Strafrechtliche Prüfung

Schwere Vorwürfe gegen Feuerwehr-Mitglied: Junge Frau erleidet Depression

Blaulicht und Martinshorn auf einem Feuerwehrfahrzeug
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Schwere Vorwürfe: Hat ein Mitglied der Feuerwehr Northeim eine Feuerwehrfrau tiefer in die Depression getrieben? Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Die Ortsfeuerwehr Northeim kommt nicht zur Ruhe. Das Verhalten zumindest eines führenden Mitglieds der Northeimer Ortsfeuerwehr beschäftigt nun die Staatsanwaltschaft.

Northeim / Göttingen – Wie der Sprecher der Göttinger Anklagebehörde auf Anfrage mitteilte, hat die Northeimer Stadtverwaltung um eine Prüfung gebeten, ob das Verhalten eines Feuerwehrmanns den Tatbestand der Körperverletzung erfüllen könnte. Der betreffende Feuerwehrmann ist von Bürgermeister Simon Hartmann bereits vor einigen Wochen vorübergehend von seinen Aufgaben freigestellt worden.

Stadtverwaltung Northeim gibt keine Auskunft

Vonseiten der Stadtverwaltung gab es dazu keine Auskunft. „Zu laufenden Verfahren kann derzeit keine Aussage getroffen werden“, teilte der allgemeine Vertreter des Bürgermeisters, Jörg Dodenhöft, auf Anfrage mit. Er bestätigte lediglich die Freistellung des Beschuldigten.

Bei dem Verhalten, das nach Ansicht der Stadtverwaltung eine Körperverletzung darstellen könnte, geht es um die Art und Weise wie der Feuerwehrmann 2018 mit einer Kameradin umgegangen sein soll, die im Feuerwehrdienst eine schwere Verletzung erlitten habe, erklärte Buick.

Feuerwehrfrau listet weitere Fälle von Fehlverhalten auf

Die Feuerwehrfrau hat in einem vier Seiten langen Brief an Bürgermeister Simon Hartmann und die Mitglieder des Rates geschildert, wie der ranghöhere Feuerwehrmann nach dem Unfall, an dessen Folgen sie zeitlebens leiden wird, umgesprungen sei. Dazu hat sie noch einige weitere mutmaßliche Fälle von Fehlverhalten des Mannes aufgelistet. Dieses Schreiben liegt der Redaktion vor. Sie beschreibt darin dessen Verhalten ihr gegenüber als herabwürdigend und demütigend.

Infolge des Unfalls, der ihren geplanten Berufsweg unmöglich gemacht hatte, war die junge Frau an einer schweren Depression erkrankt, die mehrmonatig stationär behandelt werden musste. Als sie sich ein Stück weit erholt habe, soll der Feuerwehrmann sie vier Monate später ultimativ auf die Wache zitiert haben, um ihr den Schlüssel der Wache und den Digital-Meldeempfänger abzunehmen. Aus welchem Grund er beides von ihr verlangt habe, bleibt offen.

Feuerwehrfrau: „Von Zeugen gedemütigt“

Dabei soll er aggressiv brüllend aufgetreten sein und sie vor Zeugen gedemütigt haben. Die Folge sei, dass sie einen schweren Rückfall in die Depression erlitten habe, die einen neuerlichen Klinikaufenthalt notwendig gemacht habe. Trotzdem habe er sie in den Wochen danach regelmäßig angerufen und ihr Vorwürfe gemacht.

Die Frau, die an dem erlittenen Unfall keine Schuld trifft, ist inzwischen wieder bei der Feuerwehr aktiv, allerdings nicht in der Northeimer Ortswehr.

In der Ortsfeuerwehr Northeim rumort es seit Langem

In der Northeimer Ortswehr schwelt außerdem sein Langem ein Streit darüber, wie die Wehr geführt wird. Aus diesem Grund hatte Bürgermeister Simon Hartmann Ende vergangenen Jahres Schiedsmann Walter Sebo als neutralen Schlichter eingesetzt. 30 Wehrleute trugen ihm ihre Probleme vor. Die Ergebnisse sind zwar bereits dem Ortswehr-Gesamtkommando vorgestellt worden. Mehr ist aber infolge der Corona-Pandemie noch nicht passiert.

Als Reaktion, so hat Hartmann schon im Juni angekündigt, soll es eine neue Satzung für den Betrieb der Wehren sowie neue Dienstanweisungen geben.

Die Absetzung eines Gruppenführers durch die Wehrführung in diesem Frühjahr sorgte trotzdem für weiteren Zündstoff. Sie musste nach Intervention der Verwaltung zurückgenommen werden: Die rechtlich vorgeschrieben Anhörung des Betroffenen hatte nicht stattgefunden. (ows)

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