Hochwasser im Landkreis Northeim

Serie Hochwasserschutz (1): Überschwemmungen nicht vollständig zu verhindern

Hochwasserrückhaltebecken Salzderhelden: Auf einer Fläche von zehn Quadratkilometern können bis zu 37,4 Millionen Kubikmeter Wasser eingestaut werden. Das Bild zeigt den Einstau im Januar 2018.
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Hochwasserrückhaltebecken Salzderhelden: Auf einer Fläche von zehn Quadratkilometern können bis zu 37,4 Millionen Kubikmeter Wasser eingestaut werden. Das Bild zeigt den Einstau im Januar 2018.

Ist der Landkreis Northeim im Falle eines Falles auf starke Überschwemmungen vorbereitet? - Dazu haben sich nun die Bürgermeister der Städte und Gemeinden, der Leineverband sowie der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) geäußert.

Landkreis Northeim So extremer Regen, wie er vor drei Wochen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zu einer Flutkatastrophe geführt hat, hätte auch in Südniedersachsen zu massiven Überschwemmungen geführt. Darin sind sich die Bürgermeister der Städte und Gemeinden, der Leineverband sowie der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) einig.

Der Leineverband, der für die Unterhaltung der Leine und seiner Zuflüsse zuständig ist, sieht die größten Gefahren an den Nebengewässern der Leine. Nach den Worten von Geschäftsführer Jens Schatz können ihre Wasserstände bei lokalem Starkregen extrem ansteigen. Die Vorwarnzeiten für solche Ereignisse seien extrem kurz.

Was genau bei einer Regenmenge von 200 Litern pro Quadratmeter passiert, die innerhalb weniger Stunden niedergeht, an Weser, Leine und Rhume, lässt sich nach den Worten des NLWKN-Sprechers Carsten Lippe nicht genau vorhersagen.

Hochwasser im Landkreis: Die Northeimer Rhumedeiche sind angelegt, um einem 100-jährigen Hochwasser standzuhalten.

Wie stark eine Flutwelle ausfalle, hänge von mehreren Faktoren ab, unter anderem von der Art des Niederschlags (Stark- oder Dauerregen) und der Feuchte des Bodens, erklärt er. Je feuchter der Boden ist, umso weniger Wasser kann er aufnehmen und die Hochwasser fallen extremer aus.

Ein Niederschlagsereignis wie in Westdeutschland bringe eine größere Wassermenge als ein Hochwasser, das statistisch nur alle 100 Jahre eintritt. Die Northeimer Rhumedeiche sind angelegt, um einem 100-jährigen Hochwasser standzuhalten.

Das Hochwasserrückhaltebecken Salzderhelden ist nach seinen Worten allein kaum groß genug, um solche Regenmengen aufzunehmen. Seien extreme Niederschläge vorhergesagt, werde aber im Vorfeld aus den Harztalsperren verstärkt Wasser abgegeben, um dort zusätzlichen Stauraum zu schaffen.

Hochwasser im Landkreis Northeim: Rückhaltebecken kam 1998 an seine Grenzen

Nach den Worten von Jens Schatz vom Leineverband ist zur Hochwasserreduzierung die Schaffung zusätzlicher Retentionsräume (Überschwemmungsflächen) und die Wiederherstellung natürlicher Bachläufe sinnvoll, um die Fließwege zu verlängern. Dies sei aber nur zulasten land- und forstwirtschaftlicher Flächen möglich.

Dafür müssten Entschädigungen gezahlt werden, was entsprechenden politischen Willen voraussetze. Er rät, bei der Bauleitplanung die Retentionsräume nicht zu vergessen. Neubaugebiete sollten nicht zu nah an Gewässern entstehen.

Beim Hochwasser im Juli 2017 – in zwei Tagen waren 120 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen – war das Hochwasserrückhaltebecken mit 24 Millionen Kubikmeter (m3) Wasser zu zwei Drittel gefüllt (Volleinstau 37,4 Millionen m3). Im Juni 2013 wurden 31 Millionen m3 eingestaut, im November 1998 sogar 34 Millionen m3. Damals musste die Abgabe aus dem Becken auf 300 m3/ Sekunde gesteigert werden. Ab mehr als 70 m3/Sekunde tritt die Leine laut NLWKN über die Ufer.

Die Serie Hochwasser wird bis kommenden Samstag (21.08.21) um jeweils 9 Uhr fortgesetzt. (Olaf Weiss)

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