sie für jeden bestätigten Corona-Fall in ihrer Praxis zwei Schutzausrüstungen erhalten. Boldt selbst, der gerade einen bestätigten Corona-Fall in seiner Praxis hatte, habe das auch „pflichtbewusst“ der KVN mitgeteilt.

Dr. Wolfgang Boldt, Vorsitzender des Ärztevereins Northeim

Ob die Ausrüstung tatsächlich kommt, weiß er aber nicht: Die KVN habe nämlich auch geschrieben, dass man keine Zusage machen könne, ob die beiden Schutzausrüstungen auch ausgeliefert werden können.

Erst vor wenigen Tagen hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in einer E-Mail an alle niedergelassenen Ärzte auch im Landkreis Northeim mitgeteilt, dass die Bundesregierung große Mengen an Schutzausrüstung für die Praxen beschafft habe, die nun über die Kassenärztlichen Vereinigungen an die Mediziner verteilt werden sollen.

Doch scheinbar sieht die Realität ganz anders aus: Der HNA liegt ein Schreiben der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) an die Praxen vor, in dem es heißt: „Ein großer Engpass ist aktuell neben den Testkapazitäten die Verfügbarkeit von Schutzmaterial. Auch wenn insbesondere von der Bundesebene berichtet wird, dass Schutzmaterial vorhanden sei, entspricht dies nicht der Realität“.

Bislang habe die KVN, so heißt es weiter, nur sehr wenig Schutzbekleidung aus der Bestellung des Bundesgesundheitsministeriums erhalten. Dies reiche nicht einmal, um die Testzentren auszustatten. Daher sollten die Ärzte dafür Verständnis haben, dass zunächst nur die Testzentren und die Praxen, die es am dringendsten nötig hätten, mit Schutzmaterial ausgestattet werden.

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