Schwimmmeister werden zu Mangelware

Northeim. Der Bundesverband Deutscher Schwimmmeister schlägt Alarm: In den Bädern fehlen deutschlandweit aktuell 2500 Fachkräfte. Wie sieht es in den Bädern im Landkreis Northeim aus? Wir haben nachgefragt.

Ohne qualifizierte Aufsicht ist der Betrieb eines Freibades aber nicht erlaubt. Ein Grund, warum zum Beispiel Freibäder im Harz im vorigen Jahr gar nicht erst geöffnet werden durften.

Im Northeimer Bergbad gibt es einen hauptamtlichen Schwimmmeister, der unter anderem unterstützt wird von Mitarbeitern des DLRG-Ortsvereins Moringen. „Wenn wir einen Engpass haben, bitten wir auch mal in anderen Kommunen um Unterstützung oder fragen bei den Stadtwerken nach, ob die Kapazitäten haben“, sagt Bürgermeister Hans-Erich Tannhäuser. Bestreben der Stadt sei es, das Bergbad immer offen zu halten: „Wir sind da aber auch gut aufgestellt“.

Eine klare Linie vertritt Tannhäuser in Sachen Badestrand am Northeimer Freizeitsee: „Hier ist das Baden nicht nur höchst gefährlich, sondern auch verboten.“ Zwar gebe es dort Mitarbeiter der DLRG, die seien aber für die See- und nicht für die Badeaufsicht zuständig. „Sie kommen nur zum Einsatz, wenn Angler oder Segler Probleme haben“, so Tannhäuser. „Baden erfolgt am Freizeitsee auf eigene Gefahr.“

Das von einem Förderverein betriebene  Freibad Sudheim hat dagegen jetzt schon Probleme bei der Badeaufsicht: Fünf junge Rettungsschwimmer, die gerade die entsprechenden Lehrgänge absolviert haben, stünden zwar zur Verfügung. Doch schon jetzt gebe es Zeiten, in denen niemand ins Wasser darf, weil keine Aufsicht da ist, sagt Tanja Fritsch, Vorsitzende des Freibad-Fördervereins. Der Freibad-Förderverein in Sudheim hat laut Tanja Fritsch in der Vergangenheit mehrfach Stellenanzeigen für Fachpersonal in Zeitungen und im Internet geschaltet - bislang ohne Erfolg.

Mit Beginn der Sommerferien, wenn das Sudheimer Bad täglich von 11 bis 19 Uhr geöffnet hat, könnten die Probleme sogar noch größer werden, so Fritsch. Doch für die Fördervereins-Vorsitzende ist eines klar: „Wenn keine qualifizierte Schwimmaufsicht im Freibad ist, darf bei uns niemand ins Wasser. Die Verantwortung kann und will ich nicht übernehmen.“

Sie hofft, dass sich kurzfristig noch eine dauerhafte Lösung findet - Interessenten können sich unter Tel. 05551 / 1412 direkt im Freibad melden.

Rettungsschwimmer

„Im  Freibad Hardegsen ist immer für Sicherheit gesorgt“, sagt Jutta Klages, bei der Stadt Hardegsen zuständig für den Freibadbetrieb. Ein festangestellter Schwimmmeister ist von Ende April bis September rund um die Uhr für das Freibad da, die restliche Zeit des Jahres arbeitet er auf dem Bauhof der Stadt. „Wenn unser Schwimmmeister mal ausfällt, können wir zum Glück auf Rettungsschwimmer des Hardegser Sportvereins und auf die Fachkräfte der DLRG Moringen zurückgreifen“, so Klages.

„Wir sind gut aufgestellt“, heißt es auch in Moringen: Frank Breithaupt, Allgemeiner Vertreter der Moringer Bürgermeisterin, räumt ein, dass die Stadt bis vor zwei Jahren „erhebliche Probleme“ mit der Badeaufsicht im Freibad Moringen hatte und nur unter großem Aufwand durchgängig den Schwimmbetrieb aufrechterhalten konnte.

Doch mit der Schließung des  Uslarer Hallenbades wechselte ein Schwimmmeister von dort zur Stadt Moringen. Außerdem gebe es beim Bauhof eine weitere Fachkraft für Bäderbetriebe.

„Das klappt hier inzwischen echt gut. Wir sind gut aufgestellt“, so Breithaupt. An den Wochenenden helfen zusätzlich Mitarbeiter der DLRG aus.

Im Freibad Bodenfelde sorgt Schwimmmeisterin Carmen Seybold, Fachangestellte für Bäderbetriebe, nach eigenen Worten seit zwei Jahren „von Muttertag bis Anfang September“ für die Sicherheit im Bad. Unterstützung erhalte sie an heißen Tagen und an den Wochenenden von Rettungschwimmern der DLRG Bodenfelde. „Bei uns ist noch kein Badetag wegen fehlender Aufsicht ausgefallen“, sagt sie stolz.

Im Waldschwimmbad Düderode sorgt ebenfalls ein hauptamtlicher Schwimmmeister für Sicherheit und Ordnung, berichtet Burkhard Holland, bei der Gemeinde Kalefeld zuständig für Personal. Er wird unterstützt von Rettungsschwimmern der DLRG.

Holland ist froh, dass es bisher keine größeren Probleme gab, weiß aber auch, dass sich das schnell ändern kann: „Wir wissen, dass das Thema qualifizierte Schwimmaufsicht in Zukunft immer problematischer wird.“ Für ihn ist klar: „Gibt es keine Aufsicht, wird auch nicht gebadet.“

Rubriklistenbild: © Schaffner/Archiv

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