Management soll Innenstadt beleben

Stadt Northeim sagt Leerstand den Kampf an

Leere Läden in Northeim: Wie in vielen anderen Mittelstädten in Niedersachsen auch nimmt die Zahl der leeren Läden in der Innenstadt weiter zu. Allein in der Fußgängerzone (hier ein Bild von der Breiten Straße Ost) sind es etwa 25, in der gesamten Innenstadt über 40.
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Leere Läden in Northeim: Wie in vielen anderen Mittelstädten in Niedersachsen auch nimmt die Zahl der leeren Läden in der Innenstadt weiter zu. Allein in der Fußgängerzone (hier ein Bild von der Breiten Straße Ost) sind es etwa 25, in der gesamten Innenstadt über 40.

Die Stadt Northeim möchte aktiv werden gegen den zunehmenden Leerstand von Läden in der Northeimer Innenstadt. Es soll ein Leerstandsmanagement ins Leben gerufen werden.

Northeim - Dazu haben wir dem mit dem Northeimer Stadtbaurat Frederik Backhaus gesprochen. Mehr zum geplanten Innenstadtmanagement in Fragen und Antworten.

Hat die Stadt schon einen ungefähren Überblick über die Anzahl des Leerstands in der Innenstadt?

Leerstände in der Northeimer Innenstadt im März 2020

Ja. Es gibt eine Ausarbeitung der Verwaltung mit einer Leerstandskarte. Die stammt vom April 2020, also vor dem ersten Corona-Lockdown. Danach sind im engeren Bereich der Fußgängerzone 25 leere Läden zu verzeichnen. Nimmt man die Randbereiche im Westen (Bahnhofstraße) und Osten (Breite Straße zwischen Kirchstraße und Schaupenstiel) sowie die Mühlenstraße hinzu, dann sind es sogar 40 Leerstände. Und seit April vorigen Jahres dürften noch einige hinzugekommen sein.

Wie sehen die Konzepte zur Einrichtung eines Leerstandmanagements aus?

Es sind verschiedene Varianten denkbar, die derzeit geprüft werden. Ein klarer Favorit hat sich laut Stadtbaurat noch nicht herauskristallisiert. Grundsätzlich ist der Aufbau mithilfe von Personal aus einem externen Büro möglich. Denkbar ist aber auch die Schaffung einer eigenen neuen Stelle durch die Stadt. Inhaltlich sieht die Stadtverwaltung das Leerstandsmanagement als „Belebungsmanagement“ für die Innenstadt. Stadtbaurat Backhaus: „Dessen Zuständigkeit soll nicht am leeren Schaufenster enden.“

Wann könnte der Start dafür sein?

Das ist davon abhängig, wie und durch wen die Aufgabe künftig wahrgenommen wird. Die Verwaltung möchte dem Sanierungsausschuss konkrete Vorschläge vorlegen. Das könnte im Frühsommer der Fall sein. Die Politik hat dann zu entscheiden. Sofern die Aufgabe durch zusätzliches Personal in der Stadtverwaltung wahrgenommen werden soll, müsste eine Stelle im Stellenplan ausgewiesen werden. Bei Vergabe an Externe muss die Aufgabe ausgeschrieben werden. Wenn alles gut läuft, könnte bis Jahresende das Leerstandsmanagement starten.

Kann die städtische Wirtschaftsförderung die Aufgabe nicht mit übernehmen?

Nein. Die Wirtschaftsförderin der Stadt hat laut Backhaus bereits ein breites Aufgabenspektrum zum Beispiel bei der Erschließung neuer Gewerbegebiete und Betriebsansiedelungen zu bewältigen. Sie leiste erfolgreiche Arbeit. Für das Innenstadt-Leerstandsmanagement seien zusätzliche personelle Kapazitäten erforderlich.

Gibt es Zuschüsse für die Einrichtung eines Leerstandmanagements?

Ja, die Einrichtung ist über das Städtebauförderungsprogramm „Lebendige Zentren“ förderfähig, aber nur, wenn das eine externe Person macht. Die Förderhöhe beträgt in der Regel zwei Drittel der anfallenden Kosten. Die Stadt müsste ein Drittel selbst tragen. Förderzeitraum wäre drei Jahre, sofern zwingende sachliche Gründe vorliegen, wäre auch eine längere Förderdauer möglich.

Wo könnte das Leerstandsmanagement sein Domizil aufschlagen?

Unabhängig davon, ob die Aufgabe verwaltungsintern oder extern wahrgenommen wird, ist die Nähe zur Innenstadt, zu den Eigentümern, Geschäften und den Bürgern wesentlicher Bestandteil einer erfolgreichen Arbeit eines Leerstandsmanagements, heißt es von der Stadt. Denkbar sei durchaus ein Domizil im Bürgerbüro am Münster.

Sollen Einwohner oder Hauseigentümer mit eingebunden werden?

Ja. Ohne Einbeziehung von Einwohnern und insbesondere Eigentümern kann ein Leerstandsmanagement nicht funktionieren, sagt der Stadtbaurat. Es gehe schließlich nicht nur um die Erfassung, sondern um einen aktiven Umgang mit Leerständen.

Frederik Backhaus, Stadtbaurat Northeim

Wie soll die Beteiligung aussehen?

Das wird unter anderem auch abhängig davon sein, wie aktiv die Eigentümer sich am Belebungsmanagement beteiligen wollen. Die Stadt möchte insbesondere bereits bestehende Netzwerke nutzen und auch Akteure wie die innerstädtische Standortgemeinschaft in den Prozess einbinden.

Was soll ein Leerstandmanager leisten?

Sie oder er sollte sich nicht nur auf die Vermittlung von Leerständen oder deren „Bespielung“ sowie den steten Austausch mit den Hauseigentümern beschränken. Auch weitere Fragestellungen zur Attraktivitätssteigerung der Innenstadt, die über die Leerstandsthematik hinausgehen, sollten zur Aufgabe gehören. Die Stadtverwaltung erarbeitet gerade ein Aufgabenprofil als Vorschlag für die Politik.

Gibt es eigentlich Fördermöglichkeiten aus dem Sanierungsprogramm für Innenstadt-Hauseigentümer, damit sie ihre Häuser umbauen und attraktiver machen können?

Ja, sofern das betreffende Gebäude als stadtbildprägend eingestuft ist, beziehungsweise leer steht, ist eine Förderung aus Mitteln des Städtebauförderungsprogramms, das in Northeim läuft, möglich. In der Innenstadt sind 35 Gebäude im Bereich der Breiten Straße, am Münster, am Schaupenstiel sowie entlang der Mühlenstraße als stadtbildprägend ausgewiesen. Ob es Zuschüsse gibt, darüber berät die Stabsstelle Städtebauförderung unter Telefon 0 55 51/96 63 38. Ansprechpartner ist Andreas Vieweg.

Wie hoch wären solchen Förderungen für private Investitionen?

Die Höhe der Zuschüsse aus dem Stadtsanierungstopf ist abhängig von einer sogenannten Ertragswertberechnung. Die wird laut Stadtverwaltung auf Grundlage von Kosten und Erträgen des jeweiligen Objektes erstellt. Auch dazu berät die Stabsstelle Städtebauförderung in Zusammenarbeit mit dem von der Stadt beauftragten Sanierungsträger, dem Planungsbüro Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK), Tel. 0511/ 53 09 81 4.

(Axel Gödecke)

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