Restaurierung geplant

Sixti-Fenster: Glasmalereien sind die ältesten in Norddeutschland

Staunen über die Feinheiten: Glas-Restauratorin Nicole Sterzing vor einem Fensterteil, das die Geißelung Christi zeigt. Fotos: Gödecke

Northeim. Wenn 2016 die Innenrenovierung der St.-Sixti-Kirche in Northeim beginnt, sollen auch diewertvollen Glasmalereien restauriert und konserviert werden.

Die Experten sind begeistert vom hohen künstlerischen Rang der Arbeiten: Die mittelalterlichen Glasmalereien in St. Sixti sind die ältesten überhaupt in Niedersachsen und gehören zu den bedeutendsten in Deutschland.

Die Bedeutung der Malereien auf den mundgeblasenen Originalgläsern wird vom Landesamt für Denkmalschutz als so bedeutend angesehen, dass dieses den Hauptteil der Kosten für die mehrere 100.000 Euro teure Restaurierung tragen wird.

Gutachten 

Im Vorfeld der Maßnahme fertigt jetzt Diplom-Restauratorin Nicole Sterzing ein Gutachten über den Fensterzustand an. Es bildet einen Teil von mehreren Vorarbeiten, die im Vorfeld der Restaurierung notwendig sind. 65.000 Euro kosten allein schon das Gutachten sowie mehrmonatige Klimamessungen im Kirchenraum und an den Fenstern eines Weimarer Ingenieurbüros für Bauwerkserhaltung. Die Sensoren zur Messung von Temperatur und Luftfeuchte wurden am Donnerstag im Kirchenraum, an den Wänden und Fenstern bereits angebracht.

Bezahlt werden die Vorarbeiten, für die ein Teil der Fenster eingerüstet wurde, vom Landesamt für Denkmalschutz (43.000 Euro), vom Förderverein St. Sixti, der Gemeinde und dem Kirchenkreisamt (je 6800 Euro) sowie vom Kunstreferat der Landeskirche (2300 Euro).

Restaurator Kim Kappes vom Landesamt für Denkmalpflege Hannover und Gutachterin Nicole Sterzing, selbstständige Glas-Restauratorin, sind bei der Betrachtung aus nächster Nähe fasziniert von den Malereien, die nach ihren Worten aus der Zeit zwischen 1460 und 1478 stammen.

Nur im Ulmer Münster

Eingerüstet: Die Kirchenfenster von St. Sixti, davor von links Dr. Christian Steigertahl (Kirchenvorstandsvorsitzender), Kim Kappes (Landesamt für Denkmalspflege), Nicole Sterzing (Restauratorin), Rainer Schwenn (Kirchenvorstand), Dirk Habermalz (Kirchengemeinde) und Christine Hahn (Küsterin).

Schon vor dreieinhalb Jahren hatte Dr. Elena Kozina vom Forschungszentrum für mittelalterliche Glasmalerei Freiburg die Fenster näher unter die Lupe genommen und darauf hingewiesen, dass die vier jeweils neun Scheiben umfassenden Szenen aus dem Passions-Zyklus Christi zu den bedeutendsten Werken der Monumentalmalerei dieser Zeit im Norddeutschen Raum gehören. Ähnliche Beispiele gebe es sonst in Deutschland nur in Kirchenbauten besonderen Ranges, wie im Ulmer Münster, in der Wallfahrtskirche Bad Wilsnak oder in der Münchner Frauenkirche.

Die Original-Malereien waren früher in den Sixti-Chorfenstern zu finden und wurden später in die vier Langfenster auf der Sixti-Nordseite umgesetzt. Unten und oben sind sie von Glasornamenten jüngeren Datums (Ende des 19. Jahrhunderts) eingefasst.

„Starten soll die Fenstersanierung zusammen mit der Kirchen-Innenrenovierung im Frühjahr 2016“, sagt Kirchenvorstandsvorsitzender Dr. Christian Steigertahl. Er hofft, bis dahin genügend Geld zusammen zu haben. Die Innenrenovierung wird etwa eine Million Euro kosten.

Von Axel Gödecke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.