Autofahrer suchen Schleichwege durch den Wald

Harztor-Baustelle in Northeim wird zum Politikum

Einfahrtskontrolle: Wenn ein Fahrzeug, das in den Baustellenbereich darf, die Straßensperre passiert hat, stellt der Kontrollposten die Sperrbake wieder in die Durchfahrt.
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Einfahrtskontrolle: Wenn ein Fahrzeug, das in den Baustellenbereich darf, die Straßensperre passiert hat, stellt der Kontrollposten die Sperrbake wieder in die Durchfahrt.

Die Unabhängige Wahlgemeinschaft Hammenstedt (UWH), die Wählervereinigung Northeim 21 und die FDP-Stadtratsfraktion wollen nicht akzeptieren, dass die Bundesstraße 241 als Hauptzufahrt aus Richtung Osten in die Kreisstadt bis Mitte Oktober komplett abgeriegelt sein soll, wollen

Northeim – Die UWH sieht die seit einigen Wochen geltende Vollsperrung als Folge mangelnder Kontrolle durch Stadt und Polizei. „Die Einwohner Hammenstedt müssen jetzt unter den Versäumnissen der Polizei und der Verwaltung leiden“, kritisiert sie. Die Wählergemeinschaft und die mit ihr personell verbundene Gruppe Northeim 21 fordern, dass wenigstens außerhalb der Zeiten, in denen auf der Baustelle gearbeitet wird, also abends, nachts und am frühen Morgen sowie an den Wochenenden eine Durchfahrtsmöglichkeit für die Hammenstedter geschaffen werden soll. Die Bewohner der Ortschaft, die zu Northeim gehört, hätten, so argumentiert Northeim 21, „durchaus das Recht als Anlieger zu gelten“.

Es könne niemand die Frage beantworten, wie es geschafft werden könne, dass bei einer solchen zeitweiligen Öffnung der Straße, dann alle wieder die Umleitungsstrecken führen, wenn gearbeitet werde, weist Northeims Bürgermeister Simon Hartmann (SPD) den Vorschlag zurück. Kontrollen in dem von der UWH geforderten Umfang könnte die Polizei nicht leisten.

Eine Extra-Lösung für die Hammenstedter funktioniere nicht, betont Jörg Dodenhöft, Hartmanns Allgemeiner Vertreter. Juristisch seien nur die unmittelbaren Anwohner der Straße Harztor sogenannte Anlieger, für die Ausnahmen geschaffen werden können.

Die FDP fordert, den auch zeitweise von der Stadt verfolgten Plan doch zu verwirklichen, stadteinwärts den Verkehr über die Straße Am Lohgraben und dann über die Zufahrtsstraße für die dortigen Schrebergärten an der Bahnstrecke entlang und weiter über Jahn- und Kanalstraße in die Innenstadt zu führen. Auch dieser Variante erteilte Hartmann eine Absage.

Für die von der FDP gewünschte Umleitung wegen der Harztorbaustelle müsste die Stadt einen Sicherungsposten am Bahnübergang Am Lohgraben finanzieren. Dieser Posten müsste dort rund um die Uhr platziert werden, so Bürgermeister Simon Hartmann, weil die Bahnstrecke auch rund um die Uhr befahren sei. 220. 000 Euro würde das kosten.

Die Kosten für den Posten, der am Ortseingang von Northeim kontrolliert, dass kein Unbefugter in die Baustelle einfährt, muss die Stadt Northeim bereits tragen. Er schlägt laut Hartmann mit 100 000 Euro zu Buche.

Auch wäre dort nur Umleitungsverkehr in einer Richtung möglich. Den Verkehr in der anderen Richtung durch die Baustelle zu führen, sei aber zum einen nach den Erfahrungen vor der Vollsperrung kaum möglich. Auch sei das technisch schwierig, weil zwischen Lohgraben und Ostring demnächst die Fahrbahnarbeiten beginnen und der noch vorhandene Asphalt dort abgefräst werde, erklärte Olaf Hagenow, Technischer Leiter des städtischen Eigenbetriebs Abwasserbeseitigung.

Sperrbake am Seldeweg: Den Waldweg haben Autofahrer genutzt, um ohne großen Umweg an der Harztor-Baustelle vorbeizukommen.

„Verkehr sucht sich wie Wasser seinen Weg“, sagte Hartmann. So hätten in der Frühphase der Baustelle Autofahrer die Abkürzung vom Wendehammer des Seldewegs über den Gehweg auf die Wilhelmstraße genommen, berichtete dessen Allgemeiner Vertreter Jörg Dodenhöft. Mit Wasserbausteinen sei dem ein Riegel vorgeschoben worden. Die Sperrbaken am Bahnübergang Am Lohgraben hätten Autofahrer bereits mehrfach beiseite geräumt, um an den Schrebergärten entlang in die Stadt fahren zu können.

Um den Schleichverkehr auf Waldwegen über den Wieter einzudämmen, seien dort zahlreiche Wege gesperrt worden. Die Strecke vom Weinbergsweg an der Wilhelmswiese vorbei sei allerdings nun mit Ampelregelung und Tempo 10 als Umleitung eingerichtet worden. Nur über diese Strecke sei die Kfz-Schule, das Hotel Freigeist sowie der Ruhewald zu erreichen, erläuterte Dodenhöft. Für Beisetzungen hätten die Bestatter außerdem einen Schlüssel, um die unterhalb der Kfz-Schule aufgestellte Schranke öffnen zu können.

Auch wer zu den Tennisplätzen und zur Reitanlage am Gesundbrunnen wolle, dürfe dort fahren. Den Vorwurf der Wählergruppe UWH, diese Umleitung sei nur für Reiter und Tennisspieler geschaffen worden, wies Dodenhöft zurück (Olaf Weiss)

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