Früher Medienkonsum als mögliche Ursache 

Sprachstörungen bei Kindern nehmen zu

Die Zahl der diagnostizierten Entwicklungsstörungen bei Kindern ist in den vergangenen zehn Jahren um 26,5 Prozent gestiegen. Das geht aus dem Heilmittelbericht des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor.

Über 82 Prozent der Entwicklungsstörungen betreffen die Sprech- und Sprachentwicklung, die somit auf Platz eins liegen.

Diese Entwicklung spiegelt sich auch im Landkreis Northeim wieder. Auch hier wurde bei den Schuleingangsuntersuchungen ein Anstieg beobachtet, teilte die Pressestelle des Landkreises mit.

Als Grund dafür vermuten die Gesundheitsdienste im Landkreis einen frühen Medienkonsum, der die aktive Sprachentwicklung der Kinder nicht unterstütze. 

„Ein Kind erlernt Sprache nur, wenn es selbst mit anderen spricht“, teilen sie mit. Wichtig sei es daher, schon im Säuglingsalter viel mit dem Kind zu sprechen.

Der Anstieg könne möglicherweise auch mit der Zunahme von Kindern mit Migrationshintergrund zusammenhängen. „Im Landkreis Northeim wachsen 26 Prozent der Kinder im Jahr der Einschulung mehrsprachig auf“, teilt die Pressestelle des Landkreises mit, „sie zeigen häufiger noch leichte Auffälligkeiten im Bereich von Grammatik und Wortschatz“. 

Im Landkreis Northeim wurde im Einschulungsjahr 2018 vier Prozent der Kinder eine weiterführende Diagnostik, also eine weitere Untersuchung beim Spezialisten, geraten, 18 Prozent der Kinder erhielten bereits Logopädie und 27 Prozent der Kinder wiesen leichte Auffälligkeiten auf, teilen die Gesundheitsdienste mit.

Für Kindergartenkinder besteht im Landkreis die Möglichkeit, an einer freiwilligen Entwicklungsüberprüfung im Rahmen der Kindergartenuntersuchung teilzunehmen. Die Sensibilität, frühzeitig Entwicklungsstörungen zu erkennen, werde hierdurch erhöht. 

Durch ein frühes Erkennen des Förderbedarfs könnten Eltern frühzeitig beraten und Fördermöglichkeiten eingesetzt werden.

Zahl der Heilmittelverordnungen nimmt ab

Trotz der steigenden Zahl der festgestellten Entwicklungsstörungen nimmt die Zahl der Heilmittelverordnungen laut der AOK stetig ab. Bekamen zwischen 2011 und 2015 noch 17,9 Prozent der Kinder mit Entwicklungsstörungen zwischen fünf und sieben Jahren eine Heilmitteltherapie, so waren es 2017 16,9 Prozent. 

Der prozentuale Rückgang beträgt zwar nur ein Prozent, allerdings ist die absolute Zahl der Entwicklungsstörungen im selben Zeitraum gestiegen. 

Kommentar: Ursachen sind komplexer

Kinder verlernen zu sprechen und verblöden sowieso immer mehr. Daran soll natürlich der Medienkonsum schuld sein. Mit dieser eindimensionalen Begründung macht man es sich aber zu einfach. 

Es spielen auch weitere Faktoren wie die Berufstätigkeit beider Eltern, die bei steigenden Lebenshaltungskosten auf zwei Gehälter angewiesen sind, oder auch die Anforderungen an Schüler und die höhere Sensibilität für Entwicklungsstörungen sicherlich eine Rolle. 

Zudem kommt es auch darauf an, welche Medien die Kinder konsumieren. Es gibt durchaus ein Angebot an Lernspielen oder Fernsehsendungen, bei denen Kinder etwas lernen. 

Wie bei allem kommt es auch auf die Dosierung an. Oft würde es schon reichen, wenn Familien einmal am Tag eine gemeinsame Mahlzeit zu sich nehmen, ohne das die Smartphones mit auf dem Tisch liegen oder der Fernseher läuft.

Auch könnten Eltern die Qualität des Medienkonsums ihrer Kinder kontrollieren.

Rubriklistenbild: © DPA

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